Amazon-Gründer Jeff Bezos kauft die Washington Post



(CK mit dpa) Die Übernahmewelle renommierter amerikanischer Zeitungen geht in atemberaubenden Tempo weiter: Kurz nach dem Verkauf des Boston Globe durch die New York Times wechselt nun auch die Washington Post ihren Eigentümer. Käufer ist völlig überraschend Jeff Bezos, Gründer und Mehrheitsaktionär von Amazon.

Was sich zuvor bei Zeitungen wie dem Orange County Register und dem Boston Globe abzeichnet hatte, wird jetzt zu einem soliden Trend: Charismatische Unternehmer aus anderen Branchen legen sich traditionsreiche Medien zu. Noch vor einigen Jahren durfte man glauben, dieser Trend beschränke sich auf Osteuropa, wo Oligarchen eine oft fatale Zuneigung zu Leitmedien entwickelten, die sie ihren Imperien einverleibten und die fortan frohe Kunde von den Verdiensten ihrer neuen Herren gaben.

Reiche Unternehmer kaufen sich die Weltpresse

Nun hat der Trend zum Kauf von Leitmedien durch reiche Einzelpersönlichkeiten den Westen endgültig überrollt. Führende Titel in Frankreich und Spanien gehören bereits seit einigen Jahren Nicht-Verlegern, die über eine Vielzahl branchenfremder Interessen verfügen. Die USA folgen dieser Entwicklung in rasanter Geschwindigkeit. Und das nun auch noch im Heiligtum der amerikanischen Presse: bei der Washington Post, dem Hort des investigativen Journalismus und publizistischer Heimat der Watergate-Enthüller Bob Woodward und Carl Bernstein.

Jeff Bezos ist fraglos einer der größten Unternehmer unserer Zeit. Ein Visionär und Tatmensch. Es gibt nicht viele andere Unternehmer dieser Ranges, die charakterlich so bescheiden und zurückhaltend sind wie Bezos, und bei denen man die begründete Hoffnung hegen darf, dass sie redaktionelle Freiheit zu schätzen wissen.

Künftig wird es einen blinden Fleck geben

Bei allem Respekt aber darf man davon ausgehen, dass sich die Washington Post die längste Zeit kritisch mit den enorm hohen Aktienkursen von Amazon, der Machtfülle dieses Online-Händlers oder den Produkteigenschaften des Kindle auseinander gesetzt hat. Bei diesen Themen ist die Redaktion künftig befangen, so wie Les Echos oder El Pais bei den Industrie-Interessen ihrer neuen Eigentümer befangen sind.

Dies ist ein Verlust. Die Figur des Verlegers, der keine anderen wirtschaftlichen Interessen hat als seine eigenen Medien, ist durch nichts zu ersetzen.

Sinnvoller Kauf für Jeff Bezos zu einem Schleuderpreis

Nur 250 Millionen Dollar muss Jeff Bezos für die Washington Post bezahlen. Eines der wertvollsten Unternehmen der amerikanischen Presse wechselt den Eigentümer für einen Bruchteil seines ehemaligen Werts. Bezos bereichert sein Portfolio damit nicht nur um eine höchst reputierliche Marke und starken politischen Einfluss, sondern er sichert sich auch wertvolle redaktionelle Inhalte für seinen Online-Shop.

So viele Informationen Amazon heute über Bücher, Musik oder Filme auch anzeigt, so mager sind doch die Rezensionen, die von der kleinen Amazon-Kritiker-Truppe und den Nutzern eingestellt werden. Man kann alles per Knopfdruck kaufen, doch was den Kauf wirklich lohnt, wofür man seine Zeit und sein Geld wirklich investieren sollte, das sagt einem Amazon bisher nicht. Dies könnte sich mit dem Kauf der Washington Post bald ändern.

(Nachtrag: Sehr lesenswerter Text in der New York Times über Jeff Bezos als Investor und künftiger Verleger: A Mogul Gets a Landmark in the Capital)

(Das folgende Porträt des Jeff Bezos stammt von Andrej Sokolow, dpa):

Auf den ersten Blick entbehrt die Nachricht nicht einer gewissen Ironie: Als Gründer und Chef von Amazon hat Jeff Bezos wie kaum ein anderer die Verdrängung gedruckter Bücher durch E-Books beschleunigt. Jetzt kauft er sich die „Washington Post”.

Immerhin passt die Business-Philosophie des 49-Jährigen perfekt zum heutigen Zustand der Branche in Amerika: Er ist bereit, jahrelange Durststrecken in Kauf zu nehmen. Zudem ist Bezos nicht darauf angewiesen, dass die „Washington Post” ihn reicher macht. Die 250 Millionen Dollar, die er für eine der berühmtesten Zeitungen der Welt bezahlte, machen höchstens ein Prozent seines geschätzten Vermögens aus.

Einstieg beim Business Insider

Sein Interesse an der Medienwelt offenbarte Bezos erstmals im Frühjahr, als er fünf Millionen Dollar in die Website „Business Insider” investierte, ein Blog, das Wirtschafts-Berichterstattung mit klickträchtigen Schlagzeilen praktiziert.

Davor war vor allem die Raumfahrt als Hobby und Leidenschaft des quirligen Milliardärs bekannt. Er versucht, Reisen ins Weltall auf die Beine zu stellen, eigenes Raumschiff inklusive. Ein Prototyp stürzte bei einem unbemannten Testflug ab, Bezos bleibt dran und scheute in der Zwischenzeit keine Mühen, um Triebwerke der Trägerrakete von „Apollo 11” vom Meeresgrund zu heben.

Das zeigt: Schon mit seinem Tagesjob bei Amazon und dem Raumfahrt-Hobby ist Bezos gut ausgelastet. Das ließ er seine neuen Angestellten auch sofort wissen: „Ich werde die Washington Post nicht im Tagesgeschäft führen.” Zugleich kündigte er Veränderungen an: Durch das Internet sei alles im Wandel und es gebe keine Karte für den Weg in die Zukunft. „Wir werden experimentieren müssen.”

Dienst bei der Hotline für Top-Manager

Bezos’ Führungsstil bei Amazon ist so eigenwillig wie kontrovers. Man erzählt, er lasse in Besprechungen oft einen Stuhl frei – für den imaginären Kunden. In den klammen Anfangsjahren wurden kurzerhand Türen zu Schreibtischen unfunktioniert, Top-Manager müssen alle paar Jahre an die Telefon-Hotline. Wachstum geht vor Gewinn, selbst wenn es schwarze Zahlen gibt, sind sie für ein Unternehmen dieser Größe eher symbolisch.

Bezos, der als Kind viel Zeit auf der Ranch seines Großvaters in Texas verbrachte, gründete Amazon 1994. Die Firma überlebte das Platzen der Internet-Blase vor über zehn Jahren und ist der weltgrößte Online-Einzelhändler. „Ich habe in meinen Jahren im Geschäft gelernt, dass es am Gefährlichsten ist, sich nicht von den anderen zu unterscheiden”, sagte Bezos in einem dpa-Interview. „Wir wollen Sachen erfinden, die den Leuten anfangs ungewöhnlich vorkommen – aber einige Jahre später für alle normal sind.”



 

12 Kommentare

 
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    [...] der Außenbeauftragte des Springer-Konzerns. In seinem Blog hat er jenen kritischen Gedanken formuliert, der sich, wohl abgewogen, so anhört:   “Bei allem Respekt aber darf man davon [...]

    Ob Jeff Bezos eine Apfelbaumplantage kauft? — Carta

    6. August 2013

     
  10. Man sollte IMHO nicht über den mutmaßlichen blinden Fleck der Washington Post zu schreiben, ohne zu erwähnen, dass sich Jeff Bezos genau dazu explizit geäußert hat:
    “While I hope no one ever threatens to put one of my body parts through a wringer, if they do, thanks to Mrs. Graham’s example, I’ll be ready.”
    http://www.washingtonpost.com/national/jeff-bezos-on-post-purchase/2013/08/05/e5b293de-fe0d-11e2-9711-3708310f6f4d_story.html
    Auch eine kurze Erörterung, ob es denn nun eher zukunftsträchtig ist, Metropolen-Zeitungen zu kaufen (wie Bezos) oder zu verkaufen (wie Springer), wäre sicherlich hilfreich.

     
     
    • Hallo Detlef! Danke für die Ergänzung des Zitats. Wichtiges und gutes Zitat! Wie gesagt: Jeff Bezos sind die ehrenhaftesten Motive zu unterstellen. Doch einen Blind Spot gibt es immer, schon allein, weil man als Journalist durch Insiderinformationen befangen gemacht wird, die man nicht bekäme, wenn man nicht zu der jeweiligen Gruppe gehören würde. Das ist ganz natürlich. Gute Redaktionen weisen das immer aus, und so wird es wahrscheinlich auch die Washington Post tun. Früher hat sie sich zurück gehalten mit investigativer Berichterstattung zu anderen Beteiligungen der Washington Post Group oder der Graham-Familie, künftig wird sie sich in Sachen Jeff Bezos und Amazon für – zumindest teilweise – befangen erklären.

      Befangen bin natürlich auch ich, und zwar in Sachen Springer. Deswegen kommentiere ich in diesem Blog auch kein Springer-Geschäft, wie Du es vorschlägst. Warum bin ich befangen? Weil mit Mithandelnder bin und Wissen besitze, das ich als Außenstehender nicht hätte. Folglich verbietet es sich, dass ich darüber schreibe.

       
       
  11. (Pingback)

    [...] seinem Blog hat er jenen kritischen Gedanken formuliert, der sich, wohl abgewogen, so anhört: “Bei allem Respekt aber darf man davon ausgehen, dass [...]

    Ob Jeff Bezos eine Apfelplantage kauft?

    6. August 2013

     

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