Auf dem Gründer-Schiff des Telekom-Inkubators Hubraum: Spree-Rundfahrt vor der Tech Open Air im “Kater Holzig”
Der Flughafen wird nicht fertig, die S-Bahn fährt nicht und die Schulen sind ein Trauerspiel – man könnte denken, Berlin wäre dem Niedergang geweiht. Doch allen Widernissen zum Trotz hat sich Berlin zu einer der spannendsten Unternehmer-Städte der Welt entwickelt. Aufbruchstimmung und Vielfalt der Internet-Gründerszene sind nicht mehr weit vom Silicon Valley entfernt. Manche amerikanischen Investoren finden Berlin sogar schon frischer und dynamischer als Palo Alto. Nicht umsonst hält sich YouTube-Mitgründer Jawed Karim seit Wochen in der Stadt auf. Deutlich wurde die Aufbruchstimmung wieder einmal in der vergangenen Woche bei der Tech Open Air. Hier ein paar kommentierte Fotos:
Diese beiden Herren haben die Tech Open Air in wenigen Wochen mit Hilfe von Crowdfunding und Sponsoren aus dem Boden gestampft: Nikolas Woischnik (rechts), Unternehmer und Kopf des Blogs TechBerlin, und Daniel Westerlund von Digitalime, der das starke Webdesign der Seite entworfen hat.
Nikolas und Daniel haben mir einen kleinen Videogruß ins iPhone gesprochen, den man beim Klicken hier sehen kann.
Kater Holzig, eine Art Abenteuerspielplatz in Holzbauweise für Erwachsene, erwies sich mit seinen vielen Bühnen, Bars und Winkeln als optimaler Ort für ein Internet-Gründertreffen. Das Gelände gehört der Berliner Stadtreinigung BSR, die Der Eigentümer des Grundstücks hat zum Glück bisher noch keinen Trivialbau darauf gestellt hat wie Investoren auf der anderen Seite der Spree. * Auf der Außenbühne fanden Gründer-Präsentationen im Poetry-Slam-Stil statt. Wer es schaffte, gegen das Gemurmel des Publikums anzukommen und Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, hatte die erste Feuerprobe eines jeden Gründers bestanden: Leute zum Zuhören zu bringen, die gerade mit anderen Themen beschäftigt sind.
Im Hintergrund sieht man die herrlich morbide Architektur des Kater Holzig. Berlin ist Deutschlands unfertigste Stadt, und genau das zieht die Gründerszene an. Viel spricht dafür, dass Berlin seine Magnetwirkung wieder verliert, wenn erst einmal alle anarchischen Flecken so aussehen wie die neue Promenade am Monbijoux-Park: Wo früher ein dunkler, romantisch-gefährlicher Stadtstrand mit Barhütte und Blick auf Wasser und Museumsinsel lag, verläuft heute ein gefegter Trottoir im Baden-Baden-Kurschatten-Stil. Touristen finden das vielleicht toll, Hacker aber nicht.
Am Donnerstag Abend ging die Party im Kater Holzig sehr lang, deswegen musste am Freitag morgen ein Katerfrühstück her. Wo fand es statt? Im Journalistenclub bei Axel Springer. Serviert wurden Rollmops und Bloody Mary. Erst mochte ich nicht glauben, dass wirklich jemand Wodka in den Tomatensaft kippte, es war ja erst zehn Uhr morgens. Doch an der Bar kam schnell die Bestätigung: Ja, echter Wodka, wenn auch vernünftig dosiert. Auf diesem Bild sehen wir die beiden Gründer Hans Raffauf (links) und Jan Bechler. Jan war früher fest bei Springer. Heute berät er uns und bringt im Hauptberuf sein Start-Up Navinos, ein Weinportal, auf Touren.
Keine Fotomontage: Alex Napetschig von Klash erschien wirklich in kurzen Hosen und legeren Slippern im ehrwürdigen Journalistenclub. So ist er, der moderne Gründer: Er kämpft für disruptiven Wandel.
Gäste …
… und noch mehr Gäste. Wenn man einmal sitzt, kommt man aus den ledernen Clubsofas schwer wieder heraus. Tech-Blogger Nikolas (rechts) lässt einen Schnell-Pitch über sich ergehen.
Gäste …
… und links Ulrich Schmitz, Chief Technology Officer unseres Bereichs Elektronische Medien. Jan und Ulrich haben die Tech Open Air zum Katerfrühstück ins Haus geholt.
Stackoverflow! Was Berlin jetzt hat, sind: Programmierer, junge Unternehmer, technische Intelligenz, drei Universitäten, starke Medienfirmen, massenhaft kluge Immigranten, billige Büros, billige Wohnungen, Angels, Inkubatoren, Venture Capital, jede Menge Touristen, verwegende Abenteuerspielplätze am Wasser und eine Politik, die sich weitgehend heraus hält, weil sie andere Probleme zu lösen hat. Das könnte in der Tat genau das sein, was man braucht, um in Europa ein neues Silicon Valley entstehen zu lassen.
* = Nachtrag vom 28. August: Ich habe nach Hinweis der BSR einen Fehler korrigiert. Das Grundstück des Kater Holzig gehört nicht der BSR, sondern das gegenüber liegende Grundstück des Kater Holzig-Vergängers Bar 25.
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[...] als kommenden „Silicon Valley“ und erntete dafür Applaus und nur wenig sketpische Blicke. Presseschauder.de griff diese Formulierung auf und titelte gar: „Berlins Aufstieg vom Abenteuerspielplatz zum [...]
Tech Open Air Berlin | Meinherzonline
22. Januar 2013
JT
Zum Thema Standort Berlin:
http://whats-up-in.berlinvalley.com/der-schatten-uber-berlin/
Wahrscheinlich sollten sich Unternehmen wie Springer & Co noch viel mehr dazu berufen fühlen, den Startup-Standort Berlin voranzutreiben.
Gregor
Wenn Berlin so cool ist, wieso ist BILD-Chef Diekmann dann ins echte Silicon Valley aufgebrochen?
JT
Stellt sich die Frage, ob Berlin mit oder ohne Diekmann cooler ist…
[...] Keese, Springer Außenminister und Sprachrohr für´s Digitale, überschlägt sich in dem lesenswerten Artikel auf seinem Blog Presseschauder über den aktuellen Stand und den Ausblick Berlins als eine der [...]
Berlins Aufstieg zum europäischen Silicon Valley | Berlin Valley
28. August 2012
Nikolas
Vielen Dank für den Post, die Unterstützung und die allgemein offenen Türen bei der Axel Springer AG!
Thuemler
Das Grundstück, auf dem das Kater Holzig steht, gehört nicht der BSR, sondern das Grundstück des Holzig-Vorgängers Bar 25.
Christoph Keese
Vielen Dank für den Hinweis. Ich bedauere den Fehler und habe ihn soeben oben im Text korrigiert.