Das größte aufziehende Problem der Medien in zehn Sätzen



Der folgende Text ist absichtlich kurz. Er beschränkt sich auf zehn ineinander greifende Thesen ohne Beweise. Es geht um das größte Problem, mit dem sich Medien in den nächsten Jahren auseinandersetzen müssen.

Satz 1: Smartphones überflügeln nach Nutzungszeit alle anderen Schriftträger inkusive Papier, Desktops und Tablets.

Satz 2: Auf Homepages und Ressortseiten journalistischer Angebote haben bei Smartphones nur drei, maximal vier Anrisse von Beiträgen Platz.

Satz 3: Leser erwarten, dass diese Anrisse für sie relevant sind und kündigen Medien die Treue auf, die sie nicht auf den ersten Blick für relevant halten.

Satz 4: Medien versuchen, relevant zu wirken, indem sie global interessierende Themen betonen, was automatisch aber die individuellen Spezialinteressen des Publikums vernachlässigt und tendenziell langweilt.

Satz 5: Menschliche Kuratierung kann niemals beliebig viele individuelle Spezialinteressen der Leserschaft bedienen.

Satz 6: Nur künstliche Intelligenz, die Sprache versteht, semantische Zusammenhänge deutet und Bezüge herstellt, ist in der Lage, beliebig viele hoch relevante individuelle Angebote zu kuratieren.

Satz 7: Kuratierungs-Algorithmen werden den Zugang zu journalistischen Beiträgen beherrschen.

Satz 8: Menschliche Kuratierung wird zur Nischendomäne einiger meinungsstarker und bekannter Redaktionen.

Satz 9: Künstliche Intelligenz steigt zur Schlüssel- und Schicksalswissenschaft der Medien auf.

Satz 10: Ohne eigenen Zugang zu Patenten und Technologien der künstlichen Intelligenz verlieren Medien Wertschöpfungsanteile, Kundenkontakte, Gestaltungsmöglichkeiten, Verhandlungsmacht und Renditepotential.

(Dieser Text wird mit einem Beitrag über künstliche Intelligenz und Journalismus fortgesetzt. Das daraus resultierende Verhältnis von Journalisten, Redaktionen und Verlagen beschreibt folgender Text.)

 

8 Kommentare

 
  1. (Pingback)

    [...] Das größte auf­zie­hende Pro­blem der Medien in zehn Sät­zen: Der fol­gende Text ist absicht­lich kurz. Er beschränkt sich auf zehn inein­an­der grei­fende The­sen ohne Beweise. Es geht um das größte Pro­blem, mit dem sich Medien in den nächs­ten Jah­ren aus­ein­an­der­set­zen müs­sen. — Tags: wp2013-10 — http://www.presseschauder.de/das-groste-aufziehende-problem-der-medien-in-zehn-satzen/ [...]

    Leseliste Oktober 2013: NSA, Social Media und Transformation des Journalismus

    1. November 2013

     
  2. Joachim Herbert

    Ich vergaß, dass Smartphones und die damit verbundenen Einschränkungen Fläche und Navigation betreffend ja nur eine vorübergehende Erscheinung sind. Wenn man über die Zukunft nachdenkt und noch etwas bewegen möchte, sollte der Focus auf Head Up Displays wie Google Glass liegen – da sind diese Limitierungen zwar nicht in der ersten Generation aber doch mittelfristig aufgehoben und die Möglichkeiten potenziert.

     
     
  3. Flo

    Satz 3: Leser erwarten, dass diese Anrisse für sie relevant sind und kündigen Medien die Treue auf, die sie nicht auf den ersten Blick für relevant halten.

    das hätte ich mal gerne genauer definiert. Wie definiert Mr. Keese “relevant”?
    Für mich persönlich relevant? Ca. 0.001% des Content einer Tageszeitung.
    Für mich relevant aus Interesse? Schwankt, je nachdem was mich grad interessiert.
    Das kann der Zeitungshersteller a priori aber nicht wissen, also muss er breit gestreuten Content liefern. Das war früher schon so, und wird auch in Zukunft so bleiben. Ich verstehe daher nicht, was Satz 3 bringen soll, v.a. i.V.m. den vorangegangenen Kommentaren. Es ist eher Aufgabe meines News-Aggregators die Sammlung relevanter Themen zu übernehmen, und nicht die Aufgabe des News-”Herstellers”.

     
     
  4. kleitos

    “Satz 3: Leser erwarten, dass diese Anrisse für sie relevant sind und kündigen Medien die Treue auf, die sie nicht auf den ersten Blick für relevant halten.”

    Und deshalb darf Google Dank der “Lex Google” aka LSR dieses nicht mehr leisten.

    Davon betrroffen sind natürlich auch RSS-Newsreader, welche die von Herrn Kindermann (s.u.) gewünschte Funktionalität bieten.

    Im ins eigenen Knie schießen ist die deutsche Zeitungslandschaft echt versiert … immerhin etwas ;-P

    Ja, ja, – Gerichte werden das klären – bis dahin ist der Bahnhof aber leer und alle Züge abgefahren …

     
     
  5. Joachim Herbert

    Um die geschilderten Probleme zu lösen, fehlt eigentlich nur ein Agreement mit Google. Das Thema ist ja nicht neu, und wird außerhalb der Verlags aktiv bearbeitet.

    Für einige Punkte gibt es übrigens triviale Lösungen. So könnte man Smartphone-Nutzer mit dem Konzept des Blätterns vertraut machen, um mehr als drei oder vier Themen vorzustellen.

    @Robert Kindermann: Die Plattform braucht es nicht, das leisten RSS-Feeds und eine geeignete Frontend-Software seit Jahren. Und warum die Beschränkung auf “journalistische” Inhalte. Immer öfter sind andere Quellen relevanter.

     
     
  6. Meines Erachtens ist das größte Problem, dass es keine große journalistische Plattform gibt, auf der sich alles findet. Vergleichbar mit Spotify für Musik, VEVO für Musikvideos, Amazon für Bücher, iTunes für Musikdownloads, Facebook und Whatsapp für die Kommunikation.

    Wenn es um journalistischen Content geht, muss ich immer noch unzählige Plattformen händisch ansurfen. Twitter ist eine Brücke, aber noch nicht die finale Lösung.

    Da muss jetzt mal jemand kommen und das richtig machen.

     
     

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