Wenn das Herz voll ist: Googles Twitter-Freude über Heribert Prantls Artikel



Das Schöne an Twitter ist, dass man auf den ersten Blick erkennt, wer etwas mag und wer nicht: Empfohlen wird meist nur, was gefällt. Beim Artikel von Heribert Prantl über das Leistungsschutzrecht muss die Freude bei Google groß gewesen sein: Per Twitter-Feuerwerk schickte Google das Werk am Samstag auf die Reise. Das kann nicht verwundern: Google möchte so lange wie möglich nichts für seine Inhalte bezahlen. Da kam der kritische Beitrag wie gerufen. Googles Umsatz in Deutschland dürfte knapp drei Milliarden Euro betragen, der Gewinn knapp zwei Milliarden (grob geschätzte Zahlen, da keine Daten zu Deutschland veröffentlicht werden). Es gibt also viel zu verteidigen. Hier eine Sammlung der Google-Promotion-Tweets:

Den Reigen eröffnete Google-Sprecher Kay Oberbeck früh am Samstagmorgen. Er war offenbar sehr früh aufgestanden und hatte den Artikel weit hinten im Blatt sofort entdeckt:

Zwei Minuten später folgte ein zweiter Tweet:

Nun schaltete sich das Google-Netzwerk ein. Philipp Otto arbeitet gleich an mehreren Stellen für Google. Er ist Policy-Chef bei IGEL, der von Google finanzierten Initiative gegen ein Leistungsschutzrecht, sowie Manager beim Google Collaboratory. Sein Tweet schmeichelte Prantl:

Dann retweetete irgendjemand bei IGEL den Otto-Schmeichel-Tweet:

Auch mit eigenen Stellungnahmen meldete sich IGEL per Twitter zu Wort:

Zu Wort meldete sich nun auch Axel Wallrabenstein, dessen Agentur MSLGroup Google professionell bei der politischen Kommunikation berät und tatkräftig unterstützt – mit vollem Einsatz auch bei Twitter. Auch er war des Lobes voll für Heribert Prantl:

Weitere Werbebotschaften folgten:

Weil der Text zu diesem Zeitpunkt noch nicht im Netz stand, drängte Wallrabenstein die SZ-Redaktion zur Eile:

Wenig später konnte IGEL den Erfolg vermelden – die SZ hatte den Text online gestellt:

Axel Wallrabenstein retweetete sofort. In dieser Sache schickte er alles an seine Follower, was von IGEL kam. Vermutlich hat die MSLGroup gar keinen PR-Auftrag von IGEL, sondern erledigt das im Rahmen des Google-Mandats gleich mit. IGEL und Google sind ja ohnehin fast identisch.

Wallrabenstein retweetete am Sonntag Abend sogar Philipp Ottos Tweet mit einem vergifteten Kompliment für die beiden Tatort-Autoren, deren Film wiederholt wurde. Lieber die Google-Leute einmal zuviel weiterleiten als einmal zu wenig, mag Wallrabenstein sich gedacht haben:

(Übrigens hat das Wiederholungshonorar bei Fernsehfilmen wenig mit dem Urheberrecht zu tun. Es sind Bedingungen eines normalen zivilrechtlichen Vertrags, den die Parteien miteinander aushandeln. Für die Erstausstrahlung bekommen Drehbuchautoren nicht viel Geld, wenn man die Arbeit bedenkt, die sie zu leisten haben. Dafür werden sie für Folgeausstrahlungen noch einmal honoriert. Lieber wäre es den meisten, sie würden mehr Geld gleich am Anfang bekommen. Der Hashtag „Urheberrecht“ ist fehl am Platze.)

Zurück zur politischen Kommunikation, die ja auch erledigt werden muss. Am Montag stieg Axel Wallrabenstein in die Diskussion mit dem FDP-Bundestagsabgeordneten Manuel Höferlin zur Verwertungsgesellschaftspflicht eines Leistungsschutzrechts ein:

Warum dieser Tweet? Richtig geraten: Google-Ableger IGEL hatte gerade ein Interview mit Manuel Höferlin veröffentlicht:

Was ist von all dem zu halten? Man darf amüsiert sein. Auch meine Verlagskollegen und ich twittern, um uns und und unseren Anliegen Gehör zu verschaffen. Bei uns steht allerdings überall „Verlag“ drauf, wo „Verlag“ drin ist. Verkleidete Nebendarsteller gibt es nicht.

Bei dieser Gelegenheit noch einmal die Frage: Mit wie viel Geld unterstützt Google IGEL? Seit mehr als einem Jahr verweigern IGEL und Google darüber die Auskunft.



 

25 Kommentare

 
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    Sie sollten sich von der Vorstellung lösen, dass alle, die nicht Ihrer Meinung sind (und das sind eine Menge), direkt oder indirekt von Google finanziert werden.

     
     
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  12. Ihre Selbstblindheit nimmt wirklich beunruhigende Züge an. Darf ich nochmal an Jan Hegemann erinnern?

    Der in der “Welt” als scheinbar unabhängiger Experte präsentiert wurde… http://www.welt.de/wams_print/article3711095/Die-wichtigsten-zehn-Fragen-zum-Urheberrecht.html

    …obwohl er für Sie arbeitet? http://www.message-online.com/94/spielkamp.html

    Und angesichts dessen sehen Sie sich wirklich in einer Position zu schreiben: “Verkleidete Nebendarsteller gibt es nicht”? Oder gilt das nur für Twitter, aber nicht für die Publikationen der Axel Springer AG?

     
     
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  14. Danke, Christoph, für das aufmerksame folgen meiner Tweets. Du hast vergessen, Deine Tweets zur Kritik des Prantl-Textes hinzuzufügen und die von Dietrich von Klaeden und den anderen LSR-Befürwortern, denen der Text nicht ins Konzept passt – das würde das Bild komplettieren. Das Gute an dieser Diskussion ist doch: Das Leistungsschutzrecht wird noch nicht einmal aus dem Lager der Verlage & Redakteure ganzheitlich getragen. Von der Politik ganz zu schweigen. Danke, dass Du das hier auf Deinem Blog auch noch einmal klarstellst mit den Hinweisen zum Prantl-Artikel.

     
     

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