Creative Commons hat Pionierarbeit geleistet bei der Vereinfachung der Rechte-Einholung im Internet (siehe Blogpost über Lawrence Lessigs Artikel für das Handelsblatt). Doch bislang beschränkt sich Creative Commons nur auf kostenlose Beiträge. Mit wenig Aufwand könnte das System weiter entwickelt werden für die kommerzielle Sphäre und damit einen wichtigen Beitrag zur Anerkennung und Vergütung von Kreativität im Internet leisten. Wie könnte ein solcher Schritt konkret aussehen? Hier einige Vorschläge.
So sehen die Creative Commons-Symbole heute aus. Die oberen sechs Piktogramm-Zeilen und Erläuterungen sind derzeit im Einsatz. Darunter zwei von mir ergänzte Zeilen, die Vorschläge zur einfachen Lizenzierung kostenpflichtiger Beiträge zeigen.
Bild: Creative Commons Lizenz: CC BY 3.0
Die Grafik oben stammt von der Creative Commons-Seite. Sechs Lizenzformen gibt es heute. Sie bestehen aus Kombinationen folgender Attribute:
1. Ohne Namensnennung oder nur mit Namensnennung (BY)
2. Bearbeitung erlaubt oder keine Bearbeitung erlaubt (ND)
3. Kommerzielle Nutzung erlaubt oder keine kommerzielle Nutzung erlaubt (NC)
4. Weitergabe auch unter ungleichen Bedingungen oder Weitergabe nur unter gleichen Bedingungen (SA)
Denkbar wäre, zwei weitere Attribute hinzuzufügen:
Festes Honorar verpflichtend (Fixed Fee)
![]()
Im Kreis dargestellt wird das Logo der Währung, in welcher der Urheber das Honorar wünscht. Dies ist ohne Missverständnisse möglich, denn von Creative Commons benutzt wird derzeit nur das durchgestrichen Dollarzeichen für „keine kommerzielle Nutzung“. Alle andere Währungszeichen sind frei. Währungen, die – anders als Euro, Dollar, Pfund oder Yen – kein eigenes Zeichen besitzen, werden mit ihrem internationalen Buchstabenkürzel darstellt. Der Dollar erscheint mit einem normalen Dollarzeichen, zur Vermeidung von Missverständnissen mit zwei vertikalen Strichen. Oben rechts über dem Icon erscheint die geforderte Summe, in diesem Beispiel 50 Euro. Creative Commons bietet für geläufige Preispunkte fertige Kombinationen aus Symbol und Zahl an. Wer einen neuen Preispunkt erfinden möchte, baut sich das passende Symbol schnell selbst am Computer zusammen. In der Praxis genutzt werden allerdings meist nicht die Icons, sondern die Buchstabenkürzel (siehe oben). Das feste Honorar bekommt das Kürzel FF für Fixed Fee. Es wird ergänzt um das internationale Währungskürzel und den Betrag. Zum Beispiel bedeutet FF EUR 50 „Fixed Fee 50 Euro“.
Prozentuales Honorar verpflichtend (Percentage Fee)
Analog zum fixen Honorar gibt es ein flexibles Honorar. Es verpflichtet den Nutzer, einen prozentualen Anteil des Umsatzes oder Gewinns an den Urheber zu überweisen. Ob Umsatz oder Gewinn als Maßstab gewählt wird und wie diese Größen zu definieren sind, legt Creative Commons in einem demokratischen Meinungsbildungsprozess in seinen Standards fest. Das Kürzel für Percentage Fee ist PF. So bedeutet PF 40 „prozentuales Honorar von 40 Prozent“.
Freie Kombinierbarkeit mit allen anderen Attributen
Die beiden neuen Attribute FF und PF könnten theoretisch mit allen anderen Attributen frei kombiniert werden. Man mag später vielleicht zu dem Schluss kommen, dass es im Sinne der Vereinfachung geschickter wäre, die Zahl der Kombinationsmöglichkeiten einzuschränken. Aber praktische Anwendungsfälle gäbe es mit Sicherheit für alle Kombinationen.
Praktische Umsetzung
Wie kommt das Geld auf das Konto des Urhebers? Wo werden die Stammdaten verwaltet? Wer zieht das Geld ein? Was geschieht, wenn mehrere Nutzer hintereinander das Werk nutzen? Die praktische Umsetzung der kommerziellen Erweiterung von Creative Commons wirft viele Fragen und Herausforderungen auf. Hierzu in Kürze ein weiterer Blogbeitrag. Heute sollten nur die beiden Ergänzungen vorgeschlagen werden.
Twittern
Marco
Interessanter Ansatz. Für das Vergütungsproblem – falls mehrere Nutzer hintereinander das Werk nutzen – fällt mir eigentlich nur eine Lösung ein: Die Honorare müssten addiert werden. Was allerdings ab einem bestimmten Punkt weitere Bearbeitung bei gleichzeitiger Vergütung unmöglich macht.
Noch eine kleine Ergänzung: Die Creative-Commons-Zero gibt es auch noch. Eine Monetarisierung kann mit dieser Lizenz allerdings nicht stattfinden.
Christoph Keese
Danke für Ergänzung um CC Zero. Richtig.
Mathias Schindler
An dieser Stelle sei auf eine “historische” CC-Lizenz verwiesen, die an sich schon in die Richtung dessen ging, was hier vorgeschlagen wird. Das nannte sich damals CC+ (zeh-zeh-plus).
Unter http://wiki.creativecommons.org/CCPlus wird die Lizenz und ihre Bausteine und Arbeitsweise erklärt.
Was oben angedeutet wird, ist also heute schon mit dem Modell “cc-nc-nd-plus” möglich: Die Erlaubnis zur nichtkommerziellen, nicht verändernden Nutzung und eine maschinenlesbare Form zum Erwerb von darüber hinausgehenden Rechten.
Frage an Christoph Keese: Schwebt ihnen eine Lizenz vor, die im default hinter cc-by-nc-nd zurückfällt, also das zeitlich und räumlich nicht eingeschränkte Recht zur nichtkommerziellen Verbreitung bei Namensnennung?
Stefan Herwig
Ich wollte noch kurz anmerken, dass neue CC Lizenzmodule hier lange nicht Schluss machen müssen.
zum Beispiel weitergabe an X User bzw. über X Generationen wäre auch toll.
Ich kaufe einen zeitungsartikel für 50 Cent, und er ist nur für mich. Für 75cet kann ich den zeitungsartikel jedoch dreimal “sharen”.
Dann könnte es ein “Zitat bzw. Snippetmodul” geben.
Im Musikbereich fände ich ungecleartes Sampling cool. Könnte man auch ein Modul für “Schnitzen”.
Gruß,
Stefan