Unbedingt anhören: Sven Regener über den Untergang der Musik durch YouTube, Google und Piraten



Diesen Beitrag im Radio des Bayerischen Rundfunks sollte man gehört haben: Musiker und Autor Sven Regener lässt seiner Empörung über den mangelnden Respekt für die kreative Arbeit von Musikern freien Lauf. Er beschreibt den Niedergang der Musik durch mangelnden Respekt vor geistiger Leistung und die Geschäftsinteressen von Internet-Konzernen. Bild: Bayerischer Rundfunk.



 

19 Kommentare

 
  1. Regenz

    Presseschauder. Klingt unfreundlich, aber die Beiträge sind interessant.

    Mich interessiert, warum Regener von vielen jetzt angegriffen wird. Wen hat er denn angegriffen? Youtube, ja. Die Piratenpartei, ja. Gibt’s keinen, der Regener zustimmen will? Identifizieren sich alle mit youtube, Piratenpartei?

    Leute aus der Piratenpartei haben schon auf den Angriff Regeners reagiert. Was ist mit Leuten aus anderen Parteien?

    Ich hatte über Regeners Interview in der Zeitung gelesen, dass er im Radio einen Wutanfall bekommen hätte. Ich habe mir dann den Text des Interviews durchgelesen im Internet und das Interview dann angehört.

    Ich finde, Regener bleibt in seiner Wut noch nachvollziehbar. Ich finde seine Beispiele gut, wer alles seine Rechte am geistigen Eigentum schützt und teuer verkauft, dass aber Musiker ihre Musik nicht vor Diebstahl schützen können und nicht teuer verkaufen können, ja im Fall von youtube gar nicht.

     
     
  2. Für mich ist eine klare Strategie zu sehen:
    Keile zwischen die Urheber und die Verwerter zu treiben.
    Was aber oft übersehen wird, nicht jeder Autor/Künstler ist bei einem großen Label. Es gibt reichlich, die sind alles in Personalunion: Autor, Künstler, Label und Management.
    Oder diejenigen, die bei einem Indielabel sind.
    Schützt es die irgendwie? Nein.

    Wir haben (noch) eine vitale Indieszene. Es ist keinesfalls so, dass nur 4 Konzerne die Musikwelt beherrschen.

    Es steht ja jedem frei, welchen Weg er gehen möchte.
    Herr Regener wird Gründe haben, dass er bei Universal ist.
    Ich halte ihn auch für schlau genug abzuschätzen, was ihm die Arbeit und Services von Universal wert ist oder anders gesprochen, ob sich für ihn ein Dasein als Indie mehr auszahlt.

    Kluge Bands machen schon seit Jahren ihre eigenen Labels (Ärzte, Tote Hosen) und nutzen nur noch die Vertriebskraft der Majors.
    Bezeichnet irgendjemand diese Bands als Content Mafia?

    Das stumpfe Verwerter Bashing bringt die Diskussion leider kein Stück weiter.

     
     
  3. Christoph Keese

    @ Juliane: Stimmt, es gibt Zahlbereitschaft im Netz. Das ist nicht zu übersehen. Deswegen ist es auch gar nicht notwendig, sich für oder gegen Plattenfirmen zu positionieren. Wer mag, möge mit einer Plattenfirmen zusammen arbeiten, wer es nicht mag, soll als Independent seinen Weg gehen. Aber ganz gleich, welchen Weg man wählt, wird man als Musiker meistens das Interesse haben, etwas Geld mit seiner Kreativität zu verdienen. Ich verstehe Sven Regeners Zwischenruf so, dass er sich gegen Kollektivierungstendenzen wendet und dafür plädiert, dass Künstler selbst entscheiden können, ob sie ihre Arbeit für Geld oder ohne Geld abgeben. Diesen Teil seiner Argumentation finde ich legitim.

     
     
  4. “Was ich verwerflich finde, ist diese absolute Feindseligkeit einer ganzen Masse an Hörern gegenüber – da wird derjenige, der Regeners Musik auf Youtube gucken will und sich über die GEMA-Meldung enttäuscht ist, zum “Deppen”, der sich von der “Internet-Lobby” einspannen lässt.” Wer Kommentare zur aktuellen Debatte liest, darf sich als Urheber ganz besonders freuen: Über die Feindseligkeit “der Masse”, die meist auch noch recht kenntnisfrei daherkommt (z.B. Arbeitsrealität von freiberuflichen Kreativen, Differenzierung zwischen Urheber- und Urhebervertragsrecht). Mich wundert es wenig, dass Urhebern wie Sven Regener irgendwann der Kragen platzt.

    Sehr schade auch, dass ein wichtiger Satz von ihm in der pseudoempörten Debatte über seinen Ausbruch völlig untergeht: “Eine Gesellschaft, die so mit ihren Künstlern umgeht, ist nichts wert.” Die Frage, die aus diesem Satz resultiert, ist nicht einmal annähernd beantwortet: Was ist uns allen Kultur im weitesten Sinne als fundamentaler Teil unserer Gesellschaft wert? In all dem Getöse könnte man den Eindruck gewinnen, die Antwort laute: Wenig. (Worauf sich Sven Regener mit deutlichen Worten bezieht. Nicht mehr und nicht weniger.)

     
     
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    • Juliane Böckler

      “In all dem Getöse könnte man den Eindruck gewinnen, die Antwort laute: Wenig.”

      Woran genau sollen wir jetzt den Wert ablesen, den “die Masse” dem schwammig formulierten Kulturbegriff zubilligt? An der Weigerung, jedes von einer Lobby vorformulierte Gesetz kritiklos durchzuwinken?

      Natürlich leben wir in einer Zeit, in der illegale Kopien und damit die Respektlosigkeit vor dem Künstler allgegenwärtig sind. Wir leben aber auch in einer Zeit, in der via iTunes weit über zehn Milliarden Songs verkauft wurden, in der legale Streaming-Dienste wie Spotify Millionen von zahlenden Kunden haben, in der aus dem Netz eine unglaublich lebendige und durchaus finanziell ertragreiche Kulturszene erwächst.

      Ich glaube, dass ein großer Teil der jüngeren Bevölkerung in den letzten Jahren deutlich mehr Bezug zu kulturellen Inhalten entwickelt hat, als zu Zeiten der Alleinherrschaft von vier großen Musik-Labels. Aber das bedeutet natürlich auch für die alteingesessenen Künstler neue, frische Konkurrenz, die neue Vertriebs- und Marketingwege nutzt.

      Dass damit nicht jeder etablierte Musiker umgehen kann, ist klar.

       
       
  5.  
    • Christoph Keese

      Wieso sollte Paywall eine Zweitverwertung sein? Eine Erstveröffentlichung in einer Abo-Zeitung ist auch keine Zweitverwertung. Genauso ist es bei einer Abo-Website.

       
       
  6. Juliane Böckler

    Finde ich faszinierend: Regener tut so, als würde “vernünftiger Rock’n'Roll” nur unter der Voraussetzung existieren, dass das uralte System der Platten-Multis weiter unverändert besteht. Er ignoriert (mit Kalkül? Durch Unwissen?) fünfzehn Jahre musikalische Independent-Entwicklung, die durch das Netz vorangetrieben wurde und von lokalen Bands bishin zu weltbekannten Künstlern wie Alexi Murdoch tausende Acts mit millionen von sehr aktiven Fans hervorgebracht hat. Aber das nur am Rande.

    Ich finde es überhaupt nicht verwerflich, als Musiker Geld machen zu wollen. Ich bin froh, wenn ein Sven Regener – ein intelligenter Texter und großartiger Komponist – von seiner harten Arbeit leben kann. Was ich verwerflich finde, ist diese absolute Feindseligkeit einer ganzen Masse an Hörern gegenüber – da wird derjenige, der Regeners Musik auf Youtube gucken will und sich über die GEMA-Meldung enttäuscht ist, zum “Deppen”, der sich von der “Internet-Lobby” einspannen lässt.

    Letztlich beschreibt Regener nicht den Untergang der Musik, sondern die Zersplitterung des Musikmarktes in immer kleinere Nischen und Kanäle. Ich habe durch das Internet (ja, auch durch Youtube!) mehr großartige Musik kennengelernt, als ich in einem ganzen Leben hören könnte. Ich habe für vieles gezahlt, oft genug direkt an die Künstler. Aber selten für größere Labels (sind Element of Crime nicht bei Universal?).

    Natürlich darf ein Künstler seine Hörer pauschal in zahlende Kunden und asoziale Schmarotzer einteilen. Ob das seiner Kunst und seiner Zunft aber den Respekt zurückgibt, den er so vermisst – fraglich.

     
     
  7. Ich wüsste gerne mal, woher Regener die Überzeugung nimmt, die heute 15- bis 30-Jährigen hätten außer “Volksmusik, Schlager und Rock für die Älteren” keine “endemische Musik” mehr. Offenbar kennt der Mann das Internet nur vom Hörensagen. Die Anzahl der Music Blogs geht mittlerweile sicherlich in die zehntausende. Dort stellen junge Künstler aller denkbaren Genres ihre Musik größtenteils kostenlos online, und verdienen über die Werbeeinnahme der Downloadplattformen. Ungeachtet des Sterbens der von Regener erwähnten “kleinen Indie-Labels”, und erst recht ohne große Plattenfirmen.

    Ich will (zumal ohne belastbare Daten) gar nicht behaupten, der Markt sei so lukrativ wie noch vor 15-20 Jahren. Aber Regeners Schreckenszenario, dass ohne Plattenfirmen und Copyright-Knute die kulturelle Vielfalt abebben würde, ist offensichtlich falsch.

     
     
  8. Ich wüsste gerne mal, woher Regener die Überzeugung nimmt, die heute 15- bis 30-Jährigen hätten außer “Volksmusik, Schlager und Rock für die Älteren” keine “endemische Musik” mehr. Offenbar kennt der Mann das Internet nur vom Hörensagen. Die Anzahl der Music Blogs (bspw. Pretty Much Amazing oder Sunset In The Rearview) geht mittlerweile sicherlich in die zehntausende. Dort stellen junge Künstler aller denkbaren Genres ihre Musik größtenteils kostenlos online, und verdienen über die Werbeeinnahme der Downloadplattformen. Ungeachtet des Sterbens der von Regener erwähnten “kleinen Indie-Labels”, und erst recht ohne große Plattenfirmen.

    Ich will (zumal ohne belastbare Daten) gar nicht behaupten, der Markt sei so lukrativ wie noch vor 15-20 Jahren. Aber Regeners Schreckenszenario, dass ohne Plattenfirmen und Copyright-Knute die kulturelle Vielfalt abebben würde, ist offensichtlich falsch.

     
     
  9. Flo Diehl

    @Gewert und Keese u.a.:

    ich frage mich, was es früher den freischaffenden Künstlern gekostet hätte, die Menge an Werbung zu bezahlen, die heute das Internet kostenlos erledigt.
    Klar ist klauen nicht in Ordnung. Die Diskussion ist so totgetreten, dass es schon langweilig ist. Die Frage ist, ob die Nachteile nicht die Vorteile überwiegen, wenn man versucht das Internet weiter mit Gesetzen zuzukleistern.

    Es würde IMHO den Künstlern selbst mehr schaden als Nutzen. Deshalb sollten sie sich nicht auf die Seite der Verlage und Verwertern schlagen, sondern sich öffentlich wirksam von diesen lossagen, und ihre Rechte selbst in die Hand nehmen.

     
     
  10.  
    • robbyb

      Super Beitrag.

      @Keese: Wie hält es eigentlich Ihr Verlag mit der Weitergabe von Erlösen aus z.B. dem Premium-Content Bereich der Berliner Morgenpost an die Urheber, speziell die freien Autoren ?

       
       
      • Christoph Keese

        @ Robbyb: Die meisten Autoren räumen Nutzungsrechte auch für Online ein. Sie sind ein Erlösen aus Zweitverwertung zumeist beteiligt, eine Paywall ist aber keine Zweitverwertung. Analog ist es bei Zeitungen. Das Honorar fließt unabhängig davon, ob und in welchem Umfang es dem Verlag gelingt, Vertriebserlöse zu erzielen.

         
         
  11. Ach ja, so ganz unrecht hat der Regener nicht. Aber wer fordert denn schon eine Abschaffung des Urheberrechtes, dass Künstler keine Entlohnung erhalten oder dass Google kein Geld für die Nutzung von geschützter Musik bezahlen soll? Richtig: niemand. Wer das doch tut, den darf man tatsächlich als zumindest naiv bezeichnen.

    Zentral sind doch die Fragen, was eine “angemessene Vergütung” bedeutet und wie man diese erreichen kann. Die Piratenpartei setzt sich in diesem Punkt doch in erster Linie für ein Ende der eindimensionalen Diskussion ein, die nur immer restriktivere Gesetze fordert. Diese Forderung kann im Kern nicht falsch sein.

    Was mich persönlich (als Software-Entwickler) am meisten ärgert, ist der vergleich mit den vermeintlich besser gestellten Programmierern. Hubert Burda hat so einen Schwachsinn auch schon erzählt. Abgesehen davon, dass wir ebenfalls unter Schwarzkopien leiden (die einen mehr, die anderen weniger), werden meine Kinder nicht 50 Jahre nach meinem Tod noch für meine (schöpferische) Tätigkeit entlohnt. Und Pauschalabgaben auf Rohlinge und Festplatten können wir auch nicht eintreiben. Und trotzdem kämen wir nicht auf die Idee, eine Vorratsdatenspeicherung oder anderen gesetzgeberischen Blödsinn zu fordern, um sie für unsere Zwecke zu nutzen.

    So, das musste mal raus ;-)

     
     
  12.  
  13. robbyb

    Echt traurig wie Künstler, die ich bisher für intelligent gehalten habe, der dreisten Argumentation der Verwertungsindustrie auf den Leim gehen.

     
     

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