Eine Partei bleibt sich treu: Die neue Erklärung der Piraten zum Urheberrecht



Gestern hat die Piratenpartei ihre Positionen zum Urheberrecht in einer Stellungnahme präzisiert und vermeintlichen Missverständnissen widersprochen. Was ist davon zu halten? Hier eine erste Bewertung:

Die Erklärung beginnt mit dem Hinweis, dass technische Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte die „Anpassung bestehender Gesetze und Vorstellungen“ notwendig machten. Ziel der Partei sei es deswegen, die individuelle Freiheit zu wahren, übertriebene Überwachungen und Verbote im Netz zu verhindern, einen fairen Ausgleich zwischen Urhebern und Nutzern zu schaffen und damit Kunst, Kultur und Wissenschaft auch in Zukunft zu fördern. Urhebern gestehe man eine angemessene Honorierung ihrer Leistungen zu, heißt es.

Mit dieser Präambel umreißt die Piratenpartei eine schwierige Aufgabe, denn die genannten Ziele stehen teilweise in direktem Konflikt zueinander. Faire Honorierung von Urhebern kann nur vonstatten gehen, wenn diese Honorierung nicht durch ungenehmigtes Kopieren unterlaufen wird. Wirksames Unterbinden ungenehmigter Kopien ist jedoch schwer zu bewerkstelligen, wenn zugleich die Ausweitung von Überwachungen und Verboten im Netz für unerwünscht erklärt wird.

Vor diesem Dilemma steht die gesamte Gesellschaft seit Erfindung des Internets. Es wäre nur verständlich, wenn sich die Piratenpartei auf eine Seite des Konflikts schlagen würde, sich also treu bliebe und weiter für die Nutzer gegen die Urheber zu Felde zöge. Stattdessen aber streben die Parteien ausweislich ihrer Präambel eine weitaus schwierigere Position an. Sie wählen den Ansatz einer Volkspartei und erklären, den Konflikt in sich aufnehmen und programmatisch aus sich selbst heraus lösen wollen.

Dieser breitere Ansatz verdient zunächst einmal Anerkennung. Es ist der anstrengendere Weg. Das Bemühen, einen „fairen Ausgleich zwischen Urhebern und Nutzern“ finden zu wollen, birgt eine große Verpflichtung und zwingt zur Öffnung der Partei auch für Urheber und deren Verwerter – Gruppen, die in der Partei bislang unterrepräsentiert waren. Politisch wäre das zu interpretieren als der Versuch, die Phase der affektorientierten Protestpartei langsam zu überwinden und bei einem Schwerpunktthema in der gestaltenden Sacharbeit anzukommen.

Wie aber soll der gewünschte Interessenausgleich aussehen? Da die Piratenpartei eigens eine Erklärung zu dem Thema herausgibt und eine Klärung ihrer Position verspricht, weckt sie hohe Erwartungen. Schauen wir uns die Vorschläge daher im Einzelnen an. Die gefetteten Abschnitte entsprechen jenen in der Erklärung der Partei. Jeder Vorschlag wird sachlich danach bewertet, ob er eher die Nutzer oder die Urheber in Vorteil setzt. So entsteht am Ende ein Gesamtbild, wer nach Punkten Hauptklientel der Piraten ist. Würde der Anspruch der Präambel eingelöst werden, müsste zum Schluss ein gleicher Punktstand auf beiden Seiten vorliegen.

Urheber- und Verwertungsrechte

Die Piraten umreißen kurz den Rechtsunterschied zu den USA und stellen dann fest, dass die im deutschen Urheberrechtsgesetz festgeschriebenen Regelungen „die Rechte der Allgemeinheit an der Verwendung von Wissen und Informationen einschränken“. Dies sei „in gewissem Umfang gerechtfertigt“, falls die Einschränkung den Interessen der Urheber von Werken diene. Keinesfalls aber dürfe sie „einseitig zugunsten wirtschaftlicher Interessen Dritter stattfinden“. Deswegen setze man sich für eine Stärkung der Urheber gegenüber Rechteverwertern ein; zu reformieren sei das Urhebervertragsrecht.

So sinnvoll man diesen Ansatz finden kann, so wenig verändert er doch das Verhältnis zwischen Urhebern und Nutzern. Dieses aber soll laut Präambel im Mittelpunkt des urheberrechtlichen Wirkens der Piraten stehen. Bei diesem ersten Punkt geht es um das Verhältnis von Urhebern und Verwertern – übrigens ohne unmittelbaren Bezug zur Digitalisierung, die in der Präambel ebenfalls besonders wichtig genommen wird.

Damit beziehen die Piraten gleich in ihrem ersten Punkte eine eher gewerkschaftliche Position. Für das Verhältnis zwischen Urhebern und Nutzern ist damit aber noch nichts getan. Ein Pluspunkt für die Urheber, aber kein Minuspunkt für Nutzer.

Privatkopie und nichtkommerzielle Vervielfältigung

In ihrem zweiten Punkt gehen die Piraten auf die lange strittigen Themen Privatkopie und nichtkommerzielle Vervielfältigung ein. Sie beziehen hierbei klar die Nutzerperspektive und plädieren für „freien Zugang zu Wissen und Kultur“. Sie begründen dies mit „gesellschaftlicher Tragbarkeit“. Das Recht auf Privatkopie soll ausgebaut und nicht durch „Kopierschutzmaßnahmen systematisch ausgehöhlt werden“.

Unter welchen Bedingungen dieser freie Zugang gewährt werden soll, steht nicht in der Erklärung. Es ist daher zu vermuten, dass die Piraten an den heute geltenden Vergütungsvorschriften der gesetzlichen Schrankenregelungen festhalten wollen. Zudem wenden sich die Piraten entschieden gegen Vorratsdatenspeicherung, Netzsperren oder Sperrung von Internetanschlüssen.

Dieser Punkt geht klar an die Nutzer. Ihr Recht auf freien Zugang soll weiter ausgebaut werden, ohne dass die Vergütungssysteme angepasst werden, während gleichzeitig die Möglichkeiten der Sanktionen gegen unberechtigte Nutzung eingeschränkt, zumindest aber nicht ergänzt werden sollen.

Mehr Rechte für die Nutzer, weniger Sanktionsmöglichkeiten für die Urheber – an diesem Punkt ist der angestrebte Ausgleich zwischen beiden Seiten nicht ablesbar.

Stärkung der Gemeinfreiheit

Bildungseinrichtungen sollen von Urheberrechtsabgaben befreit werden; das gesellschaftliche Interesse an Bildung wiege mehr als das kommerzielle Interesse der Urheber.

Auch dieser Punkt geht an die Nutzer, in diesem Falle Bildungseinrichtungen. Die Einkünfte der Urheber aus diesem Sektor sollen auf Null gesetzt werden. Ein finanzieller Ausgleich für Urheber wird nicht geschaffen. Der Punkt geht an die Nutzer.

Freier Zugang zu staatlich finanzierten Werken

Veröffentlichungen, die auf staatliche finanzierte Forschung zurück gehen, sollten allen Nutzern kostenlos zugänglich gemacht werden. Wissenschaftler erhalten kein Honorar mehr aus Büchern, und Fachbuchverlage können Bücher oder Zeitschriften nicht mehr verkaufen, sofern deren Autoren staatliche Forschungsförderung in Anspruch genommen haben. Nicht dargelegt wird, wie hoch der staatliche Förderanteil sein muss, um die Gratisklausel wirken zu lassen. Da von keiner Aufgreifschwelle die Rede ist, wird vermutlich auch Teilfinanzierung gemeint sein. Damit sind alle Autoren betroffen, deren wissenschaftliche Arbeit auf Teilunterstützung von staatlichen Universitäten, Max-Planck-Gesellschaft, Fraunhofer-Institut, DFG oder sonstigen öffentlichen Einrichtungen zugegriffen hat.

Auch dieser Punkt fällt den Nutzern zu. Die Lage der Urheber wird verschlechtert.

Zwischenfazit

Bei diesen nur vier Hauptpunkten belässt es die Erklärung. Es folgen weitere Einzelforderungen (siehe unten). Als Zwischenfazit muss man festhalten, dass nur einer von vier Punkten an Urheber geht (Urhebervertragsrecht), und drei an Nutzer. Der in der Präambel erhobene Anspruch des Interessensausgleichs wird nicht eingelöst.

Weitere Einzelforderungen

Ein Katalog weiterer Einzelforderungen ist den vier Hauptpunkten angefügt:

Keine Überwachungs- oder Zensurtechnologien wie Vorratsdatenspeicherung, Kommunikationsüberwachung oder Internetsperren zur Rechtedurchsetzung

Hier wird der Grundsatz der Sanktionsbeschränkung erneut aufgegriffen. Das Instrumentarium der Urheber wird eng begrenzt. Ein Punkt für die Nutzer.

Verkürzung von gesetzlichen Schutzfristen, die in ihrer bisherigen Länge vor allem den Verwertern zugute kommen

Es wird nicht erläutert, warum Schutzfristen vor allem den Verwertern zugute kommen. In erster Linie profitieren von den Schutzfristen doch die Erben der Urheber. In jedem Fall ein Punkt für die Nutzer.

Keine Beschränkungen durch Kopierschutzmaßnahmen oder gar Sperrungen von Internetanschlüssen

Eine weitere Limitierung des Rechte-Instrumentariums von Urhebern. Der Punkt geht an die Nutzer.

Mehr Mitspracherechte für Urheber gegenüber den Rechteverwertern wie ein Zweitverwertungsrecht oder eine zeitliche Begrenzung von »Buy-Out«-Verträgen

Stärkung der Urheber gegenüber ihren Kunden, aber keine Schwächung der Nutzer. Damit Pluspunkt für Urheber, aber kein Minuspunkt für Nutzer.

Eine neue Schrankenregelung des Urheberrechts, die das freie, nichtkommerzielle Kopieren von kreativen Werken im Internet legalisiert, eine zeitgemäße digitale Archivierung für Bibliotheken, die Befreiung der Bildungseinrichtungen von Urheberrechtsabgaben, den freien Zugang zu mit öffentlichen Geldern finanzierten Inhalten wie beispielsweise wissenschaftliche Arbeiten oder Medien der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten

Wiederholung der Punkte von oben, erweitert um die Aufnahme öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten in den Kreis der staatlichen Förderer. Daraus folgt, dass Autoren, die für ARD, ZDF oder DeutschlandRadio arbeiten, kein Honorar aus Büchern oder Artikeln beziehen dürfen, sofern sie sich darin mit Themen beschäftigen, die sie auch in ihren Anstalten bearbeiten. Guido Knopp, Tom Buhrow oder Claus Kleber fallen damit auf dem Buchmarkt aus. Insgesamt eine deutliche Schwächung der Autoren bei gleichzeitig deutlicher Stärkung der Nutzer. Der Punkt geht an die Nutzer.

In der Erklärung folgt dann eine Liste mit „10 Mythen zur Piratenpartei und der Urheberrechtsdebatte“, denen die Partei entgegen tritt. Darin wird unter anderem beteuert, dass die Piraten das Geldverdienen akzeptieren und das Urheberrecht nicht abschaffen wollen. Allerdings enthalten diese zehn Punkte keine weiteren Vorschläge zur Änderung der Rechtslage. Sie werden daher hier nicht bewertet.

Gesamtbewertung

Die Piratenpartei wird dem selbst gesetzten Anspruch nicht gerecht. Sie strebt keinen Ausgleich der Interessen von Nutzern und Urhebern an, sondern setzt sich einseitig für Nutzer ein. Außer einer gewerkschaftsähnlichen Forderung zur Stärkung des Urhebervertragsrechts zugunsten der Urheber bringt sie keine Vorschläge zu deren Vorteil vor, wohl aber zahlreiche Forderungen, die sich zum wirtschaftlichen Nachteil der Urheber auswirken.

Trotz aller Beteuerungen bleibt die Piratenpartei auch nach der gestrigen Erklärung eine Bedrohung für Urheber. Es liegt in deren wirtschaftlichem Interesse, dem Zugang von Piraten zu politischer Macht entgegen zu wirken.



 

65 Kommentare

 
  1. (Pingback)

    [...] Dieser Punkt geht klar an die Nutzer. Ihr Recht auf freien Zugang soll weiter ausgebaut werden, ohne dass die Vergütungssysteme angepasst werden, während gleichzeitig die Möglichkeiten der Sanktionen gegen unberechtigte Nutzung eingeschränkt, zumindest aber nicht ergänzt werden sollen.“, so Christoph Keese [...]

    Warnhinweise bei Urheberrechtsbruch auch für Verlage? | der presseschauer

    23. April 2012

     
  2. mit den Piraten haben sie wohl recht. Mal schauen ob das besser wird, wenn der Getränkeautomat auch Mate-Cola enthält… ;-)

    Nochmal zur Abmahnung:
    also mein Fall ist sicherlich ein Extremfall, der bestimmt die Ausnahme ist. Fälle in denen User aus Unkenntnis (alte Dame) ihr Netz nicht richtig geschützt haben sind sicherlich häufiger. Dass der Abgemahnte nach der aktuellen Rechtssprechung keine Möglichkeit hat dagegen vorzugehen ist an sich schon ein Umstand der geändert werden muss. (würd mich mal interessieren wie die Scavenger die für diese Abmahnanwälte arbeiten: die müssen ja die Daten auch herunterladen um zu wissen um welche Art von Medium es sich handelt….sie sehen worauf ich hinaus will; man erhöht künstlich die Download Zahlen….)
    Abgesehen von diesen Fällen, sehe ich in Zukunft eben noch viel mehr auf uns zukommen, wenn das Cloud-Computing weiter Einzug hält:
    Szenario: Seltene Erden und Energie werden teurer. Große Serverfarmen sind jetzt schon schweineteuer. Werden in Zukunft auch teurer. Die Vernetzung wird aber immer besser, d.h. früher oder später werden wir ständig online sein (können). Das kann dazu führen, dass es nicht mehr ein zentrales Youtube gibt, sondern jeder hat seine Youtube App, die Videos sind lokal auf dem Handy oder iPad gespeichert, und werden durch die App dann geparst. Wieviele Briefe von dem Abmahn-Pa*k dann verschickt werden möchte ich mir gar nicht ausmalen…

     
     
  3. Das mit den Abos für Spotify wusste ich nicht – thx for the tip.

    “Niemand wird gezwungen ins Filesharing zu gehen. ”

    Das ist nicht mein Punkt, sorry dass ich das bisher nicht richtig rüberbringen konnte.
    Mein Punkt ist, dass die Industrie und eine Horde von “Rechtsanwälten” gegen hunderttausende Menschen vorgehen und aufgrund ihrer Methoden hunderte von Falsch-Positiven Fällen erzeugen. Ich selbst war so ein Fall; und die “Rechtsanwälte” machen es sich schon sehr einfach, indem sie dem Beklagten einfach das “im Zweifel für den Angeklagten” absprechen, und den Nachweis für die Unschuld vom Beklagten verlangen. Das ist nicht richtig – Fakt.
    Das ist alles was mich daran stört – und dafür müssen sinnvolle Lösungen gefunden werden.
    Weiterhin muss eine Rechtliche Absicherung für Cloud-Daten her; sodass niemand einfach schnell meine Daten von Dropbox oder S3 einsacken kann…

    Wichtig ist, dass die Sklaven der Medien das verstehen: die Propaganda die gegen Internetpiraterie geführt wird ist out of proportion!

     
     
    • Die Abmahnungen sind keine Aktion sondern eine Reaktion.
      Das sollten Sie bitte klar trennen.

      Zu Unrecht Beschuldigte sind nicht gut – keine Frage.
      Es wird ja auch immer und überall die alte Dame ohne Computer hervorgekramt. Wenn die allerdings die einzige falsch Verdächtige war (plus Sie), dann wäre die Quote immer noch sehr gering bei einigen Hundertausend Abgemahnten, obwohl diese Zahl völlig unverifiziert ist. Sie wird auch immer größer, je länger sie im Netz herumgeistert.

      Zum Thema Cloud: Datensicherheit und Datenschutz wäre m. E. ein sehr dankbares. Aber da finden Sie bei den Piraten, die eigentlich gut dafür geeignet wären, sehr wenig.
      Viel Propaganda braucht man aktuell bei den Piraten eigentlich nicht. So schnell wie der Aufstieg war, scheinen die auch die gleichen Entwicklungen wie andere Parteien im Schnelldurchgang zu durchlaufen.

       
       
  4. Tops und Flops hat es immer gegeben. Die sind aber für eine Entwicklung über Jahre nicht relevant.
    Es ist sicherlich sinnvoll es differenzierter zu betrachten, auch wenn das Album von Madonna sehr anschlaulich sein mag.

    Verpennt? Es gibt mittlerweise gut 70 ganz legale Möglichkeiten, sich Musik zu kaufen oder zu streamen.
    Wir deshalb weniger geshared?

    Die hohe Nachfrage nach Musik auch im illegalen Bereich zeigt doch, dass es einen Bedarf gibt.
    Es ist für mich nicht so, dass plötzlich keine Musik mehr gehört wird, im Gegenteil.
    Zahlen sind immer so eine Sache. Es gibt eine Studie im Auftrag des Medienboards Berlin Brandenburg.
    Dort hat man einen heuristischen Ansatz, versucht also Trend aus der Vergangenheit in die Zukunft zu projezieren. Betrachtet wird auch, wie sich die Wirtschaft insgesamt entwickelt hat und benachtbarte Branchen. Danach hätte die Branche wachsen müssen.
    Solche Betrachtungen sind aber sehr kritisch zu sehen, weil es immer Schätzungen sind, so sehr sie auch auf Zahlen aufbauen.

     
     
    • Das neue MDNA Album ist sicherlich nur ein besonders krasses Beispiel und spricht nicht für die ganze Branche. Genauso sehe ich den Vergleich mit anderen Branchen genauso kritisch wie sie – und ich habe ja von Anfang an gesagt, dass Piraterie auch abgeschafft werden muss.
      Nur, die Art und Weise wie eine Industrie da gegen eine Minderheit vorgeht ist nicht in Ordnung. Und ich stelle jetzt einfach mal die Behauptung auf, dass es eine Minderheit ist, weil ich schlicht und einfach keinen vernünftigen Grund gehört habe das mich vom Gegenteil überzeugt. Es werden Millionen ausgegeben um (ich sag’s wieder mal) Pack wie Waldorfer&Frommer und andere zu bezahlen. Die Industrie wälzt damit ihre eigenen Probleme auf die Allgemeinheit ab.

      Natürlich gibt es mittlerweile einige Online-Dienste, wie Spotify etc. Nur, wir leben im Jahr 2012! Das ganze könnte schon sehr viel weiter sein! Warum gibts immer noch Regional-Codes auf DVDs? Warum ist das mit den Filmrechten immer noch so kompliziert? DAS sind die wahren Gründe weshalb die Branche nicht so wächst wie sie könnte; da werden Möglichkeiten einfach vertan, PirateBay hin oder her.

      Ich habe weiter oben auf ein Beispiel aus Schweden verlinkt, wie es auch anders gehen kann. Dort ist nachweislich die Piraterie zurückgegangen. Nun kann man natürlich meinen, dass eine Öffnung der Märkte die Piraterie hemmt, und deshalb die Industrie mehr Geld für sich behält. Oder es ist einfach so, dass es ein NEUER Markt ist, und die Industrie mehr Geld TROTZ den ein oder anderen Internetpiraten verdient… das muss man sehen.

       
       
      • Wir sind mal wieder nicht weit auseinander.
        Wie schon bei dem anderen Thema.

        Bei einem aber nicht. Klar geht die Industrie gegen eine Minderheit vor. Deshalb kratzt es die Mehrheit vermutlich auch nicht. Aber jeder ist seines eigenen Glückes Schmied. Niemand wird gezwungen ins Filesharing zu gehen. Wer das trotzdem macht und dabei erwischt wird, der muss die Konsequenzen tragen. Raser im Straßenverkehr sind auch eine Minderheit. Kann trotzdem teuer werden.
        Spricht irgendetwas dagegen seine Entertainment Produkte zu kaufen?

        Die Branchen, die mit digitalen Inhalten handeln , werden nur dann überleben, wenn diese ein einfaches und möglichst breites Angebot haben. Einfach in der Bedienung und Bezahlung. Breit in der Auswahl, so wie Itunes, Spotify, Simfy oder Netflix etc.

        Bei Film ist das schwierig. Ein Großstudio wird das noch am ehesten hinbekommen, weil denen auf der ganzen Welt die Rechte gehören. Bei den Indies wird es deutlich komplizierter. Jedes Land anders vergeben usw.
        Das muss die Filmbranche aber lösen, wenn Sie erfolgreich sein will.

        Bedenken müssen Sie in Schweden bitte immer, dass das Spotify Angebot dort von einem Provider als Paket mitangeboten wird. Das erklärt auch die große Zahl der Abos. Wäre aber auch für Deutschland interesssant. Würde mich nicht wundern, wenn einer der großen ISP das demnächst macht.

         
         
  5. Ohne Gesetztesänderungen Online-Tauschbörsen das Genick brechen:
    Egal ob sopa oder acta, man könnte den Tauschbörsen ganz einfach das Genick brechen, in dem man mehr auf online-content setzten würde. Spotify und Rdio gibt es schon seit Jahren im Ausland, aber Deutschland hat wiedermal gepennt. Was ist mit Netflix?
    Wenn die Content-Verwerter mal aus ihrem Dornröschenschlaf aufwachen könnten, und sich der Realität stellen, dann wären wir schonmal einen schritt weiter.

    Ach ja, BTW: ich warte immer noch auf verlässliche Zahlen wieviel Schaden die Content-Industrie an illegalem File-Sharing denn genau Eingebüßt hat!!!

     
     
    • Ich denke der Grund, warum Spotify so spät kam, lag an der Klärung der Rechte.

      Das ist auch bei Netflix offenbar so, bei Filmen ist die Rechtesituation noch verworrener. In einem großen Land wie den USA ist das natürlich alles anders, sprich einfacher.

      Ich bin bei Ihnen, solche Dienste brauchen wir auch hier. Wenn möglich für noch weitere Bereiche.
      Die Musikbranche bewahren solche Dienste aber nicht dafür. dass weiter munter getauscht wird. Ich kannn jedenfalls nicht sehen, dass man nicht alles bekommt, was man möchte. Bissl aufwendiger aber dafür kostenlos.

      Zum Schaden, da gibt es heute im Spiegel einen Artikel über die Musikbranche. Hurrah, nachdem die um 50% geschrumpft ist, hat sie sich jetzt stabilisiert.
      Fast 1/3 der Arbeitsplätze sind verschwunden.
      Ich bin mir aber sicher, das hatte ganz andere Gründe…

       
       
      • yep, hat es. Man kann den Niedergang einer Branche nicht allein auf das illegale Kopieren abwaelzen, da macht ihr es euch alle wirklich sehr einfach.
        Beispiel MDNA: da wird ein Album mit Millionenaufwand einfach am Publikum vorbeiproduziert. Es gibt noch genuegend andere Beispiele.
        Zweitens hat die Musikbranche die Online-Wirtschaft einfach verpennt. Jahrelang. iTunes macht Milliarden an einem Tag, und alles was die Musikindustrie zu bieten hat ist ein riesen Mimimi und schimpft auf die boesen Kopierer…
        Das ist laecherlich, und mir geht da das Messer in der Hosentasche auf.
        Nochmal: ich will endlich Zahlen sehen! Ich will sehen, welchen Einfluss das “Raubkopieren” auf den 50% Verlust der Branche hat!

         
         
  6. @ Nick: Wie kommen Sie auf 16 Euro?
    Gehen wir mal von DVD Rohling aus, dann ist der Preis 17 Cent pro Stück.
    Eine Spindel von 50 Rohlingen kommt also auf 8,50. Kaufpreis der Spindel insgesamt zwischen 15 – 20 Euro. Das wäre also etwa die Hälfte.

    Es sind nur diejenigen Verwertungen abgedeckt, deren Verwertungsgesellschaften sich daran beteiligen z. B. GEMA oder VG Wort. Games sind z. B. nicht an den Ausschüttungen beteiligt. Die Verbände wollten das ganz bewusst nicht, weil es dann wie eine totale Kopierfreigabe aussehen könnte. Ob das klug ist/war mag dahin gestellt sein.

    Interessant ist der letzte Punkt: Die Piraten sind also gegen das Anbieten kopierte Musik und Filme gegen Geld.
    Was bitte schön ist Pirate Bay, die verdienen Geld an den Bannern, was ist mit Premium Accounts von Filehostern? Sie kennen sicherlich die Zahlen von Megaupload. Was war Kino.to? Auch Banner, Abofallen und Filehoster Premium Accounts.
    Dort wird ganz klar Inhalt gegen Geld angeboten.

    Es gibt kein nicht-kommerzielles Filesharing.
    Allein das Sparen des Kaufpreises sowie die Einnahmen der Dienste sei es durch Banner oder Premium Accounts ist höchst kommerziell.

     
     
    • “Es gibt kein nicht-kommerzielles Filesharing”

      Äh, was bitte?
      Also wenn ich sie richtig verstehe, wären PirateBay und andere auch kriminell einzustufen, wenn sie ausschliesslich freien content anbieten würden, nur aufgrund der Tatsache, dass sie mit Werbebannern und Premium-accounts ihre Server finanzieren???

      Ach ja, gerade über Twitter reingekommen:

      http://www.musiksverige.org/pressrum/pressmeddelanden/fortsatt-minskning-av-illegal-nedladdning/?lang=en

      @für Herrn Keeses nächsten Spotify-Beitrag ;-)

       
       
      • Jepp, genau so sehe ich das.
        Pirate Bay macht das nicht aus Spaß an der Freud.
        Da wird Geld verdient. Und wenn Ihnen einer das kaputttmachen will so wie die schwedische Justiz seinerzeit, dann gründet man eine Partei und deren deutsches Pendant bekommt dann sogar irgendwann 13% in den Umfragen.

        Wenn dort ausschließlich freier Content angeboten werden würde, gäbe es die ganze Diskussion hier nicht.
        Gleiches gilt für Filehoster, die Uploader mit Incentives belohnen, wenn deren Inhalte besonders oft geladen werden, weil sie dann viele Premium Accounts verkaufen. Das passiert in der Regel nicht mit dem Urlaubsvideo sondern mit begehrten Inhalten.

         
         
        • das stimmt ja alles. Nur sie schiessen zu weit. Erstens gab es schon vor PirateBay Filehoster die sich über Bannerwerbung ihre Server finanziert haben. DAran ist grundsaetzlich nichts verwerfliches. Die FAZ und die Bild machen das auch (Bannerwerbung).
          Zweitens werden auch nicht-urh.r. gesch. Dateien auf diesen Hostern bereitgestellt. Diese mit-Kanonen-auf-Spatzen-schiessen-Aktionen wie’s die Amis machen und einfach mal komplett alles auf den Servern loeschen lassen ist so auch nicht in Ordnung. Fakt. Es ist mir auch klar, dass nicht AUSSCHLIESSLICH freier Content dort angeboten wird, aber es wird anders herum auch nicht AUSSCHLIESSLICH unfreier content dort gehostet.
          Die ehrlichen Leute die dort ihre Dateien sichern, wollen auch Sicherheiten haben. Ich denke jetzt nicht an PirateBay oder Warez.com o.ae. ich denke an meine Dropbox oder meine S3 Cloud-Daten. Wer garantiert mir, dass mir nicht meine ganzen Daten auf diesen Cloud-services beschlagnahmt werden, weil irgendeiner meint dass da urh.r. gesch. Material dabei waere? Und jetzt kommen sie mir bitte nicht mit “Sicherungkopie auf der heimischen Festplatte”… es geht im Zweifelsfall um MEINE Daten.

           
           
  7. Nick

    Das ich für meine private Kopie bereits bezahlt habe, erzählen Sie hier aber auch nicht.

    Als Beispiel hier mal die Zusammensetzung beim Kauf einer Spindel CD Rohlinge. Hier beträgt die Abgabe an Verwerter 16€, bei einem Kaufpreis von 20€ pro Spindel. Das sind 80% Abgabe an die Verwerter.
    Somit sind private Kopien von z.B. auf CD bereist bezahl und gelten nicht mehr als ungenehmigtes Kopieren.

    Gegen das illegale anbieten kopierter Musik/Filmen gegen Geld, sind auch die Piraten!

     
     
  8. Irgendwie fühlt sich keiner verpflichtet mal Ordnung reinzubringen und die Diskussion etwas zu entflechten. Deshalb versuche ich’s (mit den begrenzten Mitteln der Kommentar-API) mal. Ich würde mir wünschen dass andere auch mal anfangen, die Diskussion in gerichtete Bahnen zu lenken, sodass nicht alle wild durcheinander Quatschen.

    also, man muss prinzipiell zwischen den verschiedenen Veröffentlichungsmodi unterscheiden. (kein Anspruch auf Vollständigkeit):

    - frei Zugängliche Inhalte auf Webseiten (Nachrichten, die für jeden (nicht-angemeldeten, Premium-, etc. Nutzer einsehbar und kopierbar sind)).

    - Inhalte auf Datenträgern (CDs DVDs)

    - Geschützte Online-basierte Inhalte (iTunes Medien, Steam, etc.)

    JEDER der hier diskutiert sollte sich vorher klar sein, über welchen dieser 3 Punkte er redet. Autoren die sich hier zu Wort gemeldet haben (z.B. Fr. Anderson) sprechen IMHO über Punkt 2.
    Wenn es mir um das LSR und freie Inhalte geht, spreche ich über Punkt 1.
    Ich hoffe das leuchtet ein.

    Zweitens ist mir wichtig hervorzuheben, dass aus einem weiteren Grund oft aneinander vorbeigeredet wird. Dabei geht es um Interessen und Mind-sets.

    Ich zähle mich zur Gruppe der Nutzer, die auch nach dem NUTZEN fragen, und abwägen was Sinn macht und was nicht (ich nenne sie mal wertfrei Konsumenten-Gruppe).

    Dagegen stellt sich die zweite Gruppe (zu der ich Herrn Keese zähle) die die Dinge nach der aktuellen Rechtslage bewerten (ich nenne sie mal wertfrei Juristen-Gruppe).

    Beide Seiten reden hier konsequent aneinander vorbei. Zum einen, weil die Juristen-Gruppe die Rechtslage als in-Stein-gemeißelt betrachtet, und jede Diskussion demnach bewertet (der Satz von Herrn Keese “Faire Honorierung von Urhebern kann nur vonstatten gehen, wenn diese Honorierung nicht durch ungenehmigtes Kopieren unterlaufen wird. ” zeigt das sehr schön).

    Die Konsumenten-Gruppe betrachtet die Dinge insofern einseitig, als ihr die Rechtslage und die Komplexität des Systems zwischen Politik-Urhebern-Verwertern nicht klar ist.

     
     
  9. “Nur: Wenn man das Urheberrecht kürzt, freuen sich die Schulbuchverlage noch mehr: Dann nämlich erhalten sie künftig die Rechte ganz umsonst.”

    Wie kann man Rechte erhalten, wenn es gar keine mehr gibt, weil sie ausgelaufen sind?

    Ab dem Zeitpunkt wo sie auslaufen, wird einfach wieder Konkurrenz eintreten, sogar der Urheber darf dann im Selbstverlag wieder Geld verdienen, klappt bei Schulbüchern vielleicht nicht unbedingt, bei Büchern, wo man den Autor kennt aber schon.

    Viele Grüße
    René

     
     
    • Marnie Anderson

      Lieber René alias Lord Snow,

      prima, Du hast es offenbar erkannt, dass die Piraten uns Autoren enteignen möchten. Wenn man keine Rechte mehr besitzt, kann man sie auch nicht mehr verkaufen. Gut beobachtet! Die Piratenpartei hat das so noch nicht erkannt – jedenfalls behaupten sie ja weiterhin gebetsmühlenartig, dass sie die Urheber *stärken* möchten! *

      Im Selbstverlag Geld verdienen? Das wäre schön. Schade nur, dass dann kein doofer Verleger die Produktion, den Vertrieb, das Marketing, die Werbung etc. für das Buch bezahlt. Und dass natürlich jeder – auch Du – meine “freien” Bücher verlegen und verkaufen kann. Das wird ein Spaß.

      *Zitat aus dem Piraten-Programm: “Problem bei der Kürzung von Schutzfristen – die Enteignung.
      Man mag zum Thema “geistiges Eigentum” philosophisch stehen wie man will. (…) Bei einer Verkürzung von Schutzfristen wird man sich jedenfalls schnell mit dem Thema Enteignung beschäftigen müssen.” Quelle: http://wiki.piratenpartei.de/wiki/images/0/07/UrhG_Arguments_FassungBPT2011-2.pdf

      Gruß
      M.A.

       
       
      • Liebe Marnie,

        Du hast dir gerade selbst widersprochen. :-)

        Erst sagst du die Piratenpartei hätte etwas nicht erkannt und dann zitierst du genau eine Stelle der Grundlage für das Wahlprogramm, wo es explizit drin steht. ;-)

        Es ist generell sinnvoll Dinge nicht komplett einseitig zu betrachten. Natürlich profitieren Urheber auch monetär von kürzeren Schutzfristen, weil sie so die Werke anderer in ihren Werken verwenden können, ohne den Preis für das eigene Werk dadurch ins unermessliche treiben zu müssen.

        Außerdem steigt die Nachfrage der Verwerter nach neuen Werken, die sie zu Monopolpreisen verkaufen können, weil ihr Portfolio von Monopolpreiswerken schneller abnimmt. Durch die steigende Nachfrage bei den Verwertern haben dann Urheber eine bessere Verhandlungsposition und können mehr für ihre Werke verlangen, siehe dazu auch die geschichtliche Betrachtung der Schutzfristenentwicklung von E. Höffner. Früher mit kürzeren Schutzfristen haben die Autoren besser verdient als heute. Wirtschaft ist ein komplexes Themenfeld, insbesondere wenn der Staat einen Markt komplett (über)reguliert, dann entstehen komplexere Zusammenhänge, die nicht jeder auf Anhieb versteht.

        Viele Grüße
        René

         
         
        • Christoph Keese

          Wie sollen Schulbuchautoren im Selbstverlag Geld verdienen? Die Genehmigungsverfahren für Schulbücher und Lehrmitteln in den einzelnen Bundesländern sind so kompliziert und langfristig, dass jeder noch so begabte Autor hoffnungslos damit überfordert wäre, ein Genehmigungsverfahren für sich durchzuführen und zu entscheiden. Bei Schulbüchern sind Autoren und Verlage einfach enge Zusammenarbeit angewiesen. Anders geht es nicht. Wenn die Piraten die Autoren nun zur kostenlosen Tätigkeit verdammen wollen, ist das nichts anderes als eine Enteignung. Außer theoretischen, praxisfernen und ziemlich kenntnisfreien Spekulationen habe ich von den Piraten bislang noch keinen Vorschlag gehört, wovon Schulbuchautoren in Zukunft leben sollen und wer die Schulbücher schreibt. Es ist wirklich an der Zeit, dass die Piraten endlich mal einen in sich geschlossenen, stimmigen Vorschlag vorlegen, der alle Aspekte und Auswirkungen berücksichtigt.

           
           
  10. Marnie Anderson

    Danke, Presseschauder, für diese wirklich sachliche Analyse der Piratenpositionen.

    Und wen es interessiert:

    Kleine Anmerkung zum Thema Schulbuch – von einer Jugendbuchautorin:

    In vielen Schulbüchern unterschiedlicher namhafter Schulbuchverlage sind Auszüge aus meinen Werken enthalten.

    1. Ich habe noch nie erlebt, dass die Schulbücher selbst von Lehrkräften verfasst wurden, sondern von entsprechenden Wissenschaftlern.

    2. Der Abdruck von Auszügen aus fremden Werken in SCHULBÜCHERN wird im Urheberrechtsgesetz § 46 geregelt:

    § 46
    Sammlungen für Kirchen-, Schul- oder Unterrichtsgebrauch
    (1) Nach der Veröffentlichung zulässig ist die Vervielfältigung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung von Teilen eines Werkes, von Sprachwerken oder von Werken der Musik von geringem Umfang, von einzelnen Werken der bildenden Künste oder einzelnen Lichtbildwerken als Element einer Sammlung, die Werke einer größeren Anzahl von Urhebern vereinigt und die nach ihrer Beschaffenheit nur für den Unterrichtsgebrauch in Schulen, in nichtgewerblichen Einrichtungen der Aus- und Weiterbildung oder in Einrichtungen der Berufsbildung oder für den Kirchengebrauch bestimmt ist. (…) Für die zulässige Verwertung ist dem Urheber eine angemessene Vergütung zu bezahlen.”

    Und das wird die Piraten richtig freuen: Diese angemessene Vergütung beträgt meist so um die 15 Euro. Jedesmal also ein Grund zu feiern für den Autor. Und natürlich für den Schulbuchverlag, der billig die Abdruckrechte erhält und Schulbücher teuer verkauft.

    Nur: Wenn man das Urheberrecht kürzt, freuen sich die Schulbuchverlage noch mehr: Dann nämlich erhalten sie künftig die Rechte ganz umsonst. Und die Autoren gehen komplett leer aus. Danke, Piraten!

     
     
    • Christoph Keese

      Danke für diesen Beitrag! Sie haben das Problem und die Auswirkungen des Piraten-Vorschlags treffend beschrieben.

       
       
  11. Flo Diehl

    Wie verdient google an kreativem Content? spielen sie auf GoogleNews an? Ich seh nicht wo google da direkt Geld verdient. Meines Wissens nach verdient google immernoch die Hauptkohle an den Werbelinks in der rechten Ecke der GoogleSearch.

    Warum regt sich eigentlich darüber keiner auf?! Die ganzen Jahre hat google auch stets Teile des content in der Ergebnisliste dargestellt. Aber jetzt mit News soll aufeinmal alles anders sein? Give me a friggn’ break.
    Es geht nicht um Urheber und Werke … es geht um die Kohle. Die selbstverliebte Industrie bringts nicht fertig wirklich neue Inhalte zu schaffen; und google zeigt ihnen die Bremsleuchte.
    Anstatt nachzuziehen und wirkliche Marktwirtschaft zu betreiben kommt nur Mimimi und Gejammer wegen Enteignung.
    Get the facts right: Wer sein Zeug online stellt, der soll auch damit rechnen sollen, dass sein Zeug von anderen weiterverwertet wird. Google hat doch eine völlig andere Agenda und ein völlig anderes Geschäftsmodell als die Unternehmen die jetzt in Deutschland aufschreien. Warum wollen sie dann daran mitverdienen dürfen?

     
     
    • Christoph Keese

      Richtig, Google schaltet nicht überall Werbung und nicht alle Produkte des Konzerns sind profitabel. In der Summe zieht Google mehr Nutzer an und bindet sie für längere Zeit, je mehr Inhalte auf den Google-Seiten stehen. Daher lässt sich daraus argumentieren, dass selbst das werbefreie Google News einen wirtschaftlichen Mehrwert für Google schafft. News zieht viele Nutzer immer wieder an.

       
       
      • Aha.
        Also wollen die Pro-LSRler also monetaere Kompensation dafuer, dass sie weniger Nutzer anziehen als Google?! Jetzt sind wir endlich am Kern des Pudels angekommen. DArum gehts naemlich in wirklichkeit!
        Google macht ein Schweinegeld, und das (ja Herr Rieck ich sags wieder) Pack die so viele Online-Trends an sich vorbei rauschen liessen, dass sie ganz taub sind, wollen jetzt von uns (Buerger) dafuer kompensiert werden…

        Tut mir leid, aber meine Anti-Zynismus Pillen wirken nicht: das nennt man Marktwirtschaft, Herr Volkswirt!

         
         
  12. prima

    Wer die Urheber gegenüber den Verwerten stärken will, sollte Änderungen im Verwertungs- und Vertragsrecht anstreben und das Urheberrecht unangetastet lassen. Nur, wenn der Urheber selbst entscheiden darf, wem er wann welche Nutzungs- und Verwertungsrechte einräumt ist er frei und kann etwas verdienen.

    Warum soll eigentlich Google weiter an kreativem Content verdienen können, und die Urheber nicht entscheiden dürfen, wem sie ihre Werke zu welchen Konditionen zur Verfügung stellen? I just don’t get it.

    Danke für diesen Blog!

     
     
  13. CB

    Das Programm der Piraten zum Urheberrecht zielt in erster Linie auf den privaten Gebrauch von kommerziell erstellen Inhalten, z.B. einem Song oder einem Foto. Die Piraten möchten, dass möglichst viele Menschen diese Inhalte privat frei nutzen können, zum Beispiel, um ein privates Video zu untermalen.

    Diesen Wunsch kann ich gut verstehen, aber was ich nicht verstehe, ist die komplizierte Herangehensweise der Piraten. Sie möchten nicht direkt an die restriktiven Verwertungsgesellschaften herantreten und sich für eine Öffnung einsetzen, sondern sofort die große Nummer reformieren: Das Urheberrecht.

    Jeder Künstler, der sich mit einer Verwertungsgesellschaft vertraglich einlässt (Musiklabel, Verlag, Bildagentur, etc.) sollte ausdrücklich vereinbaren können, dass eine private Nutzung nicht im Gegensatz zum Verwertungsvertrag steht. Die Verwertungsgesellschaften werden das nicht mögen, weil die Überprüfung davon schwieriger ist als ein pauschales »Nein«.
    Technisch wäre das jedoch machbar: Sobald jemand Inhalte privat nutzen möchte, könnte die Verwertungsgesellschaft einfach die passenden Rechte verkaufen. Z.B. die Nutzung eines Songs im eigenen privaten Video als separate Leistung für – sagen wir 3 €? Warum nicht?

    Ich bin sogar dafür, dass diese restriktiven Regelungen gelockert werden, allerdings nicht per staatlicher Enteignung der Urheber, sondern per vertraglicher Vereinbarung zwischen Urheber und Verwertergesellschaft. Wenn genügend Urheber darauf plädieren, dass die private Nutzung frei sein soll, werden die Verwertungsgesellschaften die passenden Verträge anbieten. Hier haben die Verwertungsgesellschaften schlicht geschlafen und tun dies immer noch.

    Den Urhebern die Entscheidung über die Nutzung ihres Werkes aus der Hand zu nehmen, und zum Allgemeingut zu erklären, ist grob gedacht und wenig zielführend.
    Also Finger weg vom Urheberrecht und ran an die Verträge mit den Verwertern.

     
     
  14. Also zu behaupten die Urheber (Autoren, Musiker etc) hätten auch jetzt die Freiheit andere Verträge auszuhandeln, ist in die Kategorie neoliberale Mythen einzuordnen. Die Marktmacht der Verlage und Autoren ist erdrückend, da wird ein Standardvertrag vorgelegt und wenn der nicht unterzeichnet wird, dann hat man Pech gehabt. Außerdem ist doch häufig das Argument, die Urheber sollen schaffen und sich nicht um den Vertrieb kümmern, genau hier fordern sie allerdings das genaue Gegenteil, die Urheber sollen ihrer Ansicht nach richtig versierte Verhandlungsführer werden, um bessere Verträge auszuhandeln und keinen generellen Schutz erhalten, wie ihn die Piratenpartei möchte.

    Außerdem ist es nicht unbedingt zielführend alles mit +1 und -1 zu bewerten, die Begrenzung des Rechte-Buyouts könnte für viele Urheber auch eine +10 sein, während im Grunde überhaupt nicht klar ist ob die Freigabe der nicht-kommerziellen Vervielfältigung überhaupt irgendetwas weltbewegendes verändert, da sich die Mehrheit der Menschen wohl eh schon entsprechend verhält.

    Außerdem sind natürlich viele Urheber darauf angewiesen die Werke anderer nutzen zu können, aus diesem Grund ist die Verkürzung der Schutzfristen auch ein Pluspunkt für die Urheber, da sie so mehr abgeleitete Werke bedenkenlos legal schaffen können. Und genauso verhält es sich bei der Freigabe des nicht-kommerziellen Verbreitens, natürlich profitieren da auch Urheber von, denn sie sind auch Konsumenten und lassen sich auch durch die Werke anderer inspirieren. Und ein freier Zugang zu Kultur ist nicht frei, wenn ich dafür jeden Monat 5 Milliarden € ausgeben müsste, um jederzeit einen nicht-kommerziellen Zugriff auf Alles zu haben.

    Außerdem will wirklich niemand den Verkauf von Schulbüchern verbieten, es geht um Urheberrechtsabgaben von denen Bildungseinrichtungen befreit werden sollen. Und Lehrmittel sollten natürlich vorrangig unter freien Lizenzen erstellt werden, damit sie auch weiterentwickelt werden können, also neben dem Vorteil, dass Bildung nicht immer mehr verteuert wird, was natürlich auch wieder ein Vorteil für Urheber ist.

    Viele Grüße
    René

     
     
  15. Robert

    Sehr geehrter Herr Keese,

    ich will Ihnen gerne mitteilen, dass ich auch hier Dinge bei den Piraten sehr kritisch sehe. Mein Kommentar aus dem Netzpolitik.org Forum poste ich deshalb noch einmal hier:

    “- eine neue Schrankenregelung des Urheberrechts, die das freie, nichtkommerzielle Kopieren von kreativen Werken im Internet legalisiert,”

    Dieser Punkt wird nicht funktionieren. Im legalen Bereich würde ein besseres, kostenloses Angebot alle legalen, kostenpflichtigen Angebote kanabilisieren, da sich ein kostenloses Angebot in einem legalen Rahmen optimal entwickeln kann.

    Das ist zu schwammig formuliert und zu kurz gedacht. Die anderen Punkte sind deutlich besser.

    http://netzpolitik.org/2012/piratenpartei-erklart-urheberrechtspositionen/#comment-456736

    Viele Grüße

     
     
  16. Fred30

    Erstmal vorab: Dieser Artikel strotzt imho so von Unterstellungen & Schlußfolgerungen, dass sich eine inhaltliche per se verbietet. Deshalb nur kurz ein paar Anmerkungen zu der
    Gesamtbewertung

    Die Piratenpartei wird dem selbst gesetzten Anspruch nicht gerecht. Sie strebt keinen Ausgleich der Interessen von Nutzern und Urhebern an, sondern setzt sich einseitig für Nutzer ein.

    Dieser Absatz ergibt nur dann Sinn, wenn man die Prämisse voraussetzt, dass die Interessen von Nutzern und Urhebern z.Zt. ausgeglichen sind. Ausgleich durch Stärkung der Rechte der Nutzer ist ebenfalls eine Möglichkeit, ggf. sogar geboten, siehe z.B. Verbraucherschutz.

    Außer einer gewerkschaftsähnlichen Forderung zur Stärkung des Urhebervertragsrechts zugunsten der Urheber bringt sie keine Vorschläge zu deren Vorteil vor, wohl aber zahlreiche Forderungen, die sich zum wirtschaftlichen Nachteil der Urheber auswirken.

    Gewerkschaftsähnlich? Würde mich mal interessieren, wie man zu dieser Ansicht gelangt. Ansonsten das Übliche, gibt es irgend einen Beweis, dass sich aus den Forderungen wirtschaftliche Nachteile ergeben?

    Trotz aller Beteuerungen bleibt die Piratenpartei auch nach der gestrigen Erklärung eine Bedrohung für Urheber. Es liegt in deren wirtschaftlichem Interesse, dem Zugang von Piraten zu politischer Macht entgegen zu wirken.

    Richtig wäre: … eine Bedrohung für diejenigen Urheber, die glauben bei ausreichender staatlicher Repression könnten sie an den alten Vermarktungsstrukturen festhalten.

    Ich finde es gut, dass in diesem Artikel versucht wird, einigermaßen sachlich mit dem Papier der PP umzugehen, allerdings gelingt dies nur in der Vorrede. Der Rest…

     
     
  17. _Flin_

    Wer hat denn diesen Blödsinn verfasst?
    Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal…

    Mal kurz nachdenken:
    - Urheber von wissenschaftlichen Papers sind bei der Uni angestellt, kriegen Fördergelder vom Staat.
    - Um in einer wissenschaftlichen Publikation zu veröffentlichen, müssen sie Geld zahlen.
    - Die fachliche Prüfung im Peer Review wird von anderen Wissenschaftlern für umsonst erledigt
    - Dabei treten sie ihre Veröffentlichungsrechte ab
    - Die Uni, die ihre Arbeit und ihr Gehalt zahlt, muss nun die Fachartikel im Bündel mit anderen Artikeln und Zeitungen bei Elsevier oder Springer für teures Geld kaufen

    Der Verlag macht… stimmt, so gut wie nichts, kassiert aber von Urhebern und Unis.

    Wer kann nur so einen hanebüchenen Quatsch schreiben, dass Open Access die Urheber schlechter stellt?
    Sieh an, der Cheflobbyist des Springer Verlags.

    So ein Zufall aber auch.
    Ich revidiere meine Aussage von der Ahnung. Und ersetze sie durch “Wenn man Ahnung hat, sollte man nicht lügen wie gedruckt, um seine eigenen Interessen gegen die Interessen der Gesellschaft durchzusetzen. Denn das ist unethisch und widerlich.”

     
     
    • Es scheint mir hilfreich, zwischen der Axel Springer AG und dem Verlag Springer Science+Business Media zu unterscheiden. Beide Unternehmen haben nichts mit einander zu tun. Die Gleichsetzung beider Unternehmen könnte ein Indiz für den nicht immer üppigen Horizont mancher Diskussionsteilnehmer sein.

       
       
      •  
      • Flo Diehl

        Mangelnde Kenntnis über Konzernstrukturen ist in diesem Zusammenhang wohl zu entschuldigen. Der Punkt den _Flin_ macht ist immer noch richtig, selbst wenn Herr Keese nicht für alle Springer dieser Welt arbeitet…

         
         
      • Christoph Keese

        Ich bin Ihnen dankbar für diesen Hinweis. Die Axel Springer AG, für die ich arbeite, hat mit dem Springer Wissenschaftsverlag wirklich nichts zu tun.

         
         
  18. Ihre krude Argumentation, Schulbücher würden ausschließlich von Lehrern erstellt, zeugt von blanker Unkenntnis: Die Inhalte stammen in allen Bereichen auch von Urhebern (Fotografen wie Textern), die weder “kostenlos ausgebildet” wurden noch überhaupt Lehrer sind. Schade auch, dass der Rest über die diskreditierende Fäkalbö nicht hinauskommt.
    “Get real”, herrjeh – “Get a brain” trifft’s in diesem Fall eher.

     
     
    • Jan Dark

      “Ihre krude Argumentation, Schulbücher würden ausschließlich von Lehrern erstellt, zeugt von blanker Unkenntnis”

      Ich habe von “ausschließlich” nichts geschrieben. Ihre Lügen haben kurze Beine. So wird es keine rationalen Dialog geben und der Staat wird sich wehren müssen und die Schulbücher nur als amtliche Werke herausgeben, damit den dreisten Lügnern das Handwerk gelegt wird.

       
       
      •  
        • Mal völlig ab vom dem Thema.

          Denken Sie wirklich, dass Ihr Stil so zu “diskutieren” richtig ist? Ich lese bei Ihnen nur Vokablen wie “Lügen, Wahrheitsverfälschung, Bullshit usw.”
          Sie fordern aber gleichzeitig einen rationalen Dialog.
          Man kann unterschiedlicher Meinung sein, aber das kann man auch anders sagen als mit Mini Shitstorms.
          Mich stößt es ab und es bringt die Diskussion kein Stück weiter. Kommen Sie doch einfach auf die sachliche Ebene, ohne Beleidigungen.

           
           
          • Jan Dark

            Schade, dass Sie keinen sachlichen Beitrag zum Thema haben. Hätte ja gut sein können, wo Sie selbst Sachlichkeit fordern. Aber diese hohen Rösser machen die Piraten fett und schaden den Urhebern.

               
             
             
        • –F.

          Ich fürchte, dass auch auf der verlinkten Seite nicht auf das Problem der Strukturierung (Lektorat & Layout) und Visualisierung (Fotografie & Illustration) der Lehrmaterial-Inhalte eingegangen wird.
          Allein ca. 3o% der Illustratoren in Deutschland leben von der Schulbuch-Illustration.
          Für diese wird es angenehm sein, zu erfahren, dass sie ihren Job nicht mehr ausüben werden.

           
           
      • Sie schrieben:

        “Schulbücher werden von kostenlos ausgebildeten Lehrern erstellt, diese bekommen dafür Unterrichtsbefreiungen.”

        Das klingt für mich in der Tat so, als wenn es alle Schulbücher betrifft. Eine generelle Aussage.

        Das kleine Wort teilweise und schon wäre es weit deutlicher gewesen.
        Und um noch mal auf Sachlichkeit zu kommen: Ich unterstelle Ihnen jetzt nicht eine Lüge, wenn Sie sagen dass Schulbücher von Lehrern geschrieben werden. Die Wahrheit ist es allerdings auch nicht.
        Das aber teile ich Ihnen ohne Einsatz von Beleidigungen mit. Sehen Sie, geht doch auch.

         
         
        • Jan Dark

          Sie drücken sich mit den Angriffen auf die Person um die Realität. Schulbücher werden überwiegend von Lehrern geschrieben. Der Markt ist winzig. Nur 225 Mio € im Jahr. Alleine die Hotel bekommen von der FDP jedes Jahr leistungslos eine Milliarde € geschenkt. Ohne jede gegenleistung.

          Wenn also Schulbücher
          - überwiegend von Lehrern geschrieben werden,
          - deren Grundfinanzierung öffentlich ist, -
          - deren kostenlose Ausbildung von Steuern erfolgte,
          - die von Behörden geprüft und zugelassen werden
          was hindert uns dann, die Bücher als amtliche Werke zu deklarieren und die notwendigen ausserbehördlichen Arbeiten wie Lektorat und Druck für die Papierversion an Private zu vergeben und ansonsten den § % Urhebergesetz zu nutzen, so dass diese amtlichen Werke keinen Urheberschutz geniessen, wie es mit allen amtlichen Werken ist, auch wenn sie von Spitzenintellektuellen verfasst werden?

          Kommen Sie endlich zur Sache und schwafeln Sie nicht von Beleidigungen. Beleidigung ist in Deutschland eine Straftat, die auf Antrag verfolgt wird. Ich bin von niemandem angezeigt worden. Und wenn es so wäre, müsste es korrekt heißen: mutmaßliche Beleidigung. Bis auch ein Richter dieser Meinung ist. Wenn nämlich dies nicht so ist, könnte man auch von Ihnen üble Nachrede vermuten. Das ist genauso billig wie man jede abweichende Meinung heute als Trollen verächtlich macht, wenn man zu stinkfaul ist, sich sachlich auseinander zusetzen.
          Wer über Urheberrecht schwafelt sollte das deutsche Rechtssystem in Grundzügen kennen.

           
           
          • Wollen Sie polten oder diskutieren?

            Sie haben einen unangemessenen Ton.

            Ich werde auf Ihre Provokationen nicht mehr reagieren.
            Vielleicht finde sich ja ein devoter Diskussionspartner, ich bin es nicht.

               
             
             
          • Jan Dark

            Von mir aus können Sie weiter sich an Personen abarbeiten und sich vor sachlichen Diskussionen weiter drücken. Es wird Sie nur keiner mehr ernst nehmen mit Ihrer üblen Nachrede. Mit Ihren persönlichen Angriffen schaden Sie den Urhebern und werden keinen Beitrag mehr liefern zur Anpassung der Urheberrechtes an die Neuzeit. Schade, aus Ihnen hätte was werden können.

               
             
             
  19. Flo Diehl

    “Faire Honorierung von Urhebern kann nur vonstatten gehen, wenn diese Honorierung nicht durch ungenehmigtes Kopieren unterlaufen wird. Wirksames Unterbinden ungenehmigter Kopien ist jedoch schwer zu bewerkstelligen, wenn zugleich die Ausweitung von Überwachungen und Verboten im Netz für unerwünscht erklärt wird.”

    Sie setzten hiermit bereits ihren (bekannten) Erwartungshorizont und beurteilen das Piratenpamphlet dementsprechend. Sie wiederholen gebetsmühlenartig dass das Kopieren die Honorierung der Urheber unterläuft. Dennoch sind sie immer noch einen Nachweis schuldig dass dies wirklich passiert. Niemand konnte mir bisher statistisch nachweisbare Daten wie Urheber durch das kopieren im Internet geschädigt werden. Bevor die alte Diskussion wieder hochkocht: ich lasse hier kriminelle Organisationen wie PirateBay ausdrücklich aussen vor. Ständig diese Auswüchse aufzuführen wenn einem nichts besseres mehr einfällt ist kein Fundament auf der man eine sinnvolle Diskussion aufbauen kann. Mir geht es um das Kopieren im Alltagsleben der Internetnutzer.

    “Freier Zugang zu staatlich finanzierten Werken”:

    1. wie groß ist das Honorar eines staatl. finanzierten Fachbuchautors? (Notiz an selbst: mehr Daten!!!)
    2. man sollte auch mal erwähnen dass die Verleger wissenschaftlicher Zeitschriften an beiden Enden verdienen. Das Einreichen eines Aufsatzes kostet bereits Geld (abh. vom Impact Factor, aber im Bereich 1000-4000 €, wohlgemerkt für EINEN Aufsatz). Das Review-System, offensichtlich der aufwändigste Teil bei der Kontrolle wissenschaftlicher Veröffentlichungen wird UNENTGELTLICH von anderen Wissenschaftlern durchgeführt. Der Verleger hat lediglich das Editing und Setzen des Textes zu erledigen (Abbildungen etc. werden komplett von den Forschern selbst erstellt).
    Am anderen Ende verdienen die Verlage am Verkauf der Artikel (online wie offline).

    Wir können uns an einer Hand ausrechnen zu was der Piratenvorschlag führen wird: Verleger werden staatl. geförderte Einreichungen einfach ablehnen, oder sehr teuer machen. Weil es ihnen nicht um die Verbreitung von Wissen geht, sondern um die Kohle. Punkt. Wahrheit; denn das ist bereits der Fall (schauen sie sich mal die Publikationskosten für OpenAccess Artikel an). Also werden staatl. geförderte Veröffentlichungsmöglichkeiten geschaffen werden müssen, die Geld kosten, und die schlussendlich aus dem Unterhalt und der Ausbildung der Wissenschaftler abgezogen werden.
    Ich bin aber prinzipiell dagegen staatliche Politik dem Willen internationalen Konzernen unterzuordnen! Da müssen andere Lösungen her…
    Es kann nicht sein, dass Forschung die vom Steuerzahler bezahlt wurde nicht frei zugänglich ist, und dass Konzerne an beiden Enden ein Schweinegeld verdienen.

     
     
  20. Jan Dark

    Ihre Wahrheitsverfälschungen werden immer unerträglicher:
    “Faire Honorierung von Urhebern kann nur vonstatten gehen, wenn diese Honorierung nicht durch ungenehmigtes Kopieren unterlaufen wird. ”

    Das ist ganz großer Bullshit, wie der Amerikaner sagt. Die Urheber von Bolt Baranek Newman sind fair vergütet worden, als sie die brillante Software schrieben, mitd er unser Internet heute funktioniert. Diese faire Honorierung hatte über nichts damit zu tun, dass die Verbreitung der Software völlig ohne Genehmigung erfolgt, weil sie in der Public Domain ist: Sie sollten sich mal mit einem freiheitlichen Gesellschaftssystem wie dem in der USA befassen, statt immerzu Unsinn zu lügen.

    “Auch dieser Punkt geht an die Nutzer, in diesem Falle Bildungseinrichtungen. Die Einkünfte der Urheber aus diesem Sektor sollen auf Null gesetzt werden. ”
    Auch das ist wieder eine dreiste Lüge. Schulbücher werden von kostenlos ausgebildeten Lehrern erstellt, diese bekommen dafür Unterrichtsbefreiungen. Die Werke müssen amtlich genehmigt werden. Es spricht nichts dagegen, Schulbücher nach § Urhebergesetz zu amtlichen Werken zu erklären, die nach deutschen Gesetzen urheberrechtsfrei sind. Sie sollten sich auch mal mit unseren Gesetzen befassen. Ihre Lüge, Lehrer sollen für ihre Arbeit nicht vergütet werden, ist ganz großer Unsinn.

    Es entseht andersherum die Frage, warum die Schulbuchverlage für das bisschen lektorieren und noch nicht mal mehr alles drcuekn, sich das Urheberrecht entschädigungslos aneignen wollen, wo sie nicht urgehoben haben, sondern Staatsbedienstete. Der Vorschlag der Piraten Bildungsprimat statt entschädigungslose Enteignung der öffentlichen Hand geht in die richtige Richtung. Ihr Lügen dagegen werden immer unerträglicher. Macher Sie doch ein Praktikum in den USA, damit Sie sehen, wie eine freiheitliche Gesellschaft ohne Lügen wie Ihre funktioniert. Ihre antiamarikanische Wirtschaftspolemik ist 30 Jahre zurück.

    Vor allem Ihre Behauptungen, dass die US-Politik der Public Domain Urheber benachteilige ist skurril und weltfremd. Ohne das freiheitliche Gesellschaftssystem der USA, das Urheber fair vergütet und öffentlich bezahlte Ergebnisse in die Public Domain stellt, hätten wir kein Internet, wie wir es kennen. Wenn man auf Ihre Lügen gehört hätte, wären wir immer noch gefangen in proprietären patentgeschützten Netzwerken von IBM, Novell, DEC und anderen, die es nicht geschafft haben, eine interoperables Netz urzuheben. Get real!

     
     
    • Sie bestätigen leider ganz genau das, was ein Beitrag vorher geschrieben wurde….

      Schulbücher werden nicht ausschließlich von Lehreren geschrieben. Ich selber kenne Autoren und die sind nachweislich nie Lehrer gewesen. Der Verlag ist auch nicht Urheber, er ist Vermarkter und Vertreiber der Schubücher. Er kann sich die Rechte dafür von dem Urheber erteilen lassen.

      Unser Recht sieht keine Übertragung von Urheberrechten vor, in den USA geht das allerdings. Bei uns bleibt ein Urheber immer Urheber.

       
       
    • Matthias Ulmer

      Es reicht nicht, einfach nur Lüge! zu rufen und sich zu entrüsten. Lehrer werden also “kostenlos” ausgebildet und deshalb hat die Menschheit ein Recht hat auf kostenlose Schulbücher? Und warum gilt das nicht für die Leistung kostenlos ausgebildeter Informatiker, Mediziner, Ingenieure etc.?
      Und wie viele Lehrer haben sie befragt, ob sie Unterrichtsbefreiung bekommen haben? Keinen? Oder haben Sie mal von einem gehört? Und deshalb jetzt her mit dem Zeug, aber für umme?
      Und amtliche Genehmigung? Wunderbar, die Zensur wird eingeführt. Gelernt werden darf nur aus Schriften mit amtlichem Sigel. In was für einem Land leben Sie? Und alles, was ein amtliches Sigel hat, also genehmigt ist, das ist deshalb dann auch kostenlos? Gilt das dann auch für die amtliche Fleischbeschau im Schlachthof, so dass Sie dort auch kostenlose Schweinehälften abholen? Oder kriegt jeder einen Ingenieur, wenn der sein amtliches Diplom gemacht hat, kostenlos zum Mitheimnehmen?

      Lehrer schreiben ihre Schulbücher nicht in der Unterrichtszeit. Sie hängen sich dafür privat rein. Das tun sie aber nicht alleine, sondern gemeinsam mit zahlreichen anderen Urhebern: Fotografen, Zeichnern, Layoutern etc. die Sie vermutlich ebenfalls fürs Volk zwangsversklaven wollen.

      Oh Mann, Jeanne d´Arc. Du hast das Gehirn kostenlos bekommen und es vermutlich deshalb weitergeschenkt.

       
       
  21. Balu

    Es gibt vermutlich einen sehr einfachen Grund, wieso die Verteilung dieser Punkte so ist: Es gibt wenige Verwerter und Urheber in der Piratenpartei.

    Wenn sich diese beiden Gruppen mehr an der Diskussion beteiligen würden, anstatt alle Ideen hart zu blockieren, gäbe es auch mehr “Pluspunkte” für sie.

    Abgesehen davon wird es Zeit, dass die Rechte der Nutzer (und der Urheber) gegenüber den Verwertern gestärkt werden. Denn die letzten Jahre hat es nur für die Verwerter Pluspunkte gegeben.

    Man muss also den Stand vor der Piratendiskussion analysieren und mit betrachten. Da haben die Verwerter viele Pluspunkte, die Konsumenten Minuspunkte und die Urheber stehen vermutlich irgendwo dazwischen.

    Die Piraten versuchen dafür zu sorgen, diese Unterschiede anzugleichen.

     
     
    • Nun, wenn man sich die Aussagen der Piraten anhört, dann sind dort sehr viele Urheber unterwegs.

      Eine Untersuchung zu den 101 Urhebern, die auf das Handelsblatt geantwortet haben, kann man hier nachlesen:

      http://dermusikpartisane.wordpress.com/?blogsub=confirming#subscribe-blog

      Ihre Forderung nach Diskussion begrüße ich sehr.
      Schauen Sie sich einfach einmal die Beiträge hier in diesem Blog an.
      Viele Beiträge folgen einem einfachen Muster:
      Dem anderen per se Inkompetenz unterstellen, ihn möglichst auf hohem Niveau diskredieren, verhöhnen und verspotten. Ein Shitsorm im Kleinen.

       
       
  22. Lieber Herr Keese:

    Die Piraten haben einen Vorschlag gemacht – jetzt ist, wie man so schön sagt, der Ball in ihrem Spielfeld.

    Anstatt den Vorschlag einfach nur zu Zerpflücken wäre es jetzt an der Zeit, einen Gegenvorschlag zur Diskussion zu stellen.

    Liebe Grüsse

    mm.

     
     
  23. Auch hier werden Urheber und Verwerter gleichgesetzt. Als Content-Schaffer kann ich die Position der Piraten vollends unterstützen. Der Kreative profitiert nur im geringen Ausmaß von seinen Werken – mit Ausnahme der Weltstars – egal ob Autoren oder Musiker. Hauptprofiteure sind die Verwerter.

    Dem Content-Schaffenden ist die Privatkopie deshalb primär egal – viele Musiker stellen ihre Werke auf Youtube und MySpace zur Verfügung. Das Ziel: Reichweite um Publikum auf die Konzerte zu bringen. Dort lässt sich dann Geld verdienen.

    Auch immer mehr Autoren gehen dazu über, die Veröffentlichung ihrer Werke nicht mehr den Verlagen zu überlassen. Es gibt werbefinanzierte Modelle oder E-Books zu vernünftigen Preisen, die von den Lesern auch gezahlt werden.

    Sie vertreten hier die Position der Verwerter und nicht der Urheber. Der Fairness halber sollten sie das auch offenlegen.

     
     
    • Christoph Keese

      Ich vertrete hier gar keine Position, sondern messe die Erklärung der Piraten an ihren eigenen Worten. Zwischen Urhebern und Verwertern unterscheide ich säuberlich und benutze die Begriffe genau so, wie die Piraten sie in ihrer Erklärung verwenden. Dort wo die Piraten die Urheber gegenüber den Verwertern stärken wollen, referiere ich das absolut sachlich.

      Ihnen steht es wie jedem anderen Urheber frei, ihre Werke kostenlos ins Netz zu stellen oder Privatkopien in großem Umfang zu gestatten. Die Piraten fordern allerdings, dass der öffentliche Zugang zwangsweise, mithin gesetzlich und damit unabhängig von der Entscheidung des individuellen Urhebers erleichtert wird. Die stellt unabhängig von Ihrer persönlichen Entscheidung zum Umgang mit Ihren Werken eine Verschlechterung der Rechtsposition aller Urheber dar. Dies bestreiten nicht einmal die Piraten, die dies ja ausdrücklich fordern und ausführlich begründen. Insofern halte ich meine Bewertung für sehr sachlich und keineswegs verwerterorientiert.

       
       
      • robbyb

        Herr Keese, das stimmt nicht. Besonders auffällig ist dieser Sachverhalt am Abschnitt über die staatlich finanzierten Werken zu sehen. BEi den Piraten heisst es:

        Besonders im wissenschaftlichen Bereich werden Werke meist in staatlich finanzierten Einrichtungen erstellt, aber in kommerziell vertriebenen Zeitschriften veröffentlicht, die nicht einmal Bildungseinrichtungen kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Wird ein Werk durch den Staat – und somit die Gesellschaft – finanziert, so muss diese den durch Steuern bereits bezahlten freien Zugang dazu erhalten. Das trifft auch auf amtliche Werke zu, bei denen das Urheberrecht als Vorwand verwendet werden kann, um Transparenz zu verhindern sowie auf durch öffentliche Gelder geförderte Kunst. Was die Öffentlichkeit bezahlt, muss der Öffentlichkeit gehören.

        Hier wird weder der Begriff Urheber noch der Begriff Verwerter genannt. Sie behaupten, das Wissenschaftler (in diesem Fall die Urheber) kein Geld mehr von den Fachverlagen (in diesem Fall die Verwerter) erhalten. Nach dem bisherigen Geschäftsmodell der Verwerter ist das nur richtig, wenn die Fachverlage auf Grund zu erwartender geringerer Auflagenhöhe diese Publikationen nicht mehr als einträglich genug betrachten. Für mich bedeutet die Forderung lediglich, das es keine staatlich finanzierten Goldesel mehr für die Verwerter geben soll.

         
         
        • Matthias Ulmer

          Das ist ein Milchmädchenrechnung der Piraten. Die Kosten für die Informationsbereitstellung über in wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlichte Arbeiten betragen 100%, die heute teilweise über Gehälter, teilweise über Forschungsgelder, teilweise über Druckkostenzuschüsse, teilweise über Abogebühren finanziert werden. Wenn man Abogebühren abschafft und die Inhalte kostenlos verfügbar macht, dann muss dieser Finanzierungsanteil eben durch höhere Zuschüsse an anderer Stelle ausgeglichen werden. Billiger oder besser wird dadurch nichts.

           
           
    • Ernst Hagen

      Das sehe ich auch so. Zitat: “In erster Linie profitieren von den Schutzfristen doch die Erben der Urheber.”

      Selbst wenn man die heutige Lebenserwartung von ca. 79 Jahren annimmt, profitieren von einer Schutzfrist von 70 Jahren p.m.a. eher die Erben der Erben. Sprich: Die Behauptung ist falsch.

       
       
    • Konkret: Ich bin ein Autor, der von seiner Arbeit lebt. Würde ich meine Romane nicht mehr über einen Verlag (der nicht gegen mich, sondern für mich arbeitet) publizieren, sondern per Dumpingpreis über Kindle (ohne Lektorat?), könnte ich die Arbeit rasch einstellen. Ach ja, es gäbe noch Einnahmen aus Lesungen. Und das bedingungslose Grundeinkommen. Super.
      Lieber Roman Huber, ich bin die arroganten und ignoranten Sprüche von Geiz-ist-geil-Konsumenten, Piraten-Propagandisten und Google-Lobbyisten allmählich satt!

       
       
  24. (Pingback)

    [...] “Eine Partei bleibt sich treu: Die neue Erklärung der Piraten zum Urheberrecht” (16.4.2012, Christoph Keese, Presseschauder) [...]

    Linksammlung Urheberrecht

    16. April 2012

     

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