Dokumentiert: Wer braucht schon einen Verlag zum Schreiben?



In einem Artikel für das Fachmedium Horizont hat Hamburg-Korrespondent Roland Pimpl vor einigen Tagen darauf hingewiesen, wie gern Kritiker von Verlagen die Leistungen der Verlage nutzen. Sein pointierter Text illustriert, was Verlage tun und welchen Beitrag in der Wertschöpfungskette sie erbringen. Pimpls Text wird hier mit freundlicher Genehmigung des Autors dokumentiert:

Nein, es soll hier nicht zum 375. Mal ums Leistungsschutzrecht gehen – obwohl das diese Woche mal wieder ganz aktuell ist, Stichwort Regierungsbeschluss. Und es soll hier auch nicht um die Klage eines Autors gegen die Verwertungsgesellschaft (VG) Wort gehen – obwohl in diesen Tagen nun endlich die Schecks verschickt werden. Sondern es soll hier mal kurz um das gehen, was bei beiden Themen in Wirklichkeit dahinter steckt: Um das Missverständnis darüber und die Missachtung dessen, was Verlage eigentlich so machen. Wenn deren Tun so trivial ist – warum macht es jeder Autor dann nicht selbst?

Denn diese zentrale Frage gerät bei der Debatte über die Ausschüttungspraxis der VG Wort allzu leicht in Vergessenheit. Und erst recht beim kakophonischen Gezeter von Lobbyisten, Politikern und halbwissenden Beobachtern in Sachen Leistungsschutzrecht. Dieses komische Theater hat das ursprüngliche Verlagsanliegen – eigene Eigentums- und Verwertungsrechte am journalistischen Produkt – mittlerweile bis zur Unkenntlichkeit verzerrt.

In beiden Diskussionen fällt auf, dass manche Schreiber – ob sie nun für Verlage arbeiten oder sich als Blogger verwirklichen – nicht wirklich verstehen, für was Verlage gut sind. Nun, am einfachsten kann man das nicht soziologisch oder kommunikationstheoretisch erklären, sondern am Beispiel eines Schreibers, der sich überlegt, wie er arbeiten will: entweder angestellt (oder frei) für einen Verlag – oder eben ganz auf eigene Rechnung.

Denn das ist ja das Schöne am Internet: Die Markteintrittsbarrieren sind so niedrig, dass jeder Publisher werden kann. Man braucht, anders als früher, weder Kapital noch Papier noch Druck noch Vertrieb. Herrliche Zeiten für die Meinungsvielfalt!

Doch, oh Wunder, sogar manche derjenigen Schreiber, die sich stets mit Furor an der Verlagswirtschaft abarbeiten, binden sich dann, wenn’s ums Geldverdienen geht, nun doch gerne mal an eines dieser ewiggestrigen Häuser. Der große Stefan Niggemeier etwa arbeitet für den „Spiegel”, Rainer Meyer („Don Alphonso”) für die „FAZ”. Und Thomas Knüwer, bekanntlich der Größte von allen, bloggt wohl eher nur, um als Berater (auch schon mal für Condé Nast) ein bisschen im Gespräch zu bleiben.

Warum also sollte sich ein Schreiber, der der Welt etwas mitteilen möchte, für einen Verlag verdingen, anstatt mit Lust und Liebe seine eigene Zeitung oder Site zu betreiben?

Die Kurzantwort: Weil er, an einen Verlag gebunden, mehr gelesen wird und mehr verdient.

Medienmarken sind bekannter als ein einzelner Schreiber. Sie haben sich einen Ruf erarbeitet und müssen ihn pflegen, etwa durch Qualitätssicherung und Werbung. Medienmarken dienen daher auch in der digitalen Welt als Anlaufstelle für Leser. Wer als Autor unter dieses Dach schlüpft, wird eher wahrgenommen. Seine Texte finden größere Verbreitung, allgemein und auch in Pressespiegeln, was beides wiederum die VG Wort honoriert. Ein Verlag sorgt zudem für die Infrastruktur, betreibt Server, finanziert Recherchen vor und zahlt seinen Schreibern Gehälter oder Honorare in einer Höhe, wie sie ein autarker Publisher über Werbeprogramme wie Google Adsense oder durch Paid Content auf seiner eigenen Site kaum erzielen könnte.

Der Punkt ist nur: Das alles (also gleichzeitig der Mehrwert, den ein Verlag einem Schreiber bietet!) kostet den Verlag Geld. Und das muss irgendwo herkommen. Daher ist es nur recht und billig, dass ein Verlag eigene Eigentums- und Verwertungsrechte am journalistischen Produkt erhält, unabhängig vom Urheberrecht der Autoren (ob die aktuelle Formulierung des Leistungsschutzrechts sinnvoll ist, ist eine ganz andere Frage). Und deshalb ist es auch nur recht und billig, dass ebenso die Verlage an VG-Wort-Ausschüttungen beteiligt werden.

Denn, nur noch mal zur Erinnerung: Kein Autor, kein Journalist, kein Schreiber muss einen Wahrnehmungsvertrag mit der VG Wort abschließen. Man kann auch auf eigene Faust nach Zweitnutzungen seiner Texte fahnden und Tantiemen eintreiben – dann würde der Verlag erstmal außen vor bleiben. Und, nochmals, man muss auch nicht für einen Verlag schreiben, sondern kann auch seine eigene Website betreiben – und dann alle Inhalte großherzig und netzweltig zum Kopieren freigeben. Viel Spaß mit diesem Geschäftsmodell, liebe Kollegen!



 

24 Kommentare

 
  1. Christina

    “Weil er, an einen Verlag gebunden, mehr gelesen wird und mehr verdient.”

    Aus diesem Grund entschloß ich mich bei http://www.frieling.de mein Buch zu veröffentlichen, anstatt es auf eigene Faust zu tun. Als Selfpublisher braucht es nicht nur eine enorme Disziplin, sondern auch viel Arbeit, um davon leben zu können.

     
     
  2. Roland Pimpl

    … und noch immer ist meine Ursprungsfrage nicht beantwortet: Warum veröffentlichen Autoren, die den Verlagen verlagseigene Eigentums- (LSR) und Verwertungsrechte (VG Wort) am journalistischen Endprodukt (Heftseiten, Titel-Websites) mit Verve absprechen – warum veröffentlichen auch diese Autoren ihre Texte eben über jene Verlagsplattformen? Und nicht auf dem direkten Weg über eigene Hefte oder, viel einfacher, über die eigene Website? Dank Internet wäre das so leicht wie nie. Was genau ist das, was einen Text auch und gerade für Autoren offenbar irgendwie „werthaltiger“ macht, wenn ein und derselbe Text über eine Verlagsplattform veröffentlicht wird anstatt über die private Website? Wodurch entsteht dieser Mehrwert? Wer produziert ihn (den Mehrwert, nicht den Text)? Und was ist die zentrale Voraussetzung dafür? Für Produktion überhaupt? Ich denke, es sind eigene Eigentums- und Verwertungsrechte, wie überall in der Wirtschaft.

     
     
    • Moki

      Ich denke, Sie stellen die falsche Frage Herr Pimpl. Es steht (noch) außer Frage, dass die meisten freien Journalisten einen Verlag (Tageszeitung, Magazin etc…) brauchen, um Texte zu veröffentlichen und dafür Honorar zu bekommen. Allerdings ist es für viele, die auch mit einem ordentlichen Schuss Idealismus arbeiten, auch (noch) die einzige Möglichkeit, Texte abzusetzen und damit Geld zu verdienen. Doch wo sich ein solches Machtgefälle auftut, nutzt es derjenige, der am längeren Hebel sitzt, auch gerne aus. Und das sind in diesem Fall die Verlage. Natürlich müssen auch Verlage verdienen. Aber in der Art und Weise, wie sie mit ihren freien Autoren teilweise umgehen, gehen sie über das reine “verdienen” hinaus. Sie beuten die Autoren aus. Da reden wir über total-buy-out, jämmerliche Zeilenhonorare und unbezahlte Praktika. Und dann schneiden sich die Verlage auch noch ein Stückchen vom VG Wort Kuchen ab. Natürlich gehen die Autoren dennoch zur VG Wort, um damit wenigstens noch ein kleines Zubrot zu haben. Erlischt aber deshalb deren Recht, sich darüber zu beklagen, dass es ungerecht sei, dass die Verlage bei der VG Wort mitkassieren? Es tut mir leid, dass ich das zum Abschluss so direkt sagen muss. Aber Angesichts der geradezu prekären Situation, in der viele freie Schreiber stecken, klingt es wie Hohn und Spott der Bessergestellten, wenn diese auch noch behaupten, die kleinen Autoren könnten ja eine eigene VG gründen.

       
       
  3. Moki

    @Keese: Wenn jemandem die Argumente ausgehen, wirft man dem Gegenüber regelmäßig einfach Unwissenheit und mangelnde Bereitschaft zu offenen Diskussion vor. Und schon ist die Diskussion auf eine Ebene abseits vom Thema verschoben und damit tot. Genau das ist es, was Sie in Ihrem letzten Kommentar tun. Schlechter Stil Herr Keese…

     
     
  4. @ Christian Sprang: Ich danke Ihnen für diese sachlichen Anmerkungen. Im Übrigen ist Ihrer Auffassung nur zuzustimmen, dass die Netzdebatte in weiten Teilen an der mangelnden Bereitschaft von Diskutanten leidet, sich mit den jeweils debattierten Themen vertraut zu machen.

     
     
  5. Roland Pimpl

    @Kritiker: Wenn Sie meine Ursprungstexte lesen, dann erkennen Sie, dass es mir um etwas ganz anders ging (ich wiederhole das jetzt nicht mehr). Die Frage, WIE die Formvorschriften (VG-Gründung, Anmeldung, und sicher muss man auch alles per Einschreiben verschicken), lauten, mit denen Autoren ihre Rechte durchsetzen können, die ist, finde ich, zweitranging.
    Anderes Beispiel: Ich behaupte, jeder hier in diesem Land darf ein Unternehmen gründen und grundsätzlich Auto fahren, falls er über 18 Jahre alt ist.
    Jetzt kann man natürlich widersprechen und sagen: »Falsch! Man muss ein Gewerbe anmelden und den Führerschein machen.»
    Tja, was soll ich da noch sagen: Das stimmt, das muss man. Aber ist deshalb meine Eingangsthese falsch?

     
     
  6. @ Stefan Niggemeier: Sie verkürzen die Debatte hier auf die Verwertungsgesellschaftspflcht des Reprographierrechts. Wir wissen alle, dass sie nicht geschaffen worden ist, um Autoren in ihren Rechten zu beschneiden, sondern um die Copyshops vor einer Flut unterschiedlicher Rechteinhaber und Ansprüche zu schützen. Trotz der VG-Pflicht bleibt es dabei, dass das Reprographierrecht Urhebern einen wirtschaftlichen Vorteil verschafft.
    Darum ging es Herrn Pimpl aber gar nicht in erster Linie, wenn ich ihn richtig verstanden habe. Er hat Ihnen eine schlichte Frage gestellt: Warum veröffentlichen Sie beim SPIEGEL, früher bei der FAZ, anstatt sich allein auf Ihren Blog zu konzentrieren? Ich denke nicht, dass Sie diese Frage schon befriedigend beantwortet haben.

     
     
  7. Gerade habe ich mich durch die Netzdiskussion über die VG Wort gelesen, die hier, aber auch – dort aufgehängt an den Nachwehen der verzögerten Tantiemenausschüttung der VG Wort aufgrund des “Vogel-Urteils” und des Verhaltens der Aufsichtsbehörde – auf irights.info und carta.de stattfindet. Zum wiederholten Mal habe ich mich dabei gefragt, warum man eigentlich nirgendwo im Netz eine Darstellung findet, die den bei der VG Wort vorliegenden Sachverhalt sachlich richtig zugrunde legt – und das, obwohl an den Diskussionen tendenziell die “upper class” der Urheberrechtsdebatte beteiligt ist.

    Ja, das Urheberrecht im Allgemeinen und das Recht der Verwertungsgesellschaften im Besonderen ist hier und da kompliziert. Ja, das Recht ist eine Wertungswissenschaft, und jeder, der sich an der Debatte über rechtliche Themen beteiligt, muss zwangsläufig mitunter die Schilderung gesicherter Sachverhalte verlassen und den Bereich der eigenen Wertungen und Sichtweisen betreten. Dennoch bin ich überzeugt, dass Qualitätsbeiträge und Qualitätsdiskussionen möglich wären, wenn es noch zum Standard von Spitzenjournalisten gehören würde, sich vor Äußerungen zu Themen außerhalb selbst beherrschter Sachverhalte kundig zu machen und in ihren Beiträgen Sachverhaltsdarstellung und Wertung zu trennen.

    Ganz bestimmt hätte jeder der Diskutanten in den beiden Debatten, dem es an profunden statt bloß an schnellen Äußerungen gelegen gewesen wäre, bei der VG Wort richtige Auskünfte über die rechtlichen Fakten erhalten. Er hätte dann z.B. erfahren, dass die VG Wort mitnichten aus dem Pressespiegel-Geschäft draußen ist, dass sie zwar vornehmlich verwertungsgesellschaftspflichtige Vergütungsansprüche für gesetzliche Lizenzen wahrnimmt, bei denen Urhebern eine Eigenwahrnehmung ohne Verwertungsgesellschaft unmöglich ist, aber in wachsendem Ausmaß auch Ansprüche administriert, die ihr Autoren und Verlage treuhänderisch eingeräumt haben und durchaus selbst wahrnehmen könnten (bei der GEMA steht diese Wahrnehmung von treuhänderisch eingebrachten Rechten sogar deutlich im Vordergrund ihres Tätigkeitsbildes), dass die Presseverlage tatsächlich – anders als die Buchverlage – keine direkten Ausschüttungen von der VG Wort erhalten, weil sie ihren Ausschüttungsanteil zur Finanzierung der Ausbildung des journalistischen Nachwuchses einsetzen und vieles mehr.

    Schade nur, dass man sich als Ewiggestriger outet, wenn man derartige Qualitätsansprüche auch an Netzdebatten stellen will. Und ein Grund mehr, sich beim eigenen Klickverhalten konsequent an den wenigen stillen, an Qualität orientierten Anbietern wie telemedicus.de zu orientieren und Seiten wie irights.info, carta.de oder netzpolitik.org bei Diskussionen um solche schwierigeren Themen zu meiden.

     
     
  8. Thomas

    “Warum also sollte sich ein Schreiber, der der Welt etwas mitteilen möchte, für einen Verlag verdingen, anstatt mit Lust und Liebe seine eigene Zeitung oder Site zu betreiben?

    Die Kurzantwort: Weil er, an einen Verlag gebunden, mehr gelesen wird und mehr verdient.”

    Allein das ist schon eine gewagte These.

     
     
  9. Peer Brockhöfer

    “Seine Texte finden größere Verbreitung, allgemein und auch in Pressespiegeln, was beides wiederum die VG Wort honoriert. ” Das stimmt so nicht. Meines Wissens werden die Lizenzgebühren für Pressespiegel an die PMG entrichtet und dort direkt an die Verlage weitergeleitet. Die VG Wort ist raus aus dem Pressespiegel-Geschäft. Bitte korrigieren Sie mich, wenn das so nicht stimmt.

     
     
  10. @Roland Pimpl: Das entscheidende Problem an dieser Stelle ist doch, dass die Praxis der VG Wort, auch Verlage bei der Ausschüttung zu berücksichtigen, gegen geltendes EU-Recht verstößt. (Siehe: )
    Natürlich könnte ich als Autor auf die VG Wort verzichten, praktisch jedoch nicht. Aber warum sollte ich diesen Rechtsverstoß dulden? Und dies meine ich nur auf den Aspekt VG Wort bezogen, damit will ich nicht die Rolle von Verlagen im Allgemeinen in Frage stellen.

     
     
  11. “Kein Autor, kein Journalist, kein Schreiber muss einen Wahrnehmungsvertrag mit der VG Wort abschließen. Man kann auch auf eigene Faust nach Zweitnutzungen seiner Texte fahnden und Tantiemen eintreiben – dann würde der Verlag erstmal außen vor bleiben.”

    Können Sie mir sagen, wie ich als Autor etwas von den Reprographie-Abgaben abbekomme, die z.B. die Hersteller von Kopiergeräten bezahlen, wenn ich keinen Wahrnehmungsvertrag mit der VG Wort abschließe? Es handelt sich um Pauschalen, von denen ein winziger Prozentsatz mir zusteht, den ich aber auf keinem anderen Weg eintreiben kann als über die VG Wort.

    Dort aber bin ich gezwungen, den Verlagen ein erhebliches Stück von den laut Gesetz und laut Wahrnehmungsvertrag allein mir zustehenden Vergütungen abzugeben. Warum?

    Es ist aber rührend, so einen Text darüber zu schreiben, was die Verlage alles tun für Journalisten, und den Gedanken, dass diese Verlage mit der Arbeit der Journalisten ihr Geld verdienen, indem sie ihr Produkt an Leser und Anzeigenkunden verkaufen, vollständig außen vor zu lassen.

    Ein ganzer Artikel, in dem Verlage ausschließlich als uneigennützige Entwicklungshelfer für Journalisten dargestellt werden. Das glaub ich, dass Ihnen das gefiel, Herr Keese.

     
     
    • Heller

      Herr Pimpl hat auch vergessen darauf hinzuweisen, dass die Journalisten bei AS zum Beispiel auch für das Aktienpaket von Herr Döpfner gearbeitet haben. Ist vor allem von den Journalisten sehr uneigennützig. ;-)

       
       
    • Roland Pimpl

      @Stefan Niggemeier: Wie gesagt, Sie als Autor müssen keinen Wahrnehmungsvertrag mit der VG Wort abschließen, sondern Sie können Ihre laut Gesetz Ihnen als Urheber zustehenden Vergütungen auch alleine eintreiben. Das heißt: Bei allen Copyshops kontrollieren, wer Ihre Texte kopiert und Ihre Ansprüche geltend machen. Und in Hunderten von Pressespiegeln von Unternehmen jeden Werktag prüfen, ob Ihre Texte dort aufgenommen wurden. Mir ist schon klar, dass das kaum praktikabel ist, weil die Transaktionskosten für jeden einzelnen Autor höher sind als die zu erwartende Vergütung. Für eine saubere Diskussion ist es aber wichtig festzuhalten: Es ist (de jure) möglich – aber eben ineffizient. Genau deshalb gibt es ja die VG Wort: Sie maximiert die Vergütungssumme insgesamt und minimiert die Kosten der Rechtdurchsetzung für jeden einzelnen Autor.

      Jetzt kann man natürlich darüber diskutieren, ob es „gerecht“ ist, dass die Verlage einen Teil der Einnahmen abbekommen, wenn Autoren freiwillig (!) die VG Wort mit der Wahrnehmung ihrer Rechte betrauen. Ich finde: ja. Warum, das habe ich in meinem Beitrag versucht zu erklären. Vielleicht noch mal etwas deutlicher: Es macht doch einen Unterschied, ob Sie in Ihrem (lesenswerten) Blog etwas über das Unternehmen XYZ schreiben – oder im „Spiegel“. Wenn es im „Spiegel“ steht, dann darf man davon ausgehen, dass diesen Beitrag mehr Menschen lesen, er mehr kopiert wird (Presse-Repro) und er eher in Pressespiegeln von Unternehmen landet. Die VG Wort und Sie kassieren also mehr Geld. Vor allem deshalb, weil Ihr Beitrag eben im „Spiegel“ stand und nicht nur in Ihrem Blog. Es ist ein Geschäft auf Gegenseitigkeit, und zu einem Vertrag und Geschäft gehört auch, dass beide Seiten davon profitieren – also auch der Verlag.

      Daran anschließend noch mal die Frage an Sie: Sie sind ein kluger Branchenbeobachter und ein toller Schreiber. Sie sind prädestiniert dafür, mit Ihrer Arbeit ganz auf eigene Rechnung Geld zu verdienen, via Werbevermarktung, Paid Content und/oder Crowdfunding (Flattr und Co) mit Ihrem eigenen Blog. Warum aber schreiben Sie für den „Spiegel“ und früher für die „FAZ“? Weil Sie uneigennützig sind und den jeweiligen Verlagen etwas Gutes tun wollen? Oder, so vermute ich jetzt mal, eher deshalb, weil auch Sie von diesem Deal etwas haben, sei es eine größere Reichweite Ihrer Texte und/oder mehr Einkommen?

      Nur: Diesen Mehrwert X, den Sie für sich selbst allein dadurch generieren, dass Sie Ihre Texte über die „Spiegel“-Plattform laufen lassen und eben nicht über Ihren Blog – diesen Mehrwert X muss der „Spiegel“-Verlag erst mal finanzieren. Und da Verlage ebenso wenig uneigennützige Akteure sind wie Sie und ich, also wirtschaftliche Veranstaltungen sind, müssen sie, die Verlage, eben auch eigene Eigentums- und Verwertungsrechte an dem Endprodukt haben, das aus Ihren Texten entsteht. Sonst funktioniert das auf Dauer nicht mehr mit dem Mehrwert bzw. mit dem Anreiz zur Produktion des Mehrwertes.

       
       
      • “Der Punkt ist nur: Das alles (also gleichzeitig der Mehrwert, den ein Verlag einem Schreiber bietet!) kostet den Verlag Geld. Und das muss irgendwo herkommen. Daher ist es nur recht und billig, dass ein Verlag eigene Eigentums- und Verwertungsrechte am journalistischen Produkt erhält, unabhängig vom Urheberrecht der Autoren (ob die aktuelle Formulierung des Leistungsschutzrechts sinnvoll ist, ist eine ganz andere Frage). Und deshalb ist es auch nur recht und billig, dass ebenso die Verlage an VG-Wort-Ausschüttungen beteiligt werden.”

        Nach dieser Logik müsste auch der Zeitungskiosk und der Zeitungsjunge für den Geld kostenden Mehrwert an den Ausschüttungen der VG Wort beteiligt werden. Diese Distributionsdienstleistungen sind durch das Urheberrecht nicht gedeckt und nicht gemeint. Wenn Verlage kassieren, dann dafür, dass sie Urheberrechte wahrnehmen. Nicht für ihre Distributionsdienstleistungen.

        Verlage müssen ein tragfähiges Geschäftsmodell haben. Drucktechnik, Schnippeldienste, Transportleistungen haben keine künstlerische Schöpfungshöhe.

        Die Vergütungen der Verlage sind ja nicht umsonst vor Gericht anhängig. Wer unsere Marktwirtschaft nicht möchte, sollte nicht den Sozialismus predigen und Zwangsabgaben fordern wie Keese und sein Springerverlag. Axel Springer würde sich im Grab umdrehen, wenn er hören würde, dass die LKW-Fahrer von Springer als “Verlagsleistung” von der VGWort vergütet würden.

        Manche tun sich mit unserer Marktordnung erheblich schwer. Wenn Niggemeier gegen das LSR ist und beim Spiegel veröffentlicht, dann zwinget er den Spiegel, sich Marktwirtschaft bei Kunden zu finanzieren. Was gibt es denn dagegen zu stinken? Ausserhalb der zurückgebliebenen Presselandschaft ist Marktwirtschaft bei uns der Normalfall.

        Das LSR wird als deutschnationale Sonderbehandlung der Bürger nicht kommen. Da braucht man sich nicht die Finger wund zuschreiben, dass Verlage vom Staat finanziert werden müssten.

        Wer zu blöd für die Marktwirtschaft ist, kann auch gerne mal bei Umberto Eco rein schauen: Man kann völlig unterschiedliche Geschäftsmodelle fahren: 1.) Der Autor finanziert den Verlag, 2.) Autor bekommt nichts und Verlag kassiert vom Leser 3.) Leser finanziert Verlag und Autor. Und viele Schattierungen davon. Ausserhalb des Keeseschen Kommunismus geht das hervorragend Marktwirtschaftlich. Wir werden für Keeses Kommunismus und der staatsfinanzierten Kaffekränzchen seines Chefes anlässlich des Staatsbankers Ackermann im Kanzleramt bei der ehemaligen Sekretärin für Agitation und Propaganda der Freien Deutschen Jugend Merkel den gescheiterten Sozialismus nicht deutschnational revitalisieren.

         
         
      • Herr Pimpl, Sie haben unrecht. Es sind nicht nur Gründe der Praktikabilität, die dem entgegenstehen, dass ich einzeln im Copy-Shop kassieren gehe. Es ist das Gesetz.

        Urheberrechtsgesetz, § 54h:
        (1) Die Ansprüche nach den §§ 54 bis 54c, 54e Abs. 2, §§ 54f und 54g können nur durch eine Verwertungsgesellschaft geltend gemacht werden.

        Wenn Sie also schreiben, “Wie gesagt, Sie als Autor müssen keinen Wahrnehmungsvertrag mit der VG Wort abschließen, sondern Sie können Ihre laut Gesetz Ihnen als Urheber zustehenden Vergütungen auch alleine eintreiben”, ist das falsch.

        Wenn Sie schreiben, “Für eine saubere Diskussion ist es aber wichtig festzuhalten: Es ist (de jure) möglich – aber eben ineffizient”, ist das falsch.

        Wenn Sie schreiben, dass “Autoren freiwillig (!) die VG Wort mit der Wahrnehmung ihrer Rechte betrauen”, ist das falsch.

        Ich kann diese Vergütungen nur dadurch geltend machen, dass ich einen Wahrnehmungsvertrag mit der VG Wort abschließe. Von diesem Geld, das mit als Urheber zusteht, gibt die VG Wort aber einen erheblichen Teil an die Verlage weiter.

        Nun sagen Sie, das sei “gerecht” (selbst wenn es dem Gesetz widerspricht, wofür vieles spricht, nur nur das erstinstanzliche Urteil in München). Schließlich würden die Verlage ja auch viel für mich tun. Das ist zweifelsohne so. Und auf dem, was der Verlag für mich tut, um meine Texte einem möglichst breiten Publikum zugänglich zu machen, und dem, was ich für den Verlag tue, damit er interessante Inhalte in seinen Publikationen hat, die er an Leser und Anzeigen verkaufen kann, beruht das Vertragsverhältnis, das ich mit dem Verlag habe. Es drückt sich in der Höhe des Honorars aus.

        Ich kann mich da nicht beklagen, ich tue es auch nicht.

        Aber es begründet nicht, warum ich dem Verlag einen Teil der Vergütungen abgeben soll, die mir als Urheber zustehen. Und die ich, um es noch einmal zu sagen, laut Gesetz ausschließlich über die VG Wort erhalten kann.

         
         
        • Roland Pimpl

          @Stefan Niggemeier: Danke für das korrekte Zitieren des Urheberrechtsgesetzes; ich hatte den genauen Wortlaut gerade gar nicht parat. Da steht: Die Ansprüche „… können nur durch eine Verwertungsgesellschaft geltend gemacht werden.“ Das ist eine Formvorschrift, mehr nicht. Denn da steht NICHT: nur durch die VG Wort. Mit anderen Worten: Die VG Wort mit ihrer konkreten Vertragsausgestaltung (Teil-Ausschüttung an die Verlage), die Sie so kritisieren, hat KEIN Monopol. Autoren und anderweitig Bewegte könnten also eine alternative Verwertungsgesellschaft gründen, andere (oder keine) Ausschüttungsverträge mit den Verlagen vereinbaren und um Autoren werben, dort – und nicht mit der VG Wort – ihre Wahrnehmungsverträge abzuschließen. Tatsächlich gibt es ja jetzt schon andere VGs, etwa die PMG. Noch mal: Der Weg der Gründung anderer VGs ist wenig praktikabel – aber möglich. Und ich kann mich nicht erinnern, zur Unterschrift unter den Wahrnehmungsvertrag mit der VG Wort gezwungen worden zu sein.

           
           
          • Luc

            Zusammenfassend verhält es sich also so:

            Zuerst sagen Sie, jeder könne die ihm zustehenden Vergütungen selbst, ohne eine Verwertungsgesellschaft eintreiben. Dann stellt sich heraus Sie hatten keine Ahnung. Dann formulieren Sie: “noch mal (sic): jeder kann seine eigene Verwertungsgesellschaft gründen”. Und das bleibt jetzt wieder so lange stehen, bis sich jemand die Mühe macht, Ihnen die Recherche abzunehmen und Ihnen erklärt, dass nicht jeder einfach eine VG gründen kann.

               
             
             
  12. mal wieder die Wahrheit gesprochen:
    Das alles …kostet den Verlag Geld.

    Also Klartext: die verlegerische Arbeit kostet Geld, klar, dagegen sagt auch keiner was. Dass die Blöd-Zeitung Geld kostet ist zwar schade, aber irgendwie klar.
    Die Verlage nehmen weniger Geld ein. Kann ich so nicht nachvollziehen, mag aber so sein.
    Der Umkehrschluss, der staendig gebetsmuehlenartig von Herrn Keese u.v.a. vollautomatisch gemacht wird ist, dass es nun eines Leistungsschutzgesetzes bedarf, also einen voellig neuen Topf erschaffen in den das Geld fliessen soll.
    Man kann es nicht oft genug sagen: JA, die Verlage erbringen Leistung, fein gemacht, liebe Verleger wir sind alle stolz auf euch! Aber dann, BITTE BITTE, bringt mir einen VERNUENFTIGEN Grund, weshalb auf Snippets auf einmal Geld bezahlt werden soll.
    Keiner konnte mir bisher beweisen, dass den Verlagen dabei wirklich ein Malus entsteht (Ja, Herr Keese, auch wenn sie das zu ignorieren versuchen, es ist so.).

    Und einfach zu sagen C: Alternatives –> None, wie es Herr Keese im vorherigen Übersetzungstext getan hat spricht schon wieder so viele Baende dass ich hier aufhöre.

     
     

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