NewsRight schließt ersten Lizenzvertrag, Moreover wird erster Kunde



NewsRight, der neue Online-Rechtverwerter amerikanischer Verlage, hat gestern Abend seinen ersten Vertragsabschluss bekannt gegeben. Moreover, ein namhafter Aggregator, hat einen mehrjährigen Vertrag über journalistische Inhalte und Daten abgeschlossen. Damit hat das neue und innovative Geschäftsmodell eine erste Bestätigung am Markt erfahren. (Post enthält einige Pressestimmen und die Original-Pressemitteilung.)

Ziel von NewsRight ist es, Partner und Dienstleister von Aggregatoren und Suchmaschinen zu werden. Ganz bewusst definiert sich NewsRight nicht als Abmahnverein. Die Aufgabe des Unternehmens besteht nicht darin, Aggregation von Inhalten zu verhindern, sondern es will sie im Gegenteil ermuntern und ausbauen helfen. Dabei soll den Aggregatoren noch Kräften geholfen werden, ihr eigenes Geschäft weiter zu entwickeln und profitabler zu gestalten. Voraussetzung dafür ist der Abschluss einer kostenpflichtigen Lizenz. Die Lizenznehmer müssen zwar Geld für das bezahlen, was sie sich früher am Rande der Legalität einfach von den Webseiten der Verlage herunter geladen haben, aber dafür verlassen sie die rechtliche Grauzone, üben ein legales Geschäftsmodell aus und erschließen sich damit neue Wachstumsmöglichkeiten. Axel Springer ist an NewsRight beteiligt. (Zu NewsRight habe ich Standard.at und Meedia Interviews gegeben.)

Die Nachricht ist in der Online-Presse auf breites Interesse gestoßen. Berichte sind beispielsweise zu finden bei Washington Post, Paid Content und Poynter. Lesenswert ist besonders Poynter-Beitrag von Rick Edmonds. Über den Umfang der vergebenen Rechte schreibt er nach einem Gespräch mit NewsRight-CEO David Westin:

Westin told me in a phone interview this week that Moreover gets three things from the deal: cleared rights to news content it uses from the founders and 30 additional companies, a direct feed (as opposed to scraping the material), and NewsRight’s data analytics.

Moreover can sell those as enhancements to its basic NewsDesk product and other services to a roster of clients that include Shell Oil, Sony, Citigroup, Hill + Knowlton and Reuters.

Den Abschluss wertet Edmonds wie folgt:

Today’s deal is a small step in a launch that will be complex and drawn out over months and years. But as noted in earlier stories, the stakes for NewsRight are high. Along with online pay wall plans, licensing deals could further establish that content creators can recover some of their costs of producing news from the huge and growing aggregation industry.

Hier die Original-Pressemitteilung, mit der NewsRight den Abschluss gestern angekündigt hat:

NEWSRIGHT & MOREOVER TECHNOLOGIES ANNOUNCE CONTENT AND DATA ANALYTICS LICENSING AGREEMENT

Deal is First-of-its-Kind for Aggregated News Content & Data on the Web

New York, NY – NewsRight and Moreover Technologies announced a first-of-its-kind licensing agreement making it possible for Moreover’s clients around the world to get licensed use of news content from hundreds of U.S. newspapers digital platforms and to learn how that content is being consumed across the Internet.

Moreover and its customers will have reliable, timely and in-depth use of digital content from leading news organizations and their hundreds of digital outlets. NewsRight will provide Moreover clients with data about how millions of news items are being consumed across tens of thousands of digital outlets. This agreement creates a new model for conveniently licensing intellectual property rights of hundreds of publishers and resolving uncertainty about past use.

“This first agreement for NewsRight highlights the unique contribution our digital publishers make to the information marketplace,” said NewsRight CEO David Westin. “Enterprises served by Moreover Technologies will have the assurance of a reliable flow of quality, rights-cleared news content and unique insight into its consumption, while publications licensing their content through NewsRight can expect to generate reasonable digital royalties from their original reporting.”

Paul Farrell, President of Moreover Technologies, said: “Our clients require a broad and detailed understanding of market developments. Moreover Technologies is thrilled to partner with NewsRight to provide our clients the timely and original news reports licensed from a broad set of digital publications. Through this agreement we will now also add data analytics to our growing information portfolio giving our clients an ensured way to address their business and legal needs.”.

About NewsRight An independent digital rights and content licensing organization, NewsRight seeks to bridge the digital gap between organizations that invest in original news reporting and businesses whose products and services rely on original news content and media analytics. It is a new model to sustain journalism in the digital age – one-stop for quality news content and information analytics from a growing catalog of news outlets. The 29 founding organizations of NewsRight represent reporting from across the country and around the world. NewsRight owns and operates the News Registry, which provides powerful insight into the publication and consumption of news content.

About Moreover Technologies Founded in 1998, Moreover Technologies is an industry-leading content delivery service that tracks and organizes global business news and media coverage. Moreover gives companies a customizable delivery channel for enterprise-wide media access, turning global media coverage into actionable media intelligence through powerful media monitoring and news distribution tools. Organizations have access to millions of new articles a day for a 360 view of the media landscape, in any industry, language or region, and across open and licensed content, news and social media, print and broadcast. Moreover’s Newsdesk service scooped several industry awards including Dual Codie Awards 2011, Stevie Business Award 2011, and Digital Impact Award 2011. Leading international media evaluation agencies rely on Moreover’s unique, near real-time news index for in-depth coverage and quality data.



 

9 Kommentare

 
  1. Moreover hat bisher Geschäfte mit ebendiesen Kunden gemacht, ohne dafür an die Eigentümer des Materials zu bezahlen, das sie weiterverkaufen. Das ändert sich jetzt. Es gibt noch zahlreiche weitere Aggregatoren, die Material für Null beziehen und für viel Geld weiterverkaufen.

    Moreover (wie auch einige andere Aggregatoren) verkaufen nicht die Inhalte weiter, sondern die Verweise auf diese Inhalte. Ihre Dienstleistung ist nicht die Publikation von Inhalten, sondern deren Filterung. Natürlich gäbe es ohne die entsprechenden Inhalte nichts zu filtern, aber das bedeutet nicht, dass der Inhalteproduzent an den Umsätzen des Filters beteiligt werden muss. “[...] scheint es sich prima facie bei Internetangeboten wie Nachrichtenportalen oder Sammlungen von Abstracts um unlautere Formen des ‘parasitären’ Wettbewerbs zu handeln. Dieses Argument beruht aber auf zwei fehlerhaften Prämissen. Erstens ist keineswegs jede Ausnutzung fremder Leistungen ethisch oder rechtlich zu beanstanden. [...] Weder verantwortungsethisch noch rechtspolitisch lässt sich eine allgemeine Vergütungspflicht für Vorteile begründen, die ein Unternehmer durch die Nutzung fremder Leistungen erlangt. Zweitens beruht die Attraktivität von Nachrichtenportalen, Sammlungen von Abstracts und anderen Internet-Geschäftsmodellen gerade darauf, dass sie innovativ sind und gegenüber den Internet-Angeboten der Presse einen Mehrwert bieten. Das Bild von der schmarotzerischen Konkurrenz ist also schief.” (Ohly 2012, S. 47-48).

    Darüber hinaus stellt sich eine ordnungspolitische Frage: wenn Aggregatoren wie Moreover für die Filterung von Verlegerinhalten zahlen sollen, warum dann nicht auch für das Monitoring von Social Media Inhalten (was ja mittlerweile auch zu deren Brot und Butter Geschäft gehört)? Falls ja, wer zahlt dann an wen? Die Aggregatoren an die Facebooks und Twitters dieser Welt, oder an die Nutzer, oder vielleicht sogar beide? Wie sollten die Einnahmen aus solchen Lizenzgebühren jemals effizient verteilt werden? Wie Sie sehen sind wir hier ganz schnell auf der slippery slope, insofern sollte man gar nicht erst damit anfangen.

     
     
  2. Christoph Keese

    @Durden: Wälzt die Kosten auf die Kunden ab? Moreover hat bisher Geschäfte mit ebendiesen Kunden gemacht, ohne dafür an die Eigentümer des Materials zu bezahlen, das sie weiterverkaufen. Das ändert sich jetzt. Es gibt noch zahlreiche weitere Aggregatoren, die Material für Null beziehen und für viel Geld weiterverkaufen. Es ist doch wohl legitim, dass die Lieferanten der Inhalte dafür etwas von den Erlösen abbekommen. NewsRight ist kein Abmahnverein, sondern ein Lizenzgeber. Von “vergleichbarer Abmahnverein” kann also gar nicht die Rede sein.

     
     
    • Nochwas interessantes zu Newsright im heutigen Standard:

      derStandard.at: Noch eine letzte Frage zu Europa. In Deutschland wurde gerade das Leistungsschutzrecht durchgesetzt, um endlich wieder mehr Geld mit Inhalten zu verdienen. In den USA hat sich die deutsche Axel Springer AG an dem amerikanischen Online-Rechtverwerter Newsright beteiligt. Halten Sie solche Initiativen für wirksam, um der Content-Piraterie Einhalt zu gebieten?

      Doctor: NewsRight ist ein Versuch, Erlöse zu generieren, ohne eine echte Strategie zu haben. Ich kenne diese Leute sehr gut, weil ich mit NewsRight in einer Art Beratungsverhältnis gestanden habe und wenn man sie fragt: ‘Was ist euer Geschäftsmodell?’, dann sagen sie: ‘Wir brauchen Geld.’ Sie können nun Vergehen legal verfolgen, trotzdem ist es nicht klar, ob das amerikanische Recht ihnen genug Handhabe für Rückforderungen gibt. Sie sagen: ‘Wir steuern eine höhere Intelligenz zu den Newsfeeds bei’, aber ich meine, dass das nur die alte ‘Tagging’-Geschichte über digitale Registrierung ist. Wer glaubt, dass das Wert hat?

      derStandard.at: Sie glauben also, dass Aggregatoren weiterhin unbezahlt Content verwenden können?

      Doctor: Ja, das glaube ich. Sogar NewsRight sagt inoffiziell, dass sie die großen Aggregatoren wie Google und Yahoo nicht verfolgen werden. Und wenn man ehrlich ist, gibt es bei den kleinen Unternehmen nicht viel Geld zu holen.

       
       
  3. Jan

    Schön und gut, solange die Aggregatoren das freiwillig machen.

    Wäre es aber nicht für alle Beteiligten schöner und besser, wenn die “rechtliche Grauzone” endlich mal erleuchtet wird, sodass man erkennt, ob sie schwarz oder weiß ist? Verwertungsgesellschaften wie “NewsRight” müssten dann nicht darauf hoffen, dass es genug Anbieter (hier: “Aggregatoren”) gibt, die im Grau ein Schwarz sehen. Und jene die ein Weiß sehen, gehen ihnen nicht mehr “durch die Lappen”.

    Und, um mal bei der Metapher zu bleiben: Die Forderung nach einem “Leistungsschutzrecht” zielt doch darauf ab, aus dem Grau durch Gesetzesänderung ein Schwarz zu machen – unabhängig davon, ob es nach bestehender Gesetzeslage noch ein Weiß ist, oder nicht.

    Oder?

     
     
    • Durden

      Eigentlich ist die “rechtliche Zone” weder schwarz noch grau, sondern blütenweiß, nachdem kürzlich mit Righthaven ein vergleichbarer Abmahnverein endgültig gescheitert ist. Aber Moreover verkauft eine (schon in der Basisversion) mehrere tausend Dollar teure Software an Geschäftskunden und kann sich daher nicht leisten, dass die FUD-Taktik der Verleger ihnen die Geschäfte vermiest. Stattdessen holen sie sich eine Lizenz, und wälzen die Kosten auf ihre Kunden ab.

       
       
    • Christoph Keese

      @Jan: NewsRight ist keine Verwertungsgesellschaft. Sie ist eine normale Firma, vergleichbar mit einer deutschen GmbH, ohne die besonderen Rechte eine Verwertungsgesellschaft. Sie bietet Lizenzen an. Ob ein Unternehmen sie annimmt, liegt allein in dessen eigener Entscheidung. Das oben wiedergegebene Zitat des Moreover-Chefs zeigt, dass Aggregatoren durchaus lebhaftes Interesse haben können, eine solche Lizenz zu erwerben.
      In den USA spielt ein Leistungsschutzrecht keine Rolle, da das Urheberrecht den Verlagen bereits ein Recht an den eigenen Leistungen gibt. In Deutschland sind viele Nutzungen durch Aggregatoren schon ohne Leistungsschutzrecht, allein durch das Recht der Autoren, nicht ohne Genehmigung zulässig. Die Autoren könnten dies geltend machen. Die Verlage haben kein eigenes Recht, das sie geltend machen können. Viele Nutzungen, die Sie als “grau” bezeichnen, sind schon heute (nach Recht der Autoren) “schwarz”, nur können Verlage mangels eigenen Rechts nicht dagegen vorgehen.

       
       
      • Jan

        Ob ein Unternehmen sie annimmt, liegt allein in dessen eigener Entscheidung.

        Das soll aber bei – wenn sie denn mal gegründet wird – einer deutschen Verwertungsgesellschaft nicht anders sein, oder? Also kein Abnahmezwang für irgendwen…

        In Deutschland sind viele Nutzungen durch Aggregatoren schon ohne Leistungsschutzrecht, allein durch das Recht der Autoren, nicht ohne Genehmigung zulässig. Die Autoren könnten dies geltend machen. Die Verlage haben kein eigenes Recht, das sie geltend machen können. Viele Nutzungen, die Sie als “grau” bezeichnen, sind schon heute (nach Recht der Autoren) “schwarz”, nur können Verlage mangels eigenen Rechts nicht dagegen vorgehen.

        Warum gehen die Autoren denn nicht dagegen vor? Ich sehe da 2 denkbare Gründe:
        a) Sie kriegen es organisatorisch, mangels Kleingeld für juristisches Vorgehen o.ä. nicht hin. Dann ist ein “Einspringen” der Verlage natürlich nobel – wenn es für die Autoren gemacht wird und nicht für eine Profitmaximierung der Verlage.
        b) Sie sind mit dem Status Quo zufrieden. (Aus welchen Gründen auch immer, z.B. weil sie bereits bezahlt wurden und die größere Reichweite ihrer Texte als willkommenen “Image-Bonus” annehmen. Dann würden die Verlage ja nun planen, den Autoren einfach das Heft aus der Hand zu nehmen und sich in deren Belange einzumischen.

        In beiden Fällen frage ich mich aber: Warum dann eine Verwertungsgesellschaft der Verlage, warum nicht der Autoren? Eine alternative VG Wort vielleicht, die solche Lizenzen aushandelt und bei Rechtsverstößen klagt. Was haben die Verlage jetzt damit zu tun? Ist mir nicht einleuchtend.

         
         
        • Christoph Keese

          @Jan 10:54:

          Freiwilligkeit: Ja, richtig. Kein Abnahmezwang. Nur Lizenzzwang bei Abnahme.

          Autoren: Die Gründe kann ich nicht beurteilen. Zufrieden mit dem Status Quo sind sie aber in der Mehrheit sicherlich nicht. DJV und Verdi sprechen sich sehr deutlich gegen Diebstahl aus.

          Verwertungsgesellschaft: Der Gesetzgeber legt nicht fest, von welcher Verwertungsgesellschaft das Recht wahrgenommen wird. Er sagt nur, dass es nur von einer (egal welcher) VG wahrgenommen werden kann. Dies bestimmt er, um im Interesse künftiger Nutzer einen One-Stop-Shop entstehen zu lassen. Den Rechteinhabern steht es dann frei, sich für eine VG zu entscheiden oder eine zu gründen. Das Recht könnte dann theoretisch auch in die VG Wort eingebracht werden.

          Beantwortet das Ihre Frage?

           
           
          • Jan

            Mitnichten… mir ist nicht klar, warum die Verlage sich da einmischen müssen, also warum die Autoren es nicht auf eigene Faust machen. Es geht ja um die Lizensierung IHRER Werke.

            Außer vielleicht, weil Autoren in einem gewissen Abhängigkeitsverhältnis zu den Verlagen stehen.

               
             
             

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