Voll aktiv im Google-Netzwerk



Ich möchte niemandem persönlich zu nahe treten, deswegen habe ich Namen und Foto desjenigen ausgeblendet, dessen Twitter-Selbstbeschreibung das Bild zeigt. Ausnahmsweise daher auch kein Link. Die Selbstbeschreibung zeigt, wie tief und intensiv sich Google mit vermeintlichen Graswurzel-Bewegungen in der Internet-Szene vernetzt. Es werden Abhängigkeiten und Verbindungen geschaffen, die über Personalunionen zu vollständiger Interessenidentität führen. Google hat einen wichtigen Teil der Szene eingemeindet und sorgt so dafür, dass wilde Kampagnen gegen die Rechte von Urhebern und Produzenten gefahren werden, aber kein kritisches Wort über Datenschutz und Marktmissbrauch des multinationalen Konzerns fällt, zu dem Google mittlerweile geworden ist.

Schauen wir uns die Funktionen genauer an, die der Kollege bei Twitter in seinem eigenen Profil angibt:

1. Er ist Redakteur und Stratege bei iRights.info, dessen Vordenker Matthias Spielkamp größten Wert auf Abstand zu Googles Initiative gegen ein Leistungsschutzrecht legt, aber trotzdem – zuletzt beim Deutschlandfunk – Verlage und Urheber polemisch, kenntnisarm und bissfreudig angreift. Über iRights hatte der Presseschauder hier und hier bereits ausführlich berichtet.

2. Er ist Projektmanager beim Collaboratory, einer Initiative, die voll unter Regie von Google steht und wohl zum größten Teil auch von Google bezahlt wird, auch wenn Fraunhofer Fokus, Creative Commons, Wikimedia, SMBS und W3C als Mitunterstützer genannt werden. Da außer Google niemand in diesem Kreis viel Geld besitzt, handelt es sich wieder um einen typischen Google-Verschleierungs-Trick. Man tut einfach so, als würde man einer harmlosen Bürgerinitiative unter die Arme greifen, dabei ist man selber Pate, Organisator, Vordenker, Hauptfinanzier und Profiteur der Bewegung.

3. Er ist Redakteur bei der Initiative gegen ein Leistungsschutzrecht, die längst aufgehört hat zu dementieren, dass sie von Google finanziert wird.

Kurzum: Dieser Kollege lebt hauptsächlich von Google. Die Personalunion im Twitter-Profil zeigt, dass iRights ohne jeden Zweifel dem Google-Netzwerk zuzurechnen ist.

Bei dieser Gelegenheit einmal kurz eine Frage in den Raum gestellt: Wann erscheint bei Carta eigentlich mal wieder ein Google-kritischer Text? Die neue Leitung hält ihre Geschütze permanent auf Urheber und die Kreativwirtschaft. Das Visier vielleicht auch mal auf Google richten? Es wäre eine herbe Enttäuschung, wenn auch Carta dem Google-Netzwerk anheim gefallen wäre.

Nachtrag: Wolfgang Michel von Carta hat unten den Kommentaren die Unabhängigkeit seiner Plattform bekräftigt. Das freut mich und ich nehme es gern zur Kenntnis. Den letzten Absatz nehme ich hiermit zurück.



 

5 Kommentare

 
  1. Flo Diehl

    Lieber Herr Klese,

    ich beobachtete bereits die ACTA-Diskussion mit großem Interesse, und bin nun ehrlich gespannt was nun beim LSR herauskommt.
    ich möchte kurz zusammenfassen:

    Warum brauchen wir ein Leistungsschutzgesetz wirklich?
    Nach meinem bisherigen Verständnis monieren die Verlage, dass google und andere Aggregatoren ihr urheberrechtlich geschütztes Material zu “kopieren”.
    Soll spiegel-online halt gebührenpflichtig werden. Punkt aus. Problem gelöst. Wozu brauchen wir noch eine GEMA?

    Das LSR schützt nicht den Urheber, sondern es schützt die Verlage davor Leistung zu erbringen – deshalb Leistungsschutzgesetz….
    Nein, ernsthaft: Ich kann und will keine Gesetzgebung unterstützen die so offensichtlich für bestehende Lobbys arbeitet. Es hilft auch nicht, wenn behauptet wird, dass Privatuser von diesem Gesetz ausgenommen sind. Es stimmt nämlich nicht. Auf die geplanten Gesetzte wird Google genauso reagieren wie in Belgien: sie nehmen die betreffenden Produzenten von Medien aus ihrem Index.

    Beste Grüße,

    F.D.

     
     
  2. Lieber Christoph Keese,
    Ihr letzter Absatz ist amüsant zu lesen (einen Versuch ist es ja immer wert ;-) Sie müssen aber schon sehr selektiv lesen, um zu dieser Auffassung zu kommen. Die von Ihnen erwähnten Netzwerke oder Lobbys gibt es auf beiden Seiten. Carta wird weiterhin unabhängig bleiben und gut argumentierten unterschiedlichen Auffassungen Raum geben. Z.B. hier: http://carta.info/41649/was-ist-dir-ein-foto-wert/
    Kritische Texte zu Google, Facebook, Apple etc. sind im übrigen schon oft bei Carta erschienen. Geben Sie einfach das entsprechende Suchwort ein.
    Meine Frage an Sie (drüben bei Carta), warum die Verlage nicht auf das (slowakische) Piano-Modell einer begrenzten Flatrate setzen, haben Sie aber bedauerlicherweise noch nicht beantwortet. Möchten Sie dazu nicht mal einen Beitrag schreiben?
    Mit freundlichen Grüßen
    Wolfgang Michal

     
     
    • Christoph Keese

      Lieber Herr Michal,

      danke für Ihre Antwort. Freut mich, dass Sie Carta unabhängig halten wollen. Ich werde das oben im Text anmerken.

      Mit Piano werde ich mich intensiver auseinander setzen und schreibe dann gern bei Carta einen Beitrag dazu.

      Viele Grüße
      Christoph Keese

       
       
  3. Soso, wenn man Urheber ist und sich kritisch über Gesetzesvorhaben äußert, ist man also dem Google-Netzwerk anheim gefallen? Wer keine Cervelatwurst mag, ist den Vegetariern anheim gefallen?

     
     

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