Matthias Spielkamp. Zeichnung: Kat Menschik
Kürzlich hatte ich in diesem Blog über die Initiative gegen ein Leistungsschutzrecht (IGEL) berichtet und darin geschrieben, dass sich Matthias Spielkamp, Redaktionsleiter von iRights.info, beim diesem Projekt „schwungvoll engagiere“. Ich hatte dies aus der Zahl der Spielkamp-Texte bei IGEL gefolgert. Allerdings wies mich Matthias Spielkamp schnell daraufhin, dass er sich keinesfalls bei IGEL engagiere und dies auch in Zukunft nicht vorhabe. Seine Texte seien ohne Rücksprache mit ihm verlinkt und platziert worden. Ich habe die Aussage in meinem Text umgehend korrigiert. Trotzdem hat mich interessiert, wieso er bei IGEL nicht mitmacht – anders als seine Kollegen, denn vier der sechs iRights-Macher bilden die IGEL-Redaktion. Und ich wollte wissen, wie iRights nach dem Auslaufen der öffentlichen Förderung finanziert wird, wer das Projekt wie unterstützt und was die Mitarbeiter für ihre Leistung bekommen.
Matthias Spielkamp hat sich freundlicherweise für ein Interview zur Verfügung gestellt. Das Interview wurde per Mail geführt und von Herrn Spielkamp nach abschließender Lektüre freigegeben.
Keese: Herr Spielkamp, Sie sind Projektleiter von iRights.info. Ein anspruchsvolles, umfangreiches Projekt. Neben Ihnen gibt es fünf Redaktionsmitglieder. Sind das alle Ehrenamtler?
Spielkamp: Die meiste Zeit ja. Die Plattform ist zu Beginn 18 Monate lang vom Verbraucherschutzministerium finanziert worden. Später gab es – ebenfalls 18 Monate lang – Geld vom Bundesforschungsministerium. Dazu kommen kleinere Förderungen, etwa durch die VG Bild-Kunst, die Bundeszentrale für politische Bildung und andere, die wir immer wieder für bestimmte Projekte beantragen – etwa das Symposium „Verbotene Filme“, das wir gemeinsam mit der Deutschen Kinemathek veranstaltet haben. Dann fließen Honorare, die man allerdings eher als Aufwandsentschädigung bezeichnen muss. Meine Schätzung ist, dass wir von den sieben Jahren, die iRights.info existiert, die Hälfte der Zeit ohne Finanzierung gearbeitet haben.
Keese: Beteiligen sich denn die Unterstützer, die Sie auf der Seite ausweisen, an der Finanzierung des Projekts?
Spielkamp: Welche Unterstützer meinen Sie?
Keese: Die Mitglieder Ihres Projektträgers zum Beispiel, also von iRights e.V. Wer sind diese Mitglieder?
Spielkamp: Vier Redaktionsmitglieder sind auch Vereinsmitglieder: Valie Djordjevic,
Philipp Otto, Till Kreutzer und ich. Dazu kommen drei Freunde und
Kollegen, die iRights.info mögen und uns auf diese Art unterstützen
möchten. Keiner davon arbeitet bei einem Internetunternehmen oder einem
Interessenverband.
Keese: Hat der Verein schon einmal Unterstützung von Google, einem anderen Internetunternehmen oder einem Verband wie Bitkom oder Eco bekommen?
Spielkamp: Unser Webserver wird von Eco gestellt. Diese Information steht bei uns im Impressum, außerdem haben wir 2009, als wir die Vereinbarung darüber getroffen haben, eine Pressemitteilung dazu veröffentlicht: http://www.irights.info/?q=node/814.
Keese: Warum machen Sie bei IGEL, also der Initiative gegen ein Leistungsschutzrecht, nicht mit?
Spielkamp: Das hat verschiedene Gründe. Einer davon ist, dass ich genug zu tun habe. Neben viel unbezahlter Arbeit bei iRights.info bin ich Beiratsmitglied verschiedener Organsiationen, was ebenfalls mit einigem (ehrenamtlichen) Arbeitsaufwand verbunden ist. Zeit für ein Privatleben soll schließlich auch noch bleiben.
Keese: Wen beraten Sie?
Spielkamp: Niemand, über den ich schreibe.
Keese: Teilen Sie die Positionen von IGEL inhaltlich?
Spielkamp: Meine derzeitige Einschätzung ist, dass bislang niemand überzeugend begründen konnte, dass ein Verleger-Leistungsschutzrecht gesellschaftlich notwendig ist. Daher sollte es nicht eingeführt werden, denn wo es nicht notwendig ist, ein Gesetz zu schaffen, ist es notwendig, kein Gesetz zu schaffen. Ob diese Einschätzung weiter besteht, ist von vielen Voraussetzungen abhängig, die sich ändern können. Ich überlasse es Ihnen zu beurteilen, ob das mit der Position von IGEL übereinstimmt.
Keese: Ist einer der Gründe, bei IGEL nicht mitzumachen, dass Sie es in Ihrer Rolle als Journalist unangemessen fänden, einer Kampagne beizutreten?
Spielkamp: Das kommt auf die Kampagne bzw. ihre Ziele an. Als Vorstandsmitglied von Reporter ohne Grenzen setze ich mich beispielsweise für die Pressefreiheit ein. Zu meinen Gründen, warum ich mich nicht bei IGEL engagiere, siehe meine Antwort oben.
Keese: Wenn das Leistungsschutzrecht eines Tages Geld erbrächte und Journalisten daran beteiligt wären, würden Sie den auf Sie entfallenden Anteil annehmen?
Spielkamp: Ich sehe keinen Sinn darin, auf spekulative Fragen zu antworten.
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[...] polemisch, kenntnisarm und bissfreudig angreift. Über iRights hatte der Presseschauer hier und hier bereits ausführlich [...]
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2. März 2012
Christoph Keese
Wieso auf Antrag? Kennen Sie die VG Wort? Wissen Sie, wie alle anderen Vergütungsverfahren laufen? Dann erübrigt sich die Frage. Im Übrigens sind die Texte von den Verlagen bereits honoriert worden. Die Autoren haben Geld bekommen. Einkünfte aus dem Leistungsschutzrecht wären eine Ergänzung.
vera
Das ist jetzt nicht Ihr Ernst?! Die Urheber der Texte, mit denen die Verleger regelmäßige Einnahmen generierenn, bekommen einmal im Jahr – auf Antrag – ihr Geld? Hochinteressanter Plan.
Christoph Keese
Ähnlich wie der Journalistenanteil an der Pressespiegel-Verwertung der PMG: Vorab vereinbarter Prozentsatz fließt an VG Wort, die nach eigenem Schlüssel an ihre Mitglieder verteilt. Schlüssel wird von den Gremien der VG Wort beschlossen. Kein Einfluss der Presseverlage auf diesen Schlüssel.
Daniel Schultz
Wie soll das Geld den verteilt werden, wenn ein Leistungsschutzrecht eines Tages Geld brächte?