YouTube und seine systematische Bevorzugung des Anti-Acta-Videos



Das berüchtigte Propaganda-Video „Was ist Acta“ mit seiner absurdesten Szene: Acta verbietet angeblich das Weitererzählen von Kochrezepten.
Bild: Anonymous / YouTube

Vor den geplanten Anti-Acta-Demonstrationen am 9. Juni fährt die Szene ihre Informationskampagne hoch. Eine wichtige Rolle spielt dabei wiederum das umstrittene Video „Was ist Acta“. YouTube als einer der Hauptprofiteure schwacher Urheberrechte leistet dabei Schützenhilfe: Die Suchfunktion bevorzugt das Propaganda-Video und benachteiligt den Gegenfilm „Was ist Acta nicht“. Hier der Beleg mit Screenshots:

Bernd Chatelets sachkundiger und ausgewogener Film „Was ist Acta nicht“ verteidigt das Handelsabkommen nicht, sondern weist lediglich auf die vielen haarsträubenden Fehler in „Was ist Acta“ hin. Bei YouTube kam „Was ist Acta nicht“ heute morgen auf 88.397 Klicks. Schauen wir, ob Google-Tochter YouTube Bernd Chatelets Film fair in seinen Suchergebnissen berücksichtigt. Dafür suchen wir zunächst nach dem Stichwort „Acta“:

Es erscheint eine Ergebnisliste, auf der „Was ist Acta nicht“ ganz lange nicht vorkommt. Der erste Viewport ist komplett mit Derivaten von „Was ist Acta“ sowie einigen Fernsehbeiträgen gefüllt. Darunter sind Videos wie „Acta – Gegenmaßnahmen“ und „Acta – Das Ende“, die mit rund 40.000 Klicks weniger als die Hälfte des Chatelet-Videos aufweisen:

Im zweiten Viewport folgen dann Mini-Filme wie „9. Juni 2012 – Internationaler Aktionstag gegen Acta“ mit 9.959 Klicks und „Acta ad acta legen“ mit 24 Hits:

Diese Fundstellen liegen alle weit vor Chatelets Video, das auf 88.249 Aufrufe kommt und ohne jede Frage mit dem Suchwort „Acta“ getagt ist:

Mit unterschiedlicher Relevanz lässt sich die Unsichtbarkeit des Chatelet-Films nicht erklären – der Beitrag handelt genau wie alle Filme vor ihm von Acta. Behandelt ihn YouTube ihn wegen seines Inhalts schlechter?

Versuchen wir es mit einem anderen Suchwort: „Was ist Acta“:

Obwohl die Buchstabenfolge „Was ist Acta“ in „Was ist Acta nicht“ enthalten ist, gibt YouTube wieder ein Ergebnis aus, in dem Chatelets Film erst sehr weit hinten erscheint. Im ersten Viewport auf einem Laptop ist er gar nicht sichtbar. Vor ihm liegt wieder eine Variante des Anti-Acta-Propaganda-Films (diesmal mit Untertiteln), die nur auf halb so viele Hits kommt wie Chatelets sachkundige Arbeit mit 88.249 Aufrufen:

Warum also liegt diese Fundstelle …

… vor dieser? Man beachte die Hitzahlen:

Unternehmen wir einen letzten Versuch. Geben wir direkt ein: „Was ist Acta nicht“ – also eine Buchstabenfolge, die nicht in „Was ist Acta“ enhalten ist:

Nun wirft YouTube tatsächlich den Chatelet-Film an erster Stelle aus, aber nicht, ohne auf Platz 2 gleich mit dem Propaganda-Video zu kommen:

Der YouTube-Nutzer kann der Anti-Acta-Desinformation schlicht nicht aus dem Wege gehen. Man wünscht sich, Suchmaschinen und Videoplattformen würden sich ähnlich rigiden ethischen Regeln von Fairness und Ausgewogenheit unterwerfen wie die Presse. „Fair Search“ ist eine unverzichtbare Bedingung für ein freies Netz in Zeiten von Suchmaschinen-Monopolen. Von Fair Search aber ist Google-Tochter YouTube weit entfernt.



 

59 Kommentare

 
  1. Lieber Mario,
    ich glaube nicht wirklich, dass jemand in das Ranking manuell eingegriffen hat. Das will auch glaube ich weder Herr Keese noch Volker Rieck noch ich naelegen…

    wir wololen aber trotzdem sagen, dass dieser Alggorithmus bei Meinungsbildenden Angeboten zu einer ganz anderen Wahrnehmung führt, als das ein Journalistisches Angebot machen würde. Es gibt aufr YT auf Basis des Algorithmmus und des ergebnisses keine Möglichkeit, sich über ACTA ausgewowogen zu informieren. Algorithmus lässt das nicht zu, und für die Möglichkeit einer ausgewogenen Information ist “Popularität = Relevanz” ein denkbar schlechter algorithmus. Den hat google aber trotzdem bewusst so gewählt… Um mehr Anzeigen verkaufen zu können.

    Es gibt also hier keine wirkliche Neutrlität, auf die man sich bveziehen kann. Auswahl des Algorithmus sind höchst subjektiv, und fallen aus ganz bestimmten gründen. ob eine Redaktion nun “algorithmisch” oder “journalistisch/redaktionell” filtert ist für das Ergebnis und die IWrkung (fast) egal. YouTube ist ein Medium.

    Gruß,
    Stefan

     
     
  2. lab

    Der Sarkasmus speist sich aus der Tatsache, dass der Hausherr hier einen so einfachen Gegencheck nicht gemacht hat oder die Ergebnisse bewusst ignoriert.

     
     
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      • lab

        Sarkasmus – geschenkt.

        Aber haben Sie oder Herr Keese noch etwas zu meinen inhaltlichen Anmerkungen zu sagen?

        Z.B. wie das genannte Phänomen mit der These der Manipulation vereinbar sein soll…

         
         
        • Ja, fiel mir erst später ein.
          In dem Beitrag ging es um Rankings innerhalb von Youtube.
          Andere Suchen wurden nicht erwähnt.

          Insofern ist der Vergleich mit Suchmaschinen natürlich hinkend.

          Dabei gehe ich davon aus, dass die Suchmethode und Ergebnisse von Google oder anderen Suchmaschinen nicht identisch mit denen von Youtube sind. Das ist aber nur eine Annahme.

          Es ist also etwas wie der Vergleich Äpfel und Birnen.

           
           
          • lab

            Mein Fehler: Ich habe “Bildersuche” geschrieben. Dabei habe ich die Videosuche gemeint.

            Warum ist der Vergleich der Google-Videosuche mit der Bing- oder der Yahoo-Videosuche in der Frage eines “fairen” Suchrankings nicht geeignet?

            Zur Erinnerung; Herr Keese (und ich verstehe Ihr Einspringen so, dass Sie mit ihm übereinstimmen) behauptet, Google würde eigentlich relevante Suchtreffer aus eigennützigen Motiven unterdrücken. Tatsächlich zeigt Google den beanstandeten Treffer weiter oben an als andere Video-Suchmaschinen. Wenn man also Google Manipulation in dieser Sache unterstellen will, dann müssten entweder die Konkurrenten mitmachen oder Google bevorzugt sogar den Treffer…

            Ich denke allerdings eher, dass Herr Keese in seinem “Engagement” gegen Google jede Behauptung recht ist, mit der er Stimmung machen kann. Was dann dazu führt, dass auch Leute die Google und anderen Internet-Großunternehmen durchaus kritisch gegenüber stehen (wie z.B. ich) sich aus reiner Wahrheitsliebe gezwungen sehen Google zu verteidigen.

            Und weil Sie so vergeblich nach den kritischen Stimmen der Netzaktivisten gesucht haben und es auch tatsächlich gerade rein kam: http://labom.at/KhwRJw (Markus Beckedahl auf ZDF.de).

               
             
             
  3. lab

    Es ist noch viel schlimmer!!

    Nicht nur zensiert Google bösartigerweise die aus reiner Nächstenliebe ins Netz gestellten ACTA-Aufklärungvideos, sondern hat es auch noch geschafft, seine einzigen Wettbewerber, Bing und Yahoo Search in das Komplott zu verstricken.

    Gibt man bei der Bing- oder Yahoo-Bildersuche “acta” ein, erscheint das “Was ist ACTA nicht?”-Video ebenfalls nicht standesgemäß an der ihm zustehenden Position, sondern genauso weit unten … äh … Moment … viel weiter unten als bei Google (oder gar nicht)…

    Ich bin verwirrt. Ist das nun eine Verschwörung von Google oder aller Suchmaschinen? Oder zeigt Google sogar die vermeintlich manipulativ unterdrückten Suchtreffer für jene günstiger an als seine Mitbewerber?

     
     
    • @ Kai Laborenz:

      Bis auf den Sarkasmus ist das ein sinnvoller Beitrag.

      Klar, die anderen Suchmaschinen und deren Ergebnisse zu vergleichen ist eine gute Idee.
      Bei 90% Google MA sicherlich nicht ganz so relevant als wenn wir einen austarierten Markt hätten, aber trotzdem richtig zu schauen, wie es bei anderen Suchen aussieht.

      Ich trauere immer noch Alltheweb hinterher. Schade dass es die Dank Yahoo nicht mehr gibt.

       
       
  4. Ja stimmt, der Artikel ist etwas kurz geraten aber ich denke dass da noch mehr kommen wird; das Thema wird uns ja noch lange beschäftigen;

    Sorry, aber ich schreibe wie ich denke, wenn ich denke…und ich sage auch (oft) was ich denke. Und Leute die mich kennen, wissen dass sie das bei mir auch tun können.
    Ich habe Mr. Keese auch nicht Unsachlichkeit vorgeworfen, sondern nur dass der Inhalt seines Posts das Wort “systematisch” nicht rechtfertigt; da kam einfach zu wenig Inhalt…

     
     
  5.  
    • Ich bin in Kontakt mit Christian Stöcker vom Spiegel.
      Guter Artikel, mir fehlen allerdings einige Dinge, dann wäre es ein sehr guter Artikel. Immerhin konnte ich ihm noch einige Dinge näher erläutern.
      Seine Schlüsse zum Thema Verfolgung von Verletzung sind nicht ganz korrekt. Vielleicht kommt da ja noch etwas.

      Trotzdem: ein Nachrichtenmagazin ist etwas anderes als ein Blog.
      Ich habe nicht das Gefühl Herr Keese verheimlicht seine Absichten.
      Außerdem ist sein Ton sachlich. Mich stören viele Ihrer Formulierungen lieber Flo Diehl. Wir sind alle zivilisierte Menschen und viele Aussagen würden Sie nie im Leben einem Dritten ins Gesicht sagen.

      Auch unterschIedliche Meinungen kann man sich manierlich mitteilen.
      Think about it.

       
       
  6. Ja, ich auch. Aber das sind zwei paar Stiefel. Mr. Keese hat Käse geschrieben; das soll die Macht von YT und Google nicht gut heißen, es soll lediglich sagen, dass unser Cheflobbyist und Journalist mit Ehrenkodex nicht richtig gearbeitet hat.

    Nur weil ich, und viele andere, die gegen Facebook vorgehen und unsere Daten einfordern, Petitionen unterschreiben, usw. und uns aktiv einbringen, aber eben nicht geschmacklose PROPAGANDA verbreiten wie Das Syndikat, muss das nicht heißen, dass die mündigen, normalen Menschen nichtmehr existieren.

    Sicherlich wurde Google zu mächtig, nur es liegt in der Hand der Nutzer, und nicht in der Hand von Lobbyisten der Content-Industrie das Netz zu verbessern.

     
     
    • Leider kann ich die Antwort oben nicht beantworten.

      Wir haben uns wohl missverstanden: Ich meinte, wenn es gelänge das reale Seminiar zu kopieren (was nicht geht, aber sei es drum)dann würde der Anbieter auch nicht begeistert sein. Seine Idee wäre obsolet.

      Ich verlange nach keinen Gesetzen, wir haben bereits sehr viel geregelt bei uns, es müsste nur angewendet werden.

      Ich war 6 Jahre in der Musikindustrie. Da ist nichts gewachsen in der Zeit des Übergangs auf CD, außer die Umsätze. Das war auch eine sehr profitable Zeit, keine Frage, auch wenn am Anfang die CD Maschinen Ausschussquoten von 90% hatten.

      Welcher Markt ist übersättigt? Es wurde noch nie so viel Musik konsumiert wie heute. Sie wird halt nicht mehr so bezahlt wie früher. Oder besser: Heute verdienen Rapidshare und Pirate Bay daran. Das ist der Unterschied.
      Über diese Form der organisierten Kriminalität haben wir hier ja schon öfter gesprochen.

      Mich stört massiv, dass Leute wie Herr Lauer schöne Statements bei der FAZ und im Spiegel abgeben und ich nach 3 Sätzen sehe: der Mensch hat keine Ahnung, spielt aber im Politexperiment der PP ganz vorn mit.
      Wie soll man denn mit Ahnungslosen einen Dialog aufnehmen?

       
       
      • “was nicht geht, aber sei es drum”… nein nein, das ist genau mein Punkt: er verkauft sich, indem er einen z.Zt. nicht kopierbaren content geschaffen hat; das hatten die Zeitungen für hunderte von jahren, weil nicht jeder otto-pippelhans eine druckerpresse daheim hatte. Jetzt muss man (als kreativer) nach neuen nicht-kopierbarem content suchen, den man mit Hilfe des Internets an den Mann bringen kann…

        Ich meinte, dass der CD-markt übersättigt ist, nicht der Musikmarkt als Ganzes.

        Ja, Piratebay…also rechtlich gesehen stimme ich ihnen ja voll und ganz zu, und es gibt ja schon gesetzte dagegen.
        Ich weiss aber auch, dass die paar Millionen die Piratebay macht, peanuts sind für die Industrie, und dass viral marketing über Fatzebuch und Youtube kostenlose Werbung ist und so wesentlich mehr Geld gespart wird, als über illegales Sharing verloren wird. Das will sich nur keiner von den Großkopferten eingestehen.

        Ich habe hier ja schonmal die FIAA angemerkt und ich muss mich da noch mehr informieren, aber ich denke dass sich die Musikindustrie in einem ähnlichen Umbruch wie die Filmindustrie in den 50ern befindet, als das Fernsehen kam:
        da wurde auch die Hölle auf Erden heraufbeschworen, und es stimmt, die Kinoindustrie hat sich nie wieder von dem monumentalen Decline in den 50ern erholt; aber seit dem gibt es DVDs, Video, iTunes, Netflix – tausend andere Möglichkeiten Geld zu verdienen – und die Umsätze der Industrie wären heute nicht so hoch, wenn sie es damals geschafft hätten das Fernsehen abzuschaffen.

         
         
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          • Ich erwische mich gerade selber dabei, dass wir schon ganz weit weg vom eigentlichen Thema sind.

            Trotzdem noch meine Anmerkung:

            Die Zahlen beweisen nur eines, nämlich wie oft heruntergeladen wurde. Hulu Netflix sind Interpretationen der Zahlen. Ich interpretiere hinein, dass die US User auf Filehosting ausgewichen sind. Dort kann nicht mehr gemessen werden.
            Trotzdem wird etwas dran sein an Ihrer These.
            Sie passt ja gut zu dieser Meldung

            hier:http://www.spiegel.de/netzwelt/web/game-of-thrones-got-stellt-wohl-download-rekord-auf-a-833014.html

            Ich weiss jetzt nicht, ob Dexter und Heros auch nur im PayTV liefen oder in anderen Networks. Das sollte man auf alles berücksichtigen.

            Bevor sich das hier noch weiter von dem Thema Youtube und ACTA Video eine Bitte an Herrn Keese:
            Könnten Sie nicht einmal ein Thema dazu aufmachen?
            Mein Wissen über darüber ist begrenzt, ich kann mir aber vorstellen, dass es eine spannende Diskussion werden kann, auch wenn es primär den Bereich TV/Film betrifft.

               
             
             
  7. Ein Krieg nach dem anderen Herr Rieck. Zwei-Frontenkriege sind noch nie gut gegangen…

    Außerdem ist die Wut-netzgemeinde bereits dabei, vor irischen Gerichten zum Beispiel, ihr Recht einzufordern.

    Aber das kriegen die Wut-Kommerzler natürlich nicht mit, weil sie zu sehr damit beschäftigt sind rumzubrüllen; und die GEZ-bezahlten Wut-Urheber kriegen’s auch nicht mit, weil sie damit beschäftigt sind ständig das Maul aufzumachen, wie der hier: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/michael-krueger-zum-urheberrecht-telefonat-mit-einem-griechischen-freund-11744247.html

    Es ist leicht, der Netzgemeinde Fehler vorzuwerfen und von der eigentlichen Diskussion abzulenken; das passiert mir auch oft genug.
    Aber bringt’s was? Nö.

     
     
    • @ Flo Diehl, kein Krieg. Wir tauschen hier Positionen, Meinungen und Argumente aus. Ich jedenfalls betrachte das nicht als Krieg.
      Und von daher auch keine Fronten.
      Ich habe eine Meinung zu Google und seiner Lobbyarbeit.
      Und ich fühle mich sehr oft bestätigt.

       
       
    • Christoph Keese

      @ Flo Diehl: Wissen Sie eigentlich nicht, wer Michael Krüger ist, dem Sie vorwerfen, “das Maul aufzumachen”? Dieser Mann ist einer der wichtigsten Belletristik-Verleger der Bundesrepublik. Er hat in den vergangenen Jahrzehnten unglaublich viel für die Literatur getan. Sein literarisches Urteil, sein verlegerischer Wagemut, seine intellektuelle Kraft, seine Innovationskraft sind legendär. Nebenbei ist er selbst ein glänzender Lyriker. Und er hat mit Hanser einen überaus erfolgreichen Verlag aufgebaut.
      Es stände Ihnen gut an. Michael Krüger mit Respekt zu behandeln, auch wenn Sie nicht seiner Meinung sind.

       
       
      • Sorry, aber ich behandle lieber solche Leute mit Respekt:
        http://carta.info/43660/wir-sind-die-urheber-ohne-mich/comment-page-1/

        Ach ja, und nur weil ich gegen die amerikanische Kriegstreiberei bin, bin ich noch lange nicht für Terrorismus; nur weil ich Kirschen mag, bin ich nicht gegen Erdbeeren; nur weil ich für Netzneutralität bin, bin ich noch lange nicht gegen Künstler; weil ich Herrn Krügers Erguss in der FAZ kritisiere, muss ich noch lange nicht gegen alles sein, das der Mensch in seinem Leben geschaffen hat.

        Ich bin nur dieses ewige Gejammer leid, auf dem Leute wie sie auch noch rumreiten.

        Kleine Geschichte: http://www.froknowsphoto.com ist die Homepage eines Fotografen in Pennsylvania. Er hat vor 2 Jahren damit begonnen Podcasting zu machen und Otto-Normalbürger das Fotografieren näher zu bringen; mittlerweile macht er regelmäßig Workshops mit Leuten die sich ausschliesslich über seine Webseite anmelden; das ist ein besonders schönes Beispiel wie neue Web-Marktwirtschaft funktionieren kann:
        Anstatt auf die anderen zu schießen die ihm den Arbeitsplatz wegnehmen, bringt er ihnen von seinem Wissen etwas bei; er verdient durch Merchandising und Workshops Geld, und die Leute lernen etwas von ihm.

        Warum gehen bei uns Menschen die kreativ mit dem neuen Medium umgehen in dem Geschrei der anderen unter?

         
         
        • Warnung: ist etwas länger geworden.

          Die Foto Podcast Story gefällt mir.
          Es ist toll, dass es so etwas gibt. Jeder, der es schafft etwas anzubieten, für das andere bereit sind Geld zu bezahlen hat meine Hochachtung.
          In diesem Fall auch gut gemacht, denn der Anbieter verdient sein Geld mit Seminaren, die man ganz sicher nicht kopieren kann.

          Jetzt stellen Sie sich aber bitte mal folgende Situation vor: Diese Seminare wären 1:1 kopierbar. Ich weiss, das geht nicht, aber stellen wir es uns einfach mal vor. Oder es gäbe Videos der Seminare, die man 1:1 kopieren könnte.
          Was glauben Sie würde passieren?
          Und wie würde der Anbieter wohl schauen, wenn er sieht, dass seine Arbeit, seine Geschäftsidee von anderen benutzt wird, die das Geld dann auf andere Weise verdienen, er aber leer ausgeht.

          Auf die ganze Urheberrechtsdebatte zurückgeführt:
          Genau darum geht es gerade.

          Und ganz ehrlich: Ich fange an, Sven Regeren immer mehr zu danken. Dafür, dass er eine Debatte losgetreten hat.

          Plötzlich melden sich andere zu Wort. Über die Art und Weise mag man streiten und auch darüber, ob die Unterzeichner überhaupt wissen, was gerade wirklich geschieht. Aber es ist ein Zeichen.
          Ein so deutliches Zeichen, dass plötzlich Piraten wie Herr Lauer um einen Dialog bitten oder betteln.
          Das ist doch hochinteressant. Da muss er erst im Spiegel Interview von Jan Delay auseindergenommen werden bevor die Einsicht Einzug hält, dass man ja wohl erst mal sprechen muss, bevor man die Welt für andere “verbessert”.

          Da liefert die Sprecherin Marina Weissband beim Markus Lanz eine so schlechte Vorstellung ab, die darin mündet, dass sie zukünftig Werbung für legale Plattformen machen will. Vom Saulus zum Paulus in 20 Minuten.

          Torge Schmidt, immerhin die Nummer 1 in Schleswig Holstein ist auch bei Lanz und kennt nicht einmal sein eigenes Wahlprogramm.
          Auch er liefert ein klägliches Bild. Von seiner Ahnungslosigkeit beim Thema Urheberrecht mal ganz zu schweigen, immerhin eines der wichtigsten Themen seiner Partei. Nur mit Ahnungslosigkeit punkten zu wollen, wird nicht sehr lange gut gehen.

          Ich kann die Liste fortsetzen mit Leuten wie Bruno Kramm, der gerade in der TAZ seine Bewerbungstour für höhere Piratenehren fährt. Mit den gleichen schlechten Argumenten wie bisher, nur diesmal hat er doch tatsächlich nach Adorno im Netz gesucht und was gefunden. Und er endet mit “lass uns reden”.
          Reden mit jemanden, der ein Video vertont, dass so voller falscher Aussagen, Lügen und Verdrehungen steckt, dass es sich selber disqualifiziert. Der dieses Video als Zeitdokument betrachtet und es deshalb vertont hat. Nun, Reden von berühmten Diktatoren sind auch Zeitdokumenent, werden dadurch aber nicht besser.

          Plötzlich sind sie also aufgeschreckt die Piraten. Verblüfft darüber, dass die Lufthoheit im Netz verloren geht, erschrocken darüber, dass es nicht jeder gut findet, wenn er quasi enteignet werden soll.
          Erstaunt darüber, dass es Menschen gibt, die die Positionen der Piraten hinterfragen. Ungläubig darüber, dass es Menschen gibt, die nicht alles im Shitstorm lösen wollen. Fassungslos darüber, dass nicht das lauteste sondern das bessere Argument zählt.

          Insofern eine spannende Debatte zurzeit.

           
           
          • “Jetzt stellen Sie sich aber bitte mal folgende Situation vor: Diese Seminare wären 1:1 kopierbar. Ich weiss, das geht nicht, aber stellen wir es uns einfach mal vor. Oder es gäbe Videos der Seminare, die man 1:1 kopieren könnte.”

            Ich glaube, sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen; genau darum geht’s mir, und ich denke darüber sollte man sich mehr Gedanken machen;
            Die Frage die ich mir grad stelle ist, wäre das in seinem (des Fotografen) so schlimm wenn seine Videos kopiert werden würden? Nein. Wäre sogar gut, viraales Margeding (um den Todesstern Stuttgart mal zu zitieren); denn die Sache ist, dass er die Videoseminare ja schon kostenlos online stellt. Er verdient Geld mit Merch und den realen Seminaren die er vor Ort macht.

            Ich glaube das Problem, und das ist auch das was mich grade nervt und bisweilen aggressiv macht ist, dass in Deutschland bei Themen die große Teile der Population in unterschiedlichem Maße betreffen, immer nach dem Gesetzgeber geschrien wird, und die Leute mit dem Gedanken “Ich zahl ja Steuern ich kann auch verlangen dass meine Probleme gelöst werden” an die Sache rangehen, anstatt sich selbst zu überlegen: was kann ich denn tun? Wie kann ich meine Situation verbessern? Was nützt mir das Internet?

            Worauf ich hinauswill: ich halte es für schädlich jetzt nach Gesetzten zu verlangen, wo man doch noch garnicht weiss, wo uns das ganze hinführt? Was wäre passiert, wenn die FIAA damals dem Fernsehen verboten hätte Filme zu zeigen oder zu produzieren? Wir würden heute noch ausschliesslich in Kinos sitzen, es gäb’ keine DVDs, Flachbildfernseher, etc.
            Der Gesetzgeber kann und sollte nur reaktiv handeln, und nicht von vorneherein Verbote erlassen;

            Bis heute habe ich keine Zahlen darüber, wie das Netz der Content-Schornsteinindustrie schadet; darüber schweigt sich jeder aus, weil es ja common-knowledge ist angeblich. Genauso wie es common-knowledge ist, dass die z.B. Musikindustrie seit anf. der 2000er Leute entlässt. Aber schaut man mal dahinter sieht man, dass die Musikindustrie Anf.-Mitte der 90er massivst gewachsen ist, wegen der CD Verkäufe; diese INdustrie konnte fast ihr ganzes Sortiment NOCHMAL verkaufen, diesmal als CDs; und jetzt, wo der Markt gesättigt/übersättigt ist wird gejammert und Schuldige gesucht…

            Ich sage nur, dass die Lage nicht so einfach ist und man genauer hinschauen muss; das bedeutet aber auch, dass es viel mehr Möglichkeiten gibt für kreative Menschen sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen, als uns die Lobby hier weismachen möchte.

               
             
             
  8. lab

    Wen wundert’s.
    Das ist die Aufgabe dieses Blogs: Stimmung machen gegen Google (lustig, dass so wenig zu Facebook kommt) und für eine (weitere) Verschärfung der Verlegerrechte.

    Der Versuch, aus Youtube einen Inhalte-Anbieter zu machen passt da n eine Linie mit der (vor Gericht gescheiterten) Strategie der GEMA.

     
     
    • Ball zurück gespielt:

      Die Wutnetzgemeinde ist momentan so sehr mit offenen Gegenbriefen, den nächsten Anti ACTA Demonstrationen usw. beschäftigt, dass für kritisches Fragen bzgl. Facebook sehr wenig Zeit ist.

      Aus meiner Sicht wäre das ein sehr dankbares Thema.
      Aber warum sollten sich kritische Piraten zu Facebook äußern, wenn das Netzwerk weltweit 900 Millionen Menschen mögen.
      Könnte ja auch einen gewaltigen Shitstorm geben.
      Alleine die neue Regelung zum Thema Datenschutz und Verwendung von Daten bei Facebook müsste zu starken Protesten führen. Macht es das? Mit Sicherheit nicht.

      Zuckerberg und Brin lachen sich vermutlich schlapp über das, was hier passiert, wenn es sie es überhaupt mitbekommen.
      Perfekte Lobbyarbeit Dank tatkräftiger Unterstützung so vieler Bürgerrechtler und Gruppen. Und diejenigen merken nicht einmal, welchen Karren sie hier eigentlich ziehen.

       
       
      • lab

        Hallo Herr Rieck,

        wenn Sie immer – völlig zu Recht – mehr Ruhe und Sachlichkeit fordern, sollten Sie sich aber auch selbst daran halten und nicht mit Begriffen wie “Wutnetzgemeinde” aufmachen… Aber sei es drum.

        1. Warum die “Netzgemeinde” nicht ausreichend facebook kritisiert erklärt/rechtfertigt sicher nicht, warum die Content-Industrie einerseits Google (News) für etwas kritisiert, andererseits das selbe (Nachrichten teilen) bei fb völlig ignoriert. Das ist kein Argument, sondern ein klassisches Ablenkungsmanöver.

        2. Stimmt die Behauptung, die “Netzgemeinde” interessiere sich nicht für die Datenschutzproblematiken auch nicht. Die Proteste gegen die neuen Datenschutzbestimmungen von facebook haben ja auch dazu geführt, dass fb sie eben nicht in aller Stille umsetzen konnte (was es am Ende bringt, bleibt allerdings abzuwarten). Außerdem entwickelt “die Netzgemeinde” mit dem sehr erfolgreich “Crowd-finanzierten” Projekt Diaspora (und anderen) aktiv eine Alternative zu fb. Dem Projekt wäre sicher mehr Erfolg zu wünschen, aber das liegt nicht in der Hand der “Netzgemeinde”.

        Sicher wäre es schön, wenn statt dem Kampf gegen den Aufbau einer Zensurinfrastruktur staatlicher Seite mehr Zeit bliebe, um sich den ebenfalls abzulehnenden privaten Zensoren zu widmen.

        Aber zurück zu meiner Frage (vielleicht kann ja Herr Keese hier klärend einsteigen):
        1. Würde das Verlinken auf Online-Zeitungsartikel via fb auch unter das gewünschte LSR fallen? Müsste fb dafür dann zahlen – oder die einzelnen Nutzer?
        2. Wenn fb zahlen soll – was wäre die Folge, wenn sie es nicht tun?
        3. Wenn die Nutzer zahlen sollen – wie sollte das organisiert werden und was wäre die Folge wenn sie es nicht tun?

         
         
        • Hallo Herr Laborenz,

          Ich denke, Sie haben Recht. Der Wutbürger hat es ja immerhin in die Liste bei der Wahl zum Wort des Jahres geschafft, daher ist es zumindest mir sehr geläufig und daher habe ich es auch in diesem Zusammenhang benutzt. Ich bedauere das. Netzgemeinde o.ä. wäre besser gewesen.

          Ein kurzer Streifzug durch die einschlägigen Seiten zeigt mir allerdings, dass das Thema Datenschutz und Verwendung von Daten in Bezug auf Google oder Facebook überhaupt keine Rolle spielt. Es wird weder thematisiert noch kann ich Aufrufe zu Demonstrationen gegen die Datenkraken (ich hoffe, der Begriff ist ok?!) sehen.
          Und das zeigt mir, und ich betone, dass ich kein Verschwörungstheoretiker bin, dass die Lobbyarbeit sehr gut funktioniert. Wer darauf aufmerksam macht, der ist kein Feind der Demokratie oder des Netzes, er ist beiden weit nützlicher als diejenigen, die sich vor Karren spannen lassen, bei denen sie nicht einmal wissen, wer auf dem Karren oben sitzt.

           
           
          • lab

            1. Respekt vor dem Bedauern. “Wutbürger” ist auch ein fieser Kampfbegriff um das politische Engagement der Bürger zu stigmatisieren (heisst es nicht “Un-Wort des Jahres”?).

            2. Wenn ich bei Goggle (!) “google datenkrake netzpolitik” eingebe, erhalte ich sehr schnell drei Treffer des Bolgs netzpolitik.org, das wohl am ehesten als Sprachrohr der deutschen “Netzgemeinde” gelten kann:
            1. http://netzpolitik.org/2012/phoenix-runde-facebook-co-netzwerk-oder-datenkrake/ -> Hinweis zu einer Diskussionsrunde bei Phoenix zum Thema
            2. http://netzpolitik.org/2012/google-will-user-komplett-uberwachen/ -> klarer Meinungsartikel gegen Google und der Datensammlungspolitik
            3. http://netzpolitik.org/2010/disconnect-extension/ -> Hinweis, wie man sich gegen die Datensammlung schützen kann. Der Autor verwendet explizit die Worte “die großen Datenkraken” gemünzt auf Google und Facebook.
            Facebook hat sogar 2011 den “Big Brother Award” verliehen bekommen – vom FoeBuD (u.a.mit CCC). Diaspora etc. habe ich ja schon genannt. Also, nichts ist das nicht…

            3. Lese ich immer noch nichts zu den Auswirkungen des LSR auf facebook…

               
             
             
  9. Welche Branchen wären das?
    Die Waffenbranche schonmal nicht (http://www.forbes.com/2009/07/29/aircraft-drone-market-business-oxford-analytica.html)
    Die Presse auch nicht:
    http://www.bbc.co.uk/news/world-us-canada-17994493

    wer sonst?

    Wie soll die Selbstregulierung bei YT genau aussehen? Bloß nix online stellen, das Sony oder Warner nicht gefällt?

    Was mich bei Ihren Ausarbeitungen ehrlich gesagt immer nervt, ist die einseitige Betrachtung des Webs: auf was ihr rant gegen YT-Ranking rausläuft ist, das das Web primär als Verkaufsplattform für Mangel-waren verstanden wird; Das Web ist aber auch Kommunikationsplattform, und nicht nur Geldverdien-plattform für die Industrie.

     
     
    • Da es meine Heimat ist:
      die Gamesbranche hat eine funktionierende Selbstregulierung.
      Zumindestens beim Thema Jugendschutz.
      Klappt sehr gut.

      Ein sehr schöner Satz:

      “Das Web ist aber auch Kommunikationsplattform, und nicht nur Geldverdien-plattform für die Industrie.”

      Entlarvend, die Geldverdienplattform ist u.a. Google (und auch eine Industrie, obwohl mich dieser Begriff immer an rauchende Schornsteine erinnert) und wenn das im Zusammenhang mit Werken Anderer passiert, kann ich keinen Grund sehen, diese nicht angemessen daran zu beteiligen.

      Darum geht es, it is money that matters.

       
       
      • Das bestreite ich nicht; ich verfolge schon seit ich Jugendlicher bin die Jugendschutz-Debatte bei Computerspielen, und es hat lange gebraucht, bis die Gesetze so ausgereift waren, wie sie es heute sind; das war aber nicht den Herstellern zu verdanken, sondern dem üblichen Reifungsprozess den die Legislatur durchlaufen muss;
        Was mich an Hr. Keeses “Argumentation” nervt, ist dass er jeder anderen Industrie a priori eine selbst-induzierte Katharsis zugesteht, die bisher überall durchlaufen wurde, außer bei der Internet-”Industrie”. Es wird so getan, als hätte jeder mit dem schlimmen Korsett der Legislatur zu kämpfen, außer Google und Fatzebuch…und das ist einfach nur PROPAGANDA von Mr. Keese.

        Google und Facebook werden sich in Zukunft noch viel häufiger mit dem Problem der Verwertung der Nutzerdaten auseinandersetzen müssen; das wird eines der nächsten großen Schritte für den Gesetzgeber sein…

        Zum zweiten Punkt, den weder Sie noch Mr. Keese wirklich verstehen – obwohl ichs hier schon mehrmals versucht hab klar zu machen:
        Das Netz ist Kommunikationsplattform, und lebt vom freien Austausch von Information; und auch vom freien Kopieren. Google et al. stellen die nötige Infrastruktur bereit, verlangen aber für die Kommunikation an sich kein Geld, also für die Dienstleistung. Anders als alle anderen “klassischen” Medienvermarkter. Sie verlangen für die Dienstleistung (Musik, Games) direkt KOhle, und das System funktioniert, so lang ein Mangel an der Dienstleistung besteht (i.e. begrenzte Stückzahl an CDs, Zeitungen blabla); Google verdient an anderer Stelle Geld. Ob das nun gut oder schlecht ist, sei dahin gestellt, aber es ist auch richtig, dass die Leute die jetzt das Maul aufreißen und über Google jammern, jahrelang gut mitverdient haben, als Google für sie kostenlos das Internet indiziert hat; das ist nämlich auch eine Dienstleistung von Google gegenüber der Schornstein-Industrie.
        Das ließ sich ja sehr schön an der New-York Times feststellen, als sie ihre Paywall gestartet haben; auf der einen Seite wollten sie für jeden Webseiten-besuch Geld haben, auf der anderen Seite bedeutete dies aber auch, dass diese Seiten bei Google nichtmehr auffindbar waren…

        Mich nervt an Mr. Keese’s Gebrabbel hier oft das Konstruktive. Als Lobbyist muss er das wohl machen, aber ehrlich gesagt muss er sich von mir auch Kritik gefallen lassen, wenn er, basierend einer mehr als laienhaften “Recherche” bei Youtube, gleich die großen Säbel auspacken will…

         
         
    • Christoph Keese

      Es gibt fast keine Branche, ohne Selbstregulierung. Schon die Tatsache, dass Sie das in Frage stellen, beweist lebhaft, dass man Wissen nicht durch Googlen ersetzen kann. Natürlich hat die deutsche Presse eine Selbstregulierung, nämlich den Presserat: http://www.presserat.info Die Werbewirtschaft reguliert sich durch den Deutschen Werberat: http://www.werberat.de Die Europäische Internetwirtschaft reguliert sich durch die IAB: http://www.iabeurope.eu/

       
       
      • das bestreite ich auch nicht; ich mahne lediglich an zu erinnern, dass diese Kontrollmechanismen vom Gesetzgeber geschaffen wurden, und nicht von selbst aus Einsicht entstanden sind.

        Nur, die Frage ist, wie soll so eine Kontrolle bei Google aussehen? Wenn es um den Kauf und das Sammeln von Nutzerdaten geht, bin ich ganz der Meinung dass da schon längst etwas hätte passieren müssen; und anstatt mit ACTA rumzuhampeln hätten die Gesetzgeber weltweit mal Eier zeigen sollen und die Nutzer-verwertungsindustrie beschränken sollen…
        Das was Sie jedoch vorschlagen, sofern ich das recht verstehe, ist die Suchmaschine Google, YT, Bing!, direkt zu kontrollieren, und “neutrale” Webdurchsuchung zu verlangen; das geht aber nicht! Nicht weil google böse und verschlagen ist, sondern weil das Internet durch die Suche selbst definiert ist.

         
         
  10. Christoph Keese

    @ Durden Viele Branchen geben sich intelligente Selbstregulierungen und lösen dabei noch viel komplexere Probleme. Auch Suchmaschinen könnten das, wenn sie nur wollten.

     
     
  11. @Mario Rehse:

    Ich glaube ehrlich gesagt, dass neben den eigentlichen clicks, auch das Rating der User mit in die Bewertung eingeht, aber hier wird es vielleicht noch problematischer.

    Das Was Ist ACTA-Video hatte ein überwiegend psoitives ratiing +9%% aller Nutzer positiv, was ist ACTA nicht, hatte geteilte Meinungen: 50% positive, 50% negative Wertungen.

    Man kann also mit einer negativen Wertung die Visibilität des Videos unterdrücken. Das ist, was Meinungsfreiheit angeht ein “interessanter” (um nicht zu sagen höchstproblematischer) Wirkungsmechanismus, der genau da “Filter Bubble Phänomen nicht nur stützt, sondern stärkt.

    @ LAb: Sie schrieben als Begründung, warum der Algorithmus von YT nicht geeignet ist:

    “Vielleicht, weil Youtube eine Suchmaschinen und kein “politically correctness”-Kanal ist.”

    Das ist kurzsichtig, weil es schon seit geraumer Zeit auch als Informationskanal genutzt wird. Eine in deutschland beheimatetes rundfunkmeidum kann sich auch nicht der Medienregulierung entziehen, mit der Begründung, dass es “kein political correctness-Kanal” sei.

    Ab einer gewissen Relevanz ist eigentlich eine entsprechende Einordnung notwendig. Es wird hier lediglich offensichtlich, dass hier kein Gesetz quasi-monopolistische Internetstrukturen reguliert, während unsere traditionellen Medien von vorne bis hinten durchreguliert sind.

    SH

     
     
    • lab

      @SH Nun ist aber Youtube kein Rundfunkmedium, sondern eine Suchmaschine (was durch das allerjüngste Urteil im Streit mit der GEMA bestätigt wurde). Youtube bietet mWn. grundsätzlich keine eigenen Inhalte an, sondern sortiert von Dritten hochgeladene.
      Und bitte verraten Sie mir doch einmal, wie Sie es sich vorstellen, die faire (= politisch ausgewogene) Darstellung von Suchergebnissen zu erreichen. Ein Kontrollgremium, dass die Suchanfragen vor der Auslieferung an den User sichtet, können Sie ja wohl nicht meinen…
      Ich bin gespannt.

       
       
    • Christoph Keese

      Stefan Herwigs Hinweis auf die Regulierungsunterschiede zwischen Internet-Monopolisten und traditionellen Medien ist absolut richtig. Ebenso sein Hinweis auf die Unterdrückung von YouTube-Videos durch negatives Rating. Beides in Kombination zeigt die Gefahren der Strukturen, die sich entwickelt haben.

       
       
      • lab

        Es ist weder richtig noch wäre es – wenn es richtig wäre – praktisch umsetzbar. Auch wenn Youtube – wie alle Suchmaschinen – zur Informationsbeschaffung genutzt wird, kann (und soll) eine Suchmaschine den Suchenden nicht das Denken abnehmen. Im konkreten Fall ist das Anti-Acta-Video auffindbar – wenn man denn die richtige Suchphrase verwendet sogar an erster Stelle.
        Im übrigen gibt es gerade bei den “traditionellen Medien” keinen Zwang zur Ausgewogenheit – was durch den Arbeitgeber Herrn Keeses zur Genüge belegt wird. Was aber auch keine Rolle spielt, da die Situation eben nicht vergleichbar ist. Ebenso gut könnte man fordern, dass in einer Bibliothek zu jeden Buch auch ein Zettel angebracht wird, wo man in der Bibliothek Bücher zum selben Thema mit anderer Aussage findet. Das wäre sogar zumindest noch praktisch umsetzbar…

         
         
  12. Timo Lück

    Jeder laienhaften Erklärungsversuche wie Google/Youtube seine Ergebnisse sortiert läuft ins Leere. Wir wissen einfach nicht wie sie es machen, und deren Algorithmus ist in etwa so gehütet wie das Rezept für Coca Cola.

    Aber eines ist klar: Das Ergebnis-Ranking ist eine hochkomplexe Angelegenheit, hinter der weit mehr steckt als nur das Zählen von Hits pro Video. Im Grunde wäre dies auch ein denkbar unbrauchbares Maß, weil es sich mit minimalem Aufwand beliebig manipulieren und in die Höhe treiben ließe.

    Ohne mich selbst Spekulationen hinzugeben, kann ich mir aber durchaus vorstellen, dass ein Video mit lediglich 24 Hits relevanter sein könnte als eines mit 80000+. Beispielsweise dann, wenn die viele der Zugriffe innerhalb eines sehr kurzen Zeitraums erfolgt sind, womöglich aus nur wenigen IP-Teilbereichen.

     
     
    • Christoph Keese

      @ Timo Lück: Mich beeindruckt, wie viel Fantasie in den Versuch gesteckt wird, logische Gründe für krasse Rankingfehler wie diesen zu finden und das Phänomen zu rationalisieren. Es ist viel naheliegender, Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit beim Algorithmus zu vermuten. Der ist einfach schlecht konstruiert, ob nun absichtlich oder unabsichtlich.

       
       
      • Ohne Klugscheissen zu wollen, aber ein wirklich nachvollziehbarer Test, ob der Algorithmus “fehlerhaft” ist, wäre ein Video hochzuladen das “ACTA- die Wahrheit” oder so heisst. Dann schauen wir mal was passiert;
        Aber nur auf der Grundlage einer 5-Minuten “Recherche” auf Youtube Fehler und Verschwörungen heruafzubeschwören ist BS.
        Ach ja, falls sie noch mehr Fakten brauchen: die gibts von Dr. Stoll:
        http://www.youtube.com/watch?v=NYiZR6-_37I

         
         
      • Timo Lück

        @Christoph Keese:
        Wo sehen Sie ein Übermaß an Fantasie in meinem Post? Im Gernsatz zu Ihnen stelle ich keine wilden Theorien auf, weshalb Google nicht die Ergebnisse liefert, die Sie erwarten.

        Meine Aussage war, dass niemand den zugrundeliegenden Algorithmus kennt. Damit erübrigen sich Spekulationen, ob er nun fehlerhaft ist oder nicht.

        Ihre Agumentation war ja, dass ein Mehr an Hits automatish zu einem besseren Ranking führen muss. Andernfalls sei der Algorithmus fehlerhaft. Dieser Schluss ist, mit Verlaub, bestenfalls naiv, im Grunde aber unzulässig (s.o).

        Ich habe Ihnen ein Szenario (von vielen) geschildert, das ein niedriges Ranking für ein viel geklicktes Video rechtfertigen würde.

         
         
  13. Durden

    Man wünscht sich, Suchmaschinen und Videoplattformen würden sich ähnlich rigiden ethischen Regeln von Fairness und Ausgewogenheit unterwerfen wie die Presse.

    Wie bitte schön hat das dann am Ende auszusehen? Soll Google entsprechendes Personal einstellen, dass die diversen Propaganda-Videos nach Meinung und Gegenmeinung sortiert? (denn ein Algorithmus wird das wohl kaum erledigen können)

    Und überhaupt, ab wann wäre der Zustand der “Fairness und Ausgewogenheit” erreicht? Legt neuerdings der Bewertete seinen Platz im Ranking fest? Wenn das so ist, will ich in Zukunft mit meiner Pommesbude an Platz 1 der Michelin-Liste aufgeführt werden. Schließlich haben die das Monopol bei Restaurant-Führern, und presseähnlich sind sie obendrein. Warum sie also nicht zu “Fairness und Ausgewogenheit” zwingen? Und was “Fairness und Ausgewogenheit” sind, lege im Zweifel ich selbst fest.

    Schön wär’s, nicht wahr?

     
     
  14. Jan Dark

    Ist ja süß: die Pressecommunity entdeckt die Suchmaschinen und hat gleich Verschwörungstheorien bereit. Eine echte Begabung, da wird sich die enteigneten Brökers und von Bülow und in Acht nehmen müssen bei solch harter Konkurrenz :-)

    BTW: Der Presserat ist ein zahnloser Tiger. Die nehmen nicht mal anonyme Beschwerden (als wenn eine Postanschrift eine Sache verändern würde). Ich bin dazu übergegangen, die zu ignorieren und wende mich lieber an die Staatsanwaltschaft. Die brauchen keine Postadresse. Die kümmern sich auch so um die Sache. Ohne Blendwerk und dinnloses Ethos-Tamtam.

    Für die Suchamschinenneulinge: Ohen Tüddelchen gilt die amerikanische Grundregel: Your milage may vary. Aber dem trutzt der taffe Germane. Viel Spass noch bei “Jugend forscht” im Internet.

     
     
  15. Per Müller

    Lautet ihr Vorwurf wirklich, dass bei Google jemand manuell in den Algorithmus eingreift, um Videos bei YouTube weiter oben zu platzieren, die die Ziele des Unternehmens unterstützen? Dann sagen Sie es klar, genau das suggerieren sie nämlich mit diesem unfassbar schlechten Post. Und bitte nicht wieder, “ich weiß es nicht, aber..”. Das ist eine ganz billige Strategie: erst etwas andeuten, dann aber nicht dazu stehen.

    Es ist übrigens entlarvend, dass sie sich als Rächer der Urheber aufspielen, wenn man bedenkt, was in Ihrem Verlag trotz Rekordgewinnen passiert:

    http://meedia.de/print/weiter-zoff-um-computer-bild-auslagerung/2012/03/27.html

    Oder das hier:

    http://www.freischreiber.de/home/springer-170-euro-pro-zeile-%C3%A4h-%E2%80%A6-anteilsschein

    Es geht Ihnen nur um die Verwerter. Sie werden den Fortschritt zum Glück nicht aufhalten:

    http://www.popkulturjunkie.de/wp/?p=4791

    Ihr Lobbyismus wird das nicht aufhalten:

    http://www.lobbycontrol.de/blog/index.php/2012/03/lobbyisten-erfolgreich-leistungsschutzrecht-soll-kommen/

    By the way: dass eine Zeitung aus ihrem Hause im Jahr 2012 von Vaterlandsverrat spricht, lässt es mir kalt den Rücken herunterlaufen.

     
     
  16. Also, Herr Keese: ich habe während des Verzehrs meines koffeinhaltigen Heißgetränks den Selbstversuch gemacht, und die gleiche Suchanfrage (“acta”) gestartet, wie sie.
    Dabei fällt auf, dass das eplainity-Video einen Platz in der Liste nach vorne gehüpft ist, und mit Acta-der Film die Plätze getauscht hat. Das explainity-Video hat innerhalb der letzten Stunden mehr Hits bekommen, als Acta-der Film.
    Also, Lehre #1: Youtube bewertet nicht nur die absoluten Hit-Zahlen, sondern berechnet auch den Verlauf und die Veränderung der Video-Besuche über die Zeit (wie die Differenzialgleichung genau aussieht, und welche Zeiträume wie bewertet werden, ist natürlich nicht bekannt)

    #2: wenn Sie sich die Mühe gemacht hätten und auf den kleinen Statistik-Knopf unter jedem Video gedrückt hätten, würden Sie erkennen, dass Bewertungen und Einbettung in andere Internetseiten ebenfalls von YT geloggt werden.

    Also, ganz so einfach wie Sie hier tun ist es nun nicht; die Tatsache, dass ACTA-feindliche Videos häufiger erzeugt und angeklickt werden lässt sich wohl mit Gruppendynamik besser erklären als mit einer Verschwörungstheorie.

    So…und wo is jetz mein Kaffee hin?!?

     
     
    • Christoph Keese

      Ihr Vertrauen in Google und YouTube scheint grenzenlos. Unterschiedliche Bewertungen gleichen also den Unterschied von 24 zu 88.249 Aufrufen aus? Falls das so wäre, könnte man das Beispiel gut als Beleg für die Filter Bubble anführen: Man bekommt nur noch Meinungen geliefert, die man ohnehin schon teilt. Aber vielleicht haben Sie ja Recht und das ist wirklich der Grund. Beruhigend ist das nicht, denn der Effekt ist der Gleiche: Tausende von Leuten gehen – desinformiert durch das Acta-Video – gegen einen Vertrag demonstrieren, der gar nicht so ist, wie sie glauben, was sie aber nicht wissen, weil ihr Leitmedium Internet abweichende, in diesem Fall korrektere Darstellungen vor ihnen verbirgt. Diesem Mechanismus möchte man eine Demokratie nicht ausgeliefert sehen. Wenn Sie die Content-Mafia erfolgreich abgeschafft haben, wird sie Ihnen fehlen.

      Ich hoffe, Ihr Kaffee hat sich wieder eingefunden.

       
       
      • Der Kaffee bleibt leider immer noch verschwunden…aber glücklicherweise gabs heute früh wieder Nachschub.

        Kurze Antworten:
        1. Ich habe hier scheinbar noch nicht häufig genug klar gemacht, dass ich keinesfalls “grenzenloses” Vertrauen in Google & YT habe, deshalb hier noch einmal: ich sehe die Datenverknüpfung und Nutzerdatensammelei sehr kritisch und versuche sie soweit es geht zu umgehen; Problem: das ist hier nicht das Thema. Sie veranstalten eine Hexenjagd indem sie mal eben schnell das Wort “systematisch” in ihre Überschrift packen. Alles was sie für ihre Argumentation verwendet haben ist sind die absoluten Hits gewesen.
        Ich widerspreche dem, und sage ihnen, dass sie es sich zu einfach machen.
        Es gibt auch noch die Nutzerbewertungen, und die Daten die YT bekommt, wenn die Videos in andere Webseiten eingebettet werden.
        Ich sage nicht, dass da irgendwelche Zahlen “ausgeglichen” werden, da ich den Algorithmus nicht kenne.
        lab hat vorhin eine schlaue Bemerkung gemacht, und meinte, dass das Wort “nicht” in der Videobeschreibung ja auch einen Effekt auf die Bewertung haben kann.

        Zweitens: Sie machen es sich schon sehr einfach, wenn sie meinen, dass die jungen Social Media Zombies den ganzen Tag nur YT schauen und nichts anderes mehr tun. Darüber hinaus werfen sie Google Bevorzugung von gewissen Herstellern vor. Hallo?! WTF? Dann schreibe ich dem Herrn Gaede demnächst einen Brief und rege mich darüber auf, dass in der GEO zuwenig Autowerbung ist…kriegen sie sich bitte wieder ein. Jedem, der auch nur ein bisschen seinen Kortex gebraucht wird klar, dass Google und Twitter und all die anderen keine (!) neutralen Plattformen für Meinungsäußerungen sind. Die wollen auch nur Geld verdienen. Und das Web 2.0 ist so neu, dass sich noch keine wirkliche Gewaltenteilung hat einstellen können;
        Aber die User kollektiv als dumme Datenzombies abzuwatschen ist einfach nur….

        Aber bleiben wir beim Thema: Sie unterstellen YT verschwörerische Machenschaften aufgrund einer unzureichenden Analyse.

         
         
  17. Herr Keese, bei einer Suche nach “Was ist ACTA” auf YouTube wird das von Ihnen zitierte Video auf Platz 8 gelistet. Zumindest in meinem Browser, meinem Rechner und als eingeloggter Nutzer.
    Bin ich nicht eingeloggt, erscheint das Video sogar auf Platz 7.

    Das Fazit könnte lauten: Die Suchfunktion von YouTube ist scheiße.

    Aber wissen Sie, was noch viel schlimmer ist: Das Video “U2 – Love Is Blindness (Edge’s Solo Performance)” lässt sich nicht ansehen, wenn ihr Browser sie als deutschen Nutzer identifiziert. DAS ist unfair und diskriminierend! DA muss man was tun!

     
     
  18. lab

    Man kann natürlich viel mutmaßen. Z.B. auch, dass ein Algorithmus ein Video mit dem Titel “Was ist xy NICHT” nicht unbedingt als besonders relevant markiert, wenn jemand nach “Was ist xy?” sucht…
    Die menschliche Intelligenz, die aus dem Titel “Was ist xy nicht” erkennt, dass der Autor sehr wohl erklären will, was xy ist, fehlt eben dem Algorithmus (noch).
    Im übrigen: wenn ich auf einem frischen Browser “was ist acta” suche, bekomme ich
    1. als Suchvorschlag nummer 3: “was ist acta nicht” (nach “was ist acta” und “was ist acta deutsch”) – “fairer” geht’s wohl nimmer…
    2. erscheint das “was ist acta nicht”-Video an siebenter Stelle
    Alle anderen Videos vorher haben exakt den Suchbegriff im Titel – das kann vermutlich nur ein Herr Keese als unfaire Bevorzugung verstehen.

    Je nachdem, welches Acta-Video man anklickt erscheint, wird das Pro-Acta-Video als Empfehlung angezeigt, z.T. an erster Stelle (das paste wohl nicht in die Verschwörungstheorie, daher feht die Information im Artikel einfach).

    Gibt man nur “acta” als Suchbegriff ein, taucht zwar das “Was ist ACTA nicht”-Video spät aus, aber an siebenter Stelle ist das Pro-Acta-Video “ACTA einfach erklärt” zu finden – übrigens mit weniger Views als die nachfolgenden Anti-ACTA-Beiträge. Alle vorn gerankten Anti-Acta-Beiträge haben mindestens zehnmal so viele Zugriffe. Also auch hier wieder keine Spur von Manipulation zu entdecken…

     
     
  19. @Stefan Niggemeyer,

    Ihr Einwurf geht leider am eigentlichen Punkt vorbei. Warum ist der Suchalgorhythmus so gestrickt, wie er gestrickt ist, und warum funktioniert er so schlecht, wenn es um Meinungsbildung geht?

    Wenn youTube nur ein reiner Unterhaltungskanal wäre, so wäre das mit der Fehlstellung des Algorithmus irrelevant, YT wird aber zunehmend auch als Infomationskanal benutzt, wie man gut am Beispiel ACTA sehen kann.

    Insofern kann ich der Argumentation gut folgen, und bedanke mich sehr für die recherche.

    @Mario Rehse: ich habe die beiden Videos auch eine gewisse Zeit im Blick behalten, aber habe das “Was ISt ACTA Nicht?”-Video nie als Tip von YT empfohlen bekommen.

    SH

     
     
    • Mario Rehse

      @Stefan Herwig: ich bekam die Empfehlung Anfang März genau wie heute.

      Zum Algorithmus eine Anmerkung bzw. Idee: Wenn der Algorithmus tatsächlich so monokausal funktionieren würde, wie Chrisoph Keese suggeriert (viele Klicks = gutes Ranking), wäre der Erfolg von Google sicher schnell reproduzierbar. Ich (!) würde jedenfalls die allgemeine Beliebtheit auch daran messen, wie lange und wie komplett ein Video angeschaut wurde. Da kann ich mir bei dem “Was ist ACTA nicht?”-Video aufgrund der Länge gut vorstellen, dass viele Nutzer es leider (!) abbrechen und kürzere / kurzweiligere Videos daher auch besser gerankt werden. Wenn ein sehr hoher Prozentsatz Videos zwar anklickt, aber vorzeitig abbricht, würde ich (!) das als schlecht bewerten und im Ranking berücksichtigen.

      Gruß, MR

       
       
    • lab

      @SH “Warum ist der Suchalgorhythmus so [... ] schlecht, wenn es um Meinungsbildung geht?”

      Vielleicht, weil Youtube eine Suchmaschinen und kein “politically correctness”-Kanal ist. Es mag bei einer politischen Diskussion im Fernsehen erforderlich sein, zwei konträren Meinungen gleich viel der (begrenzten) Zeit zuzumessen.
      Bei einer Suchmaschine ist es jedoch nicht sinnvoll anzunehmen, dass bei einer Suche zu Meinungsthemen alle vorhandenen Positionen gleich repräsentiert angezeigt werden sollen. DAS wäre eine Verstoß gegen die Neutralität eines Suchmaschinenbetreibers.

       
       
  20. “ähnlich rigiden ethischen Regeln von Fairness und Ausgewogenheit unterwerfen wie die Presse”. Bitte sagen Sie mir, dass der frühere Journalist in Ihnen wenigstens ein bisschen kichern musste, als Sie das geschrieben haben.

     
     
    • Christoph Keese

      Journalist ist man im Herzen ja sein Leben lang.
      Einen Kodex wie jenen des Presserates haben wir Journalisten immerhin. Er mag nicht immer eingehalten werden, aber es gibt ihn und er wird breit respektiert sowie systematisch von Gremien der Selbstregulierung überwacht. Die Suchmaschinenbranche hat nichts dergleichen, Und das, obwohl sie in einem Monopol erstarrt ist.

       
       
      • Und die von Ihnen begrüßte Kampagne des “Handelsblattes” zum Thema, die wäre für Sie ein Beispiel für “Fairness” und “Ausgewogenheit”?

        (Der Presserat überwacht die Einhaltung des Pressekodex übrigens natürlich keinesfalls “systematisch”, aber das führt vielleicht doch zu weit vom Thema weg.)

         
         
        • Ich grüble gerade, was ein Vergleich einer Videostreamingplattform mit einer Zeitung bringt. Ein Medium, das eine Redaktion hat mit einem Dienst, der sich weitestgehend durch Beiträge seiner Nutzer speist, zu vergleichen, das erschließt sich mir nicht.

           
           
  21. Eine sehr interessante Darstellung.
    Google/Youtube wird mit Sicherheit auf seinen ausgewogenen Algoritymus verweisen.
    Genau, der gleiche, der auch Google Shopping Partner bevorzugt…

    Etwas anderes fällt mir auch noch auf.
    Das Video von Christian Solmecke von der Kanzlei Wilde, Beuge, Solmecke. Es erscheint auf Platz 8.
    Herr Solmecke hat etliche Videos seiner Kanzlei in seinem Kanal. Im Grunde sind die Videos alle sehr ähnlich. Er steht vor einer Bücherwand und erklärt abgemahnten User, dass Sie in keinem Fall irgendetwas unüberlegtes machen sollen und in jedem Fall einen juristischen Rat einholen sollen, am besten natürlich seinen. Auch er hat einen Kommentar zu ACTA, der aber relativ belanglos ist.
    Es geht wohl mehr um Empfänger einer Abmahnung und daher musste wohl auch zu ACTA etwas machen. Die Schnittmenge halt.

    Jetzt wird es aber spannend. Der ertappte Kunde ruft also verzweifelt dort an. Die Lösung ist ein Brief an den gegnerischen Anwalt. Hält man zwei solcher Briefe mal nebeneinander, dann sehen die sich sehr sehr ähnlich. Wer also den abmahnenden Anwälten Briefe mit Textbausteinen vorwirft, der sollte sich einmal diese Schreiben ansehen.
    Dass so ein Schreiben Geld kostet, versteht sich von selbst. Es wird in den meisten Fällen auch nicht davor schützen der abmahnenden Partei auch noch Geld zu zahlen.
    Es ist ein Geschäft, das muss so gut sein, dass man davon sehr teurer Google Ads bezahlen kann, denn gewissen Kanzleien tauchen bei bestimmten Keywords immer auf.
    Hier schließt sich der Kreis, denn Google verdient ja wieder mit.

     
     
  22. Christoph Keese

    Danke für den Hinweis. Ob in den Algorithmus eingegreifen wird, weiß ich nicht. Wenn nicht, dann funktioniert er schlecht.

     
     
  23. MR

    Hallo Herr Keese,

    der Vollständigkeit halber sollte erwähnt werden, dass das “Was ist ACTA nicht?”-Video in der rechten Spalte empfohlen wird, wenn man sich das “Was ist ACTA”-Video anschaut. So bin ich bereits auf dieses (gut gemachte) Video hingewiesen worden, als es noch rund 20.000 Klicks (Erinnerung) hatte. Da viele über einen Link und nicht die Suche auf das Video kommen, sind die kontextbezogenen Empfehlungen mE wichtiger als die Suchergebnisse nach manueller Suche.

    Dass jemand manuell in das Ranking eingreift, bezweifle ich.

    Gruß, Mario Rehse

     
     

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