Könnte Google sich wirklich nicht leisten, für Leistungen zu bezahlen?



In der Debatte um das Leistungschutzrecht für Presseverlage weckt Google die Befürchtung, ein solches Recht würde Google News aus Deutschland vertreiben und den Dienst zum Schließen seiner Pforten zwingen. Per Brief schürte IGEL, die von Google finanzierte Initiative gegen ein Leistungsschutzrecht, bei kleineren Verlage die Furcht, sie könnten aus Google News gestrichen werden, wenn sie vom Leistungsschutzrecht nicht ablassen. Doch kann das stimmen? Wie viel Geld verdient Google in Deutschland? Hier auf Basis der wenigen öffentlichen Daten eine grobe Schätzung:

Vor der Schätzung noch einige Vorbemerkungen:

  1. Es ist absolut legitim, dass Google keine Geschäftszahlen für Deutschland veröffentlicht. Axel Springer nennt auch nicht alle Zahlen öffentlich. Trotzdem darf man als Außenstehender ja mal raten. Educated Guessing – mehr nicht. Kein Anspruch auf absolute Wahrheiten.
  2. Alle nachfolgenden Schätzungen sind automatisch ungenau.
  3. Zu diesem Thema gab es kürzlich einen Dialog bei Twitter zwischen Google-Sprecher Kay Oberbeck und mir. Ich greife die darin genannten Zahlen hier auf. Dies ist sozusagen die Fortsetzung unseres Dialogs.

Schätzung des Umsatzes für Deutschland

Google meldete für das Geschäftsjahr 2011 einen Weltumsatz von 37,905 Milliarden US-Dollar. Das sind nach heutigem Kurs 30,377 Milliarden Euro. Der Umsatz für Deutschland wird nicht ausgewiesen. Dies wäre erst dann zwingend, wenn der hiesige Umsatz mehr als zehn Prozent des Weltumsatzes betragen würde. Folglich lag der Umsatz in Deutschland im Jahr 2011 unter drei Milliarden Euro.

Um wie viel lag er unter drei Milliarden Euro? Hier ist man auf Schätzungen angewiesen. Der Google-Geschäftsbericht 2011 enthält nur grobe Angaben über die regionale Verteilung:

Danach stammen also 46 Prozent aus den USA, 11 Prozent aus Großbritannien und 43 Prozent aus dem Rest der Welt. Deutschland ist als Markt größer als Großbritannien. Diese Zahlen legen nahe, dass die Umsätze hierzulande nicht weit unter der 10-Prozent-Meldeschwelle liegen. Ziemlich wahrscheinlich ist, dass Deutschland aufgrund seiner Größe und des Google-Suchmaschinen-Marktanteils von über 90 Prozent einen beträchtlichen Anteil der 43 Prozent des Rests der Welt ausmacht.

Schätzen wir konservativ einmal einen deutschen Anteil von acht Prozent des Weltumsatzes. Das dürfte die untere Seite eines vernünftigen Schätz-Korridors sein. Bei acht Prozent wäre der britische Markt für Google schon um ein Drittel größer als der deutsche – beinahe schon eine gewagt konservative Annahme. Und bei acht Prozent würde Deutschland nur knapp ein Fünftel des Rests der Welt ausmachen – ebenfalls sehr konservativ.

Wenn wir diese vorsichtigen acht Prozent einmal als Hypothese gelten lassen, ergibt sich ein Umsatz in Deutschland für 2011 in Höhe von 2,43 Milliarden Euro. Das ist etwa die Mitte der vermuteten Spanne von 2 bis 3 Milliarden Euro, die ich bei Twitter genannt hatte.

Schätzung der direkten Kosten für Deutschland

Laut Kay Oberbeck beschäftigt Google in Deutschland 600 festangestellte Mitarbeiter:

Als Durchschnittskosten pro Mitarbeiter inklusive der Sozialabgaben kann man großzügig mit etwa 100.000 Euro rechnen. Die Google-Leute müssten schon extrem gut bezahlt sein, wenn der Durchschnittswert vom Pförtner bis zum Chef darüber läge.

Daraus folgt, dass die direkten Personalkosten in Deutschland vermutlich rund 60 Millionen Euro betragen.

Hinzu rechnen muss man die Sachkosten. Mieten, Telefon und Reisekosten dürften nicht allzu hoch ausfallen. Ein riesiger Block entfällt aber auf die Kosten für Umsatzgewinnung und Technik. Dieser Kostenblock ist im Google-Geschäftsbericht für die Weltzahlen folgendermaßen definiert:

Costs and Expenses

Cost of revenues consists primarily of traffic acquisition costs. Traffic acquisition costs consist of amounts ultimately paid to our Google Network Members under AdSense arrangements and to certain other partners (our distribution partners) who distribute our toolbar and other products (collectively referred to as access points) or otherwise direct search queries to our website (collectively referred to as distribution arrangements). These amounts are primarily based on the revenue share and fixed fee arrangements with our Google Network Members and distribution partners.

Certain distribution arrangements require us to pay our partners based on a fee per access point delivered and not exclusively – or at all – based on revenue share. These fees are non-refundable. Further, these arrangements are terminable at will, although under the terms of certain contracts we or our distribution partners may be subject to penalties in the event of early termination. We recognize fees under these arrangements over the estimated useful lives of the access points (approximately two years) to the extent we can reasonably estimate those lives and they are longer than one year, or based on any contractual revenue share, if greater. Otherwise, the fees are charged to expense as incurred. The estimated useful life of the access points is based on the historical average period of time they generate traffic and revenues.

Cost of revenues also includes the expenses associated with the operation of our data centers, including depreciation, labor, energy, and bandwidth costs, credit card and other transaction fees related to processing customer transactions including Google Checkout transactions, amortization of acquired intangible assets, as well as content acquisition costs. We have entered into arrangements with certain content providers under which we distribute or license their video and other content. In a number of these arrangements, we display ads on the pages of our websites from which the content is viewed and share most of the fees these ads generate with the content providers. To the extent we are obligated to make guaranteed minimum revenue share payments to our content providers, we recognize as content acquisition costs the contractual revenue share amount or on a straight-line basis, whichever is greater, over the terms of the agreements.

Dieser Kostenblock machte 2011 genau 34,8 Prozent des Umsatzes aus.

Wendet man diesen Prozentsatz auf den deutschen Umsatz an, ergeben sich 845,64 Millionen Euro. Zählt man die 60 Millionen Euro Personalkosten hinzu, erhalten wir Kosten von 905,64 Millionen Euro.

Schätzung des Gewinns

Zieht man die direkten Kosten für Deutschland vom deutschen Umsatz ab, ergibt sich ein Rohgewinn von 1,52 Milliarden Euro. Das sind 62 Prozent des Umsatzes.

Natürlich handelt es sich dabei nicht um den Netto-Gewinn, den Google in Deutschland einstreicht. Viele Kosten sind in dieser Summe noch nicht berücksichtigt, zum Beispiel Forschung- und Entwicklung oder die anteiligen Kosten an der Hauptverwaltung in Kalifornien.

Dennoch darf man diesen Betrag von rund 1,5 Milliarden vielleicht als Rohertrag für Deutschland bezeichnen. Es ist der Deckungsbeitrag, der entfallen würde, wenn Google in Deutschland nicht aktiv wäre.

Klar ist aber auch, dass man diesen Rohertrag nicht einfach als Gewinn verstehen kann. Denn ohne Forschung- und Entwicklung oder zentrales Management könnte Google Deutschland ja kein Geschäft machen.

Schauen wir uns deswegen die Welt-Gewinnmarge des Gesamtkonzerns an. Das Net Income betrug 2011 26 Prozent des Umsatzes. Wenden wir diese Net Income-Marge näherungsweise auf den geschätzten Umsatz für Deutschland (2,43 Milliarden) an, erhalten wir ein Ergebnis 631,8 Millionen Euro. Dies ist das unterste Ende des Schätzkorridors. Läge der Reingewinn in Deutschland niedriger, hieße das, dass Google Deutschland unter der Welt-Gesamtmarge läge. Davon ist aufgrund der starken Marktstellung nicht auszugehen.

Fazit

Zusammenfassend kann man also sagen, dass Google bei einem konservativ geschätzten Deutschland-Umsatz von 2,43 Milliarden Euro hierzulande einen Rohgewinn von 1,52 Milliarden und ein Net Income von 631 Millionen Euro erzielt. Mit diesen Mitteln sollte es möglich sein, Urheber und Verlagen einen Obolus für die Nutzung ihrer Leistungen zu zahlen, ohne den Dienst Google News einstellen zu müssen.

Schlussbemerkung

Grobe Schätzungen wie die hier angestellten sind ungenau und fehleranfällig. Wahrscheinlich habe ich etwas übersehen oder vergessen. Anmerkungen und Fehlerkorrekturen sich sehr willkommen. Ich ändere die im Text genannten Zahlen sofort, wenn jemand fundierte Einwände erhebt.



 

42 Kommentare

 
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    [...] etwas mehr als zwei Jahren vollführte Springer Vize Christoph Keese, unter dem Motto „Könnte Google sich wirklich nicht leisten, für Leistungen zu bezahlen?“, ein Rechenspiel. Da sich die Zahlen aktualisiert haben und andere Parameter nun bekannt sind, ist [...]

    blognetnews » Könnte Google sich das Leistungsschutzrecht leisten?

    10. November 2014

     
  9. (Pingback)

    [...] etwas mehr als zwei Jahren vollführte Springer Vize Christoph Keese, unter dem Motto „Könnte Google sich wirklich nicht leisten, für Leistungen zu bezahlen?“, ein Rechenspiel. Da sich die Zahlen aktualisiert haben und andere Parameter nun bekannt sind, ist [...]

    Könnte Google sich das Leistungsschutzrecht leisten? | der presseschauer

    10. November 2014

     
  10. (Pingback)

    [...] Und Google kann seine Vormachtstellung gekonnt ausnutzen. Denn auch Google lebt von Werbung. Alleine für Deutschland wird ein Umsatz von ca. 2,5 Milliarden Euro vermutet. Könnte Google nicht einen kleinen eil davon abgeben, an jene welche die Inhalte liefern? Es [...]

    Das Leistungsschutzrecht: verteidige Dein Gewinn

    9. Dezember 2012

     
  11. Hallo Keese,

    sie werden nur erreichen, dass die deutschen Presseseiten aus dem Suchindex fliegen. Belgien lässt grüßen: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Google-sperrt-belgische-Zeitungen-aus-1280764.html

    Ich warte schon gespannt… (Lernen durch Schmerzen)

    Der der dieses Gesetz entwickelt hat, hat anscheinend nicht das Prinzip der Informationsverteilung im Internet verstanden.
    Suchmaschinen sind das Gedächtnis des Internets. Sie bieten einen Service für die Indexierten und für die Nutzer der Suchmaschinen. Andere zahlen sogar dafür, dass sie gefunden werden (vgl. Anzeigen, AdWords).

    Ich empfehlen einen guten Artikel hierzu:
    http://www.stefan-niggemeier.de/blog/die-scheinargumente-fuer-ein-leistungsschutzrecht/

    Hochachtungsvoll,

    Bregenzer

     
     
  12. (Pingback)

    [...] Leistungsschutzrechtes für Presseverlage, hat diese Karte neulich in seinem privaten Dienstblog bemerkenswert offen ausgespielt. »Könnte Google sich wirklich nicht leisten, für Leistungen zu bezahlen«, fragte er und machte [...]

    Journalismusförderung statt Leistungsschutzrecht - Addliss

    2. September 2012

     
  13. Statistiker

    herr kese, sie reden käse

    sie verdienen geld mit googfle und wollen, dass ihnen google geld fürs geldverdienen zahlt.

    asozialer geht es nicht. kann ich auch: zahlen sie mir geld dafür, dass ich sie nicht verlinke auf meine seiten.

    ich finde, 100.000 € sollten sie mir pro tag zahlen, dafür, dass ich keine werbung mehr für sie mache.

    ist das okay? dann her mit der kohle oder sie halten einfach mal den mund, wenn sie schon keine ahnung haben.

    wenn nichtinnerhalb von drei tagen eine halbe million auf meinem konto ist, dann weiß ich, dass die blöd und konsorten nur schnorrt ohne zu zahlen.

    ätsch!!!!!!!

     
     
  14. kleitos

    Christoph Keese: “@ Rainer: Das wird die Inhalte frei zum Lesen auf die Seiten stellen, heißt nicht, dass sie damit frei zum gewerblichen Kopieren sind. Dieser Unterschied ist wichtig und sollte verständlich sein.”

    Der BGH sagt: doch!

    BGH, Urteil v. 29.04.2010, Az. I ZR 69/08

     
     
  15. Daniel

    Sehr geehrte Herr Keese,
    das ist wirklich eine Milchmädchenrechnung. Genauso könnte man behaupten, dass ein profitabler Konzern mit einem Jahresgewinn in Höhe von 289,4 Mio Euro es eigentlich nicht nötig haben sollte, 60 Mitarbeiter zu entlassen. Und das nur weil man diese in Zukunft nicht mehr nach Tarif bezahlen will.

     
     
  16. Lieber Herr Keese:

    Nun ‘mal Hand auf’s Herz: Das war jetzt nicht wirklich Ihr bester Blog-Beitrag.

    Google verdient Ihrer Meinung nach eine Menge Geld? Und wird zur Gefahr? Sehe ich auch so. Also lassen Sie uns gemeinsam gegen die US-Internet Übermacht antreten. Das hilft Ihnen, das hilft dem Wirtschaftsstandort Deutschland und ganz besonders unseren innovativen kleinen und mittleren Unternehmen.

    LG

    Michaela Merz

     
     
  17. Ist Matthias Döpfner von der Axel Springer AG Web-Kommunist? Er sagte 2009, dass wer seinen Content völlig für free abgibt sei Web-Kommunist. Anders als die New York Times gibt Döpfner bei bild.de immer noch alles kostenlos ab. Ist er Kommunist und will deshalb das sozialistische LexKeese statt marktwirtschaftlicher Lösungen wie die NYT?
    http://governancexborders.com/2009/11/17/dilbert-on-ancillary-copyrights-linking-is-not-a-crime/

    Sein Bekenntnis zum Kommunismus gibt er kurz nach Minute 17 ab. Skurill. Dann lieber CDU: Freiheit statt Sozialismus.

     
     
  18. So lange der Mr. Keese einfach die Frage ignoriert, WARUM Google den Verlagen Geld bezahlen soll fuer einen Service von dem sie bestimmt nicht wenige Nutzer auf ihre werbefinanzierten Seiten verirren, werde ich seine PROPAGANDA auch als solche entlarven…

    Wollen wir auch über Wissenschaftsverlage reden wenn wir schon dabei sind? Da gibts schon das was sich Bild und Konsorten schlussendlich wünschen:
    35% Reingewinn für den Verleger, auf Kosten des Steuerzahlers der die Forschung ja schlussendlich finanziert hat.

    Die Lobby kann im Moment nichts anderes als den selben Grasbüschel immer wiederzukäuen in der Hoffnung es wird Schokolade draus. Nur leider gibts am End nur Sch…

     
     
  19. Hans

    Die Rechnung da oben mag durchaus stimmen und natürlich könnte Google es sich leisten etwas zu bezahlen. Aber jedes Unternehmen, das Gewinn macht könnte es sich leisten, Geld an hungerleidende Verlage zu überweisen.
    In Ihrer Rechnung habe ich leider keine Schätzung gefunden, wie viel Geld Google mit den Snippets verdient. Ohne das ist Ihre Rechnung wertlos. Google News kann ohne Werbeeinblendung nur defizitär sein.
    Oder wollten Sie wirklich einen Anteil an SÄMTLICHEN Einnahmen? Das ist wohl eher ein Wunschtraum, abgesehen davon, dass Sie natürlich nicht den Anteil derer eingerechnet haben, die die Verlagsseite durch Google besuchen. Diese Werbeeinnahmen müssten dann auch noch von den LSR-Einnahmen abgezogen werden.
    Jetzt die entscheidende Frage: Bleibt da wirklich noch was über, wenn Sie von 0 € Einnahmen von Google News (defizitär) noch Ihre Werbeeinnahmen abziehen?
    In meiner Rechnung nicht, aber Sie können mir da sicher ein anderes Ergebnis nennen.

     
     
    • Christoph Keese

      Danke für Ihre Anmerkungen.
      Der Vorschlag zielt ja nicht darauf ab, dass Aggregatoren mildtätige Spenden überweisen, sondern für Leistungen bezahlen, die sie in Anspruch nehmen.
      Was Google betrifft, so kann Google News so defizitär ja gar nicht sein. Auf der Homepage listet Google sein Produkt “News” auch nach der jüngsten Layout-Reform noch in der Hauptnavigation. Dort erscheinen nur die Produkte, die für den Gesamterfolg richtig wichtig sind. Warum “News” dort steht, liegt auf der Hand: Es lockt Publikum an, Google häufig zu besuchen. Ohne den Nachrichtenüberblick würde ein wichtiger Anreiz zur Wiederkehr entfallen. “News” ist ein Traffic-Booster. Wer dann einmal auf der Google-Seite gelandet ist, wird mit allen erdenklichen Anreizen dazu motivert, in der “Company Town” – sprich: bei den vielen anderen Google-Produkten – zu bleiben. Dort wird dann das Geld verdient.
      Ob “News” als Produkt in sich defizitär ist oder nicht, kann und muss den Lieferanten gleichgültig sein. Verlage bezahlen ihre Autoren und Drucker auch, wenn die Zeitschrift Verluste schreibt. Das ist eben das wirtschaftliche Risiko, das man eingeht, wenn man Produkte auf den Markt bringt. Man muss es ja nicht tun. Aber wenn man es tut, muss man die Lieferanten bezahlen.

       
       
      • Rainer

        Sie stellen den Content auf ihren Seiten frei zur Verfügung, dort holt Google sich Ausschnitte davon ab, sie arbeiten sogar mit Einsatz von hochbezahlten Profis daran, dass Google möglichst viel davon abholt (bzw. gut positioniert). Wenn sie nicht möchten, dass Google das macht, können Sie das jederzeit unterbinden:

        http://support.google.com/news/publisher/bin/answer.py?hl=de&topic=11709&hlrm=en&ctx=topic&answer=94003

        Niemand verbietet ihnen, mit Google in Verhandlungen zu treten, damit Google Sie dafür bezahlt, die Snippets zu veröffentlichen. Sie wissen nur, dass der Preis dafür gegen Null geht. Deshalb soll die Regierung eingreifen und ihre Verhandlungsmacht stärken. Das soll Marktwirtschaft sein?

         
         
        • Christoph Keese

          @ Rainer: Das wird die Inhalte frei zum Lesen auf die Seiten stellen, heißt nicht, dass sie damit frei zum gewerblichen Kopieren sind. Dieser Unterschied ist wichtig und sollte verständlich sein.

           
           
      • Aha! Wieder mal entlarvt:
        Seitenweise wird behauptet, Google verdient mit News Geld. Jetzt schreibt Mr. Keese im Nebensatz, dass offensichtlich nicht DIREKT mit News Geld verdient wird, sondern mit den “vielen anderen Google Produkten”…

        hmm…das ist natuerlich sehr praktisch.
        Wenn Sie mir jetzt noch verraten, wie sie Google zwingen wollen die Abgaben-menge zu bestimmen, anhand von Klicks auf einem Service der nur “indirekt” Geld bringt, dann wirds richtig lustig…

         
         
        • Juliane Böckler

          Da muss ich Herrn Keese ausnahmsweise zustimmen. Die schrecklich lineare und altmodische Annahme, dass ein Produkt nur für Geld sorgen kann, indem es Geld direkt erwirtschaftet, ist schlicht und ergreifend nicht mehr haltbar – und ein Scheinargument derer, die Google News unbedingt als nicht-kommerzielles Projekt darstellen wollen. In einem Biotop an untereinander verlinkten Angeboten mag es welche geben, die ohne direkten Gewinn operieren – trotzdem sind sie alle am Gewinn des gesamten Projektes beteiligt, weil sie für eine höhere Verweildauer, mehr Klicks und mehr Kundenbindung an die gesamte Google-Familie sorgen.

          Da kann und sollte man nicht unnötig vereinfachen – denn selbst ohne Scheinargument vom angeblich unkommerziellen Google News bricht das LSR nach drei simplen Fragen in sich zusammen:

          A) Warum sperren die Verlage die ungeliebten Aggregatoren nicht einfach aus?

          B) Wie viel verdient ein Verlag am zugeleiteten Traffic / Klicks, und ist es mehr oder weniger als Google mit seinem News-Angebot verdient?

          C) Sollte der Verlag behaupten, der Verdienst am zugeleiteten Traffic ließe sich nicht messen – wie soll dann der finanzielle Erfolg von Google News inerhalb der Google-Familie gemessen werden?

          Mehr muss man gar nicht fragen.

           
           
  20. Könnte es sich Axel Springer leisten, jedem Hartz IV-Empfänger monatlich einen Euro zu zahlen?

    In der Gesamtsumme wären das etwa 55 Mio. Euro jährlich, also ist das möglich.

    Wenn wir diese Argumentation noch auf andere große deutsche Unternehmen anwenden, kommt für die “Hartzies” ein interessantes Sümmchen zusammen.

    Also, wo bleibt das Geld?

     
     
    • Axel Springer macht grob 3.2 Milliarden Euro Umsatz im Jahr.

      Jeden morgen wenn ich mit dem Rad zur Arbeit fahre muss ich die Schlagzeilen der BILD beim Baecker lesen.
      Das ist visuelle Vergewaltigung. Ich will Schmerzensgeld dafuer haben, bitte. Danke.

      Nee, also echt, wo leben wir denn, dass das einzige (!) Argument von einem Konzern Geld zu verlangen die Tatsache sein kann, dass er mehr Geld hat als die anderen?

       
       
    •  
  21. Könnte sich der Springer-Verlag nicht leisten auf Links (und Traffic) via Google News zu verzichten? Falls ja, warum tut er es wohl nicht? (geht ganz schnell – via robots.txt)
    Könnte Google nicht Geld für Google News verlangen? Und würde Springer nicht sogar zahlen?
    Könnte sich Springer nicht leisten, auf regelmäßige Verletzungen von Persönlichkeitsrechten zu verzichten?
    Könnte Springer nicht etwas von seinem Gewinn nehmen, um freie Autoren fair zu bezahlen?
    Kurzum: Unternehmen leben nicht davon, dass sie Gewinne nutzen, um Gutes damit zu tun.

     
     
  22. Rainer

    Dieser Beitrag ist ein weiterer Tiefpunkt in der an Tiefpunkten nicht armen Geschichte dieses Blogs. Die Grundfrage ist: Könnte Google sich wirklich nicht leisten, für Leistungen zu bezahlen?
    Niemand in der kompletten Debatte hat bisher angezweifelt, ob Google es sich leisten KANN, jemanden für die Verwendung der Snippets zu bezahlen. Die entscheidende Frage ist, sollte Google dafür zahlen MÜSSEN. Natürlich kann Google für die Snippets in Google News bezahlen, aber Google verdient mit News kein Geld, da hier keine Anzeigen geschaltet werden. Warum sollte Google den Dienst fortführen, wenn zusätzliche Kosten hinzu kommen?

    Es ist übrigens sehr traurig, wenn man Stellungnahmen wie die der bayerischen Justizministerin liest, in der diese schreibt:

    “Es geht nicht an, dass der Verleger, mit dessen Inhalten Google News & Co Geld verdienen, davon nichts abbekommt”

    Denn genau das passiert nicht. Ich hoffe dann immer, dass die Politiker in Deutschland nicht in Bereichen, von denen ich nicht soviel verstehe, Gesetze mit genauso niedriger Sachkenntnis verabschieden.

    Es ist übrigens bezeichnend, dass sie sich hier zu jedem Pieps rund ums Leistungsschutzrecht zu Wort melden. Wenn aber jemand überzeugende Argumente dagegen präsentiert, wie es Justus Haucap getan hat, dann herrscht hier nur Schweigen. Denn das hieße ja, sich mit Argumenten auseinanderzusetzen. Den sehr lesenswerten Beitrag meines ehemaligen Professors, kann man übrigens hier finden:

    http://www.slideshare.net/mobile/LSRinfo/haucap-oekonomischefolgenlsr

    Auch in der Springerpresse konnte ich dazu nichts lesen, soviel zur Unabhängigkeit ihrer Redaktionen, die sie beim Computer Bild-Beispiel angefügt haben. Ein Trauerspiel.

     
     
  23. netzhocker

    Die Zahlen dürften das Problem nicht sein. Eher schon MIT WAS verdient Google dieses Geld?

    VW oder Mercedes verdient auch ganz gut warum nicht von denen nehmen. Zeitungen müssen ja ausgefahren werden, Papier transportiert usw. und das wird ja im allg. mit Autos bewerkstelligt. Also profitieren die Autohersteller von den Verlagsinhalten. Hört sich nach Milchmädchenrechnung an? Stimmt.

    Gruß
    @netzhocker

     
     
  24. Was für einen Quatsch. Wenn ich hingehe und die Politik wochenlang mit Lobbyismus terrorisieren, kann ich dann auch durchsetzen, dass mir die Axel Springer AG Geld für Kommentare zahlen muss und dann ausrechne, dass das ja dazu dient, dass die Axel Springer AG mit der erhöhten Attraktivität der Onlineprodukte erhöhte Werbeeinnahmen erzielt? Ihre Argumentationen werden immer absurder und zeigen nur, wei weit Sie sich mental von der Marktwirtschaft entfernt haben.

    Sehen Sie sich einfach die New York Times an: die belabert nicht ständig den US Congress um Erlöse zu erzielen, sondern macht erfolgreich privatwirtschaftliche Verträge mit der Wirtschaft.

    Es ist eine Schande, wie Sie uns dagegen unter dem Namen Axel Springers in den Sozialismus pressen wollen, dass man einfach ausrechnet, wieviel ein anderer zahlen könnte, und dann den Gesetzgeber bittet, diese Erlöse in der Zwangsverwaltungswirtschaft gutzuschreiben. Wo waren Sie eigentlich, als viele unserer Mitbürger unter diesem von Ihnen zurückgewünschten Sozialismus gelitten haben? Bei Axel Springer offenbar nicht.

     
     

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