Titelbild des SPIEGEL, wie er als Raubkopie auf der Website Avaxhome.ws angeboten wird. Wer das Nachrichtenmagazin liebt, kann sich hier den lästigen und kostspieligen Umweg über Kiosk oder Abonnement ersparen
Für alle, die gern deutsche Zeitungen und Zeitschriften lesen, ohne dafür zu bezahlen, hier noch ein wertvoller Surftipp: Die Website www.avaxhome.ws bietet aktuelle, vollständige und hochauflösende Raubkopien ohne lästige Wasserzeichen an. Das ist praktisch, denn wer möchte auf seiner Raubkopie schon von Wasserzeichen belästigt werden, die vom Lesefluss ablenken? Schnorrer kommen voll auf ihre Kosten. Ihre inständige Bitte „Haste mal ‘nen Spiegel?“ wird gern erhört und beflissentlich erfüllt.
Klickt man auf die Seite, wird man gleich über den entscheidenden Produktvorteil aufgeklärt: „No more ugly watermarks!“:
Über die Navigation auf der linken Seite wählt man den gewünschten Sprachraum aus. Und schon erscheinen die zahlreichen deutschen Download-Angebote. Mit dabei ist auch die taz, die in Fragen des Urheberrechts eine eher liberale Linie einnimmt und traditionell viel Sympathie für die Free-Content-Bewegung zeigt. Hier gibt es die taz nun kostenlos:
Mit dabei sind auch Wirtschaftszeitungen wie die Financial Times Deutschland:
Natürlich ist auch die Süddeutsche Zeitung vertreten:
Ebenso die Frankfurter Allgemeine Zeitung:
Und natürlich fehlt auch BILD nicht:
An diesen Angeboten verdienen nur die Linksammler und Downloadplattformen. Die Verlage, Redaktionen und Journalisten gehen leer aus. Da die Scans allesamt in guter Qualität angeboten werden (keine Schnittkanten, keine Papierunebenheiten, keine verschobenen Vorlagen), muss man davon ausgehen, dass entweder hoch professionell eingescannt wird oder gleich die PDF-Vorlagen der Medien als Vorlagen dienen. Alle Titel stehen kurz nach dem Erscheinen im Netz. Laien und Hobby-Hacker können es nicht sein, die regelmäßig einen solchen zeitlichen Aufwand betreiben. Auch ist es unwahrscheinlich, dass die Produktionsstätten im Ausland sitzen, denn die Titelauswahl verrät genaue Kenntnis des deutschen Markts, und die Aktualität deutet auf kurze Wege hin.
Aller Wahrscheinlichkeit nach stecken hinter Seiten wie diesen kriminelle Organisationen in Deutschland, denen das Leben erleichtert wird durch die Erosion des öffentlichen Unrechtsbewusstseins beim Diebstahl geistigen Eigentums.
PS: Ja, es gibt noch viel mehr von solchen Seiten! Avaxhome ist hier nur als Beispiel erwähnt. Dies ist kein Fehler des Autors. Wenn Sie weitere Linkstipps veröffentlichen möchten, freue ich mich über Kommentare.
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[...] dass Verlagsinhalte im Netz in nennenswertem Umfang gestohlen würden. Er machte sich lustig über Avaxhome, das ich als Beispiel nannte und fragte ins Publikum: „Mal ehrlich, kennt irgendjemand von Ihnen [...]
Massenhafter Diebstahl, ganz ungeniert | der presseschauder
16. März 2012
[...] nur Online-Inhalte, sondern auch Print-Produkte. Die Beiträge über das Beispiel Avaxkome stehen hier und hier. Es ist eine Lüge, dass Berichte über Raubkopien eine Lüge [...]
Warum das Leistungsschutzrecht MyEdition nicht im Wege steht | der presseschauder
15. Dezember 2011
Robert Kindermann
Lieber Herr Keese,
nun feuern Sie ja schon seit Tagen und Wochen – aus Ihrer Sicht berechtigt – gegen illegale Downloadportale von Zeitschriften und Zeitungen.
Und sie bringen dabei immer einen Vergleich mit kino.to – den würde ich nicht unbedingt anführen: http://www.heise.de/tp/blogs/6/150152
“Nutzer von kino.to gehen überdurchschnittlich oft ins Kino und kaufen teurere Karten…”
Was ich sagen will: würden mehr Leute Ihre Zeitungen und Zeitschriften wirklich kaufen, wenn sie NICHT illegal verfügbar wären? Diese Frage treibt auch die Musikindustrie seit Jahren um.
Sie können natürlich sehr viel Energie darauf verwenden, diese Portale zu schließen oder Gesetze durchzudrücken, die diese Portale noch illegaler machen als sie eh schon sind. Oder – und das muss man dem Springer-Konzern lassen – bleiben weiterhin innovativ und erschaffen ein Leseerlebnis und vor allem eine Empfangbarkeit und Teilbarkeit Ihrer Inhalte, so dass die illegalen Plattfiormen Ihnen keine Kunden wegnehmen und eher als Marketingtool dienen, die mal in eine Ihrer Zeitungen/Zeitschriften reinschnuppern wollen.
Denn eines kann ich – auch dank des iKiosk – sagen: Zeitungen im PDF Format zu lesen ist wirklich nicht komfortabel.
VG
RK
Christoph Keese
Hallo Herr Kindermann,
danke für Ihren Beitrag und die Anregungen. Ich gebe Ihnen Recht, dass kostenlose Probeangebote dazu beitragen können, die Nachfrage nach Filmen oder Zeitschriften zu steigern. Deswegen bieten die meisten Verlage kostenlose oder kostengünstige Probeabonnements an. Dennoch muss es ihrem eigenen Ermessen überlassen bleiben, ob sie dies tun oder nicht, Ein Kopist darf nicht einfach voraussetzen, dass sie es wollen würden oder wollen sollten. Subjekt des Verschenkens muss der Eigentümer bleiben, sonst ist es Diebstahl.
Es gibt gute Gründe, dass sich Filmfirmen gegen Kino.to und âhnliche Angebote wehren. Denn dass die Nutzer illegaler Kopien angeblich oft ins Kino gehen, zahlt sich ja nicht unbedingt für den Bestohlenen aus. Wer Millionen in Film A investiert hat, wird es nicht als Trost empfinden, dass der Zuschauer nachher Film B, C oder D anschauen geht.
Auch teile ich Ihren Eindruck nicht, dass es unmöglich ist, Piraterie entscheidend einzudämmen. Es wird nie gelingen, sie ganz zu verhindern. Gelingen aber kann es, die professionellen Ringe zu sprengen, die wohlorganisiert ihr Verbrechen betreiben. Einen Beitrag dazu könnten all jene leisten, die in der Öffentlichkeit das kostenlose, ungenehmigte Kopieren als Kulturtechnik des Internet-Zeitalters glorifizieren und zum unverzichtbaren Teil der Freiheit erklären. Sie liefern damit nolens volens gewöhnlichen Kriminellen einen Vorwand für ihr Tun, leisten der Enteignung von Kreativen Vorschub und demotiveren Investitionen in Kreation. Und sie täten gut daran, sich auf die Seite der Schöpfer zu stellen. Es gibt heute nicht mehr viele professionelle Autoren, Schauspieler, Filmemacher, Musiker oder Komponisten, die von der nackten Brutalität nicht frustriert und überwältigt wären, mit der ihnen im Internet die Früchte ihrer Arbeit gestohlen werden. Diese Leute können das Gerede nicht mehr hören, dass sie angeblich das Internet nicht verstanden hätten und sich doch bitte neue Geschäftsmodelle ausdenken mögen. Sie wissen: Das ist eine Illusion, von der sie ihre Miete nicht bezahlen können. Welches Geschãftsmodell sie sich auch immer ausgedacht haben, sie sind immer aufs Neue bestohlen worden und wissen nun, dass man nach nichts anderem trachtet als nach ihrer kostenloser Arbeit und damit dem Ende ihrer wirtschaftlichen Existenz als Künstler.
Piraterie schadet der Kreativität. Wem Kultur am Herzen liegt, der sollte das auch einmal sagen und Hehlerbörsen wie Avaxhome nicht als unbezwingbares Übel oder kulturell notwendige Begegnungstätten hinstellen.
Viele Grüsse
Christoph Keese
Robert Kindermann
Lieber Herr Keese,
danke für Ihre Antwort.
Es ist ein wenig komplizierter – Sie wissen das. Bestohlen wird niemand, da das Objekt ja weiterhin in Ihrem Besitz ist. Jemand räumt sich außerordentlich das Recht des Kopierens ein – und das ist gesetzlich untersagt. Sie können dagegen vorgehen, Sie wissen, dass Sie es nur beschränkt eingrenzen können. Ihnen wird dabei auch kein Leistungsschutzrecht helfen, vergessen Sie es einfach, die Musikindustrie hat genau das gleiche versucht, lenken Sie Ihre Energie um. Jeder, der kostenlos Ihr Produkt konsumieren möchte, wird es schaffen.
Ich bin übrigens weit davon entfernt, eine Kostenlos-Kultur zu propagieren.
Sie müssen ein besseres Angebot machen als die Kopierer. Die Erkenntnis ist gar nicht so kompliziert – es umzusetzen setzt allerdings voraus, dass man bereit ist ALLES neu zu denken. Die Musikindustrie hatte lange kein besseres Angebot als Kazzaa oder Napster. Sie haben bis heute kein wirklich besseres Angebot – bzw. sie haben nur EIN besseres Angebot – das heißt iTunes und selbst das macht noch viele Musikfans unglücklich, weil es viele Beschränkungen mit sich bringt.
Dabei spielt der Preis nur eine von vielen Rollen. Natürlich bringt es nichts, eine Zeitschrift für 15 Euro digital anzubieten. Das würde keiner bezahlen. Es hilft auch nicht ein billiges Produkt zu machen – dann scheitert es ebenfalls, wie es bei The Daily von Murdoch zu erwarten war, nachdem man erste Ausgaben gesehen hat.
Die Menschen haben übrigens noch nie für journalistische Inhalte (bewusst) gezahlt. Sie haben immer nur dafür gezahlt, diesen Inhalt zu empfangen. Deshalb sind die Menschen bereit 10 Euro im Monat fürs Internet zu bezahlen und 2 Euro für eine Zeitung am Kiosk. Sonst wäre es nahezu unmöglich diese Inhalte zu empfangen.
Sie müssen sich einen anderen Blick aneignen. Stellen Sie sich einen Hersteller von Navigationsgeräten vor. Er konnte Geld für diese Geräte verlangen, weil die Leute anders nicht an diese Informationen gekommen sind. Jetzt übernimmt diese Aufgabe das Handy. Navigeräte spielen in Zukunft keine Rolle mehr. Aber das was dahinter steckt, bleibt gleich und wird immer besser: ein System zur Navigation von Punkt A zu Punkt B. Früher konnten Sie das Papier einer Zeitung verkaufen um den Inhalt zu transportieren. Nur wird das in Zukunft keine Rolle mehr spielen. Deshalb ist die Information jedoch nicht weg und erst Recht nicht die Nachfrage danach.
Wenn dann der neue Informationsträger günstiger ist, mehr kann und nebenbei die Information auch noch schneller und einfacher zur Verfügung stellt, hat der alte Informationsträger schlechte Chancen.
Das ist so als würde man ernsthaft daran glauben, dass das Digitalradio (DAB+) eine Chance hätte.
Was bedeutet das alles für Sie?
Sie könnten (nochmal: könnten mit t) das Prinzip der Zeitung komplett einstellen. Denn diese Darstellung, die sie bisher zum größten Teil einfach 1:1 ins Netz kopiert haben (Meldungen, Spalten, Fotos, Ressorts) ist dort einfach nicht mehr konkurrenzfähig. Es wird nachgefragt, aber wes gibt dafür keinen Markt, der groß genug ist um das gegenzufinanzieren.
Also müssen Sie etwas ganz Neues erschaffen. Werfen Sie Ihre Zeitungen weg. Bringen Sie diese Zeit hinter sich. Es ist egal, niemand braucht diese Form der Informationsübertragung in Zukunft.
Wenn Sie jetzt in die Aufgabe versetzt werden würden, Informationen, Meinungen und Nachrichten zu verbreiten mit all den Mitteln, die Ihnen genau JETZT zur Verfügung stehen. Wie sähe das aus? Wie wäre es spannend, emotional packend, wertig und was würden die Leute dafür bezahlen?
Denken Sie an den Dezember 2005 und dann an den Januar 2006.
Fragen Sie sich einfach was Guttenberg gemacht hätte, hätte er das Internet nutzen können und nicht nur teure, schwere Druckmaschinen.
Ein Beispiel: Apple hat erst die Maus populär gemacht, dann konnten Sie sie abschaffen, weil man mit den Fingern viel besser Geräte steuern kann und nun schaffen sie das auch wieder ab. Weil sich Geräte mit Sprache viel besser bedienen lassen.
Springer macht das alles nicht schlecht. Aber es gibt Strömungen, die ich für gefährlich halte – ganz abgesehen von den Inhalten der BILD und BILD Online. Gefährlich im Sinne von demokratiegefährdend.
Viele Grüße
Robert Kindermann
Stefan M.
“jene [...], die in der Öffentlichkeit das kostenlose, ungenehmigte Kopieren als Kulturtechnik des Internet-Zeitalters glorifizieren und zum unverzichtbaren Teil der Freiheit erklären.”
Ich fühle mich angesprochen, obwohl diese Beschreibung nicht auf mich zutrifft. In der Hoffnung, für alle Netzaktivisten sprechen zu können, stelle ich hierzu fest:
Rein objektiv kann man kostenloses Kopieren erstmal nicht als Kulturtechnik darstellen, sicherlich aber als technische Realität. Computer sind zwar der Wortherkunft nach Rechenmaschinen, praktisch aber hauptsächlich Kopiermaschinen. Im Falle einer digitalen Zeitschrift wird vom Server auf die Festplatte, in den Arbeitsspeicher, in die CPU und wieder zurück, in die Grafikkarte und schließlich in den Puffer des Displays kopiert. Der Aufwand, den die Hardware (und auch die Programmierer dahinter) in das Kopieren steckt, ist deutlich größer als der tatsächliche Rechenaufwand.
Alle Versuche, einen Kopierschutz in Computern zu implementieren, sind systemimmanent zum Scheitern verurteilt, weil die Daten irgendwann entschlüsselt werden müssen, um etwas Sinnvolles mit ihnen zu machen. Wieder im Falle der digitalen Zeitschrift: Ein PDF-Dokument kann nicht ohne weiteres auf einem Display angezeigt werden. Das Display erwartet RGB-Bilddaten, also einen Haufen Zahlen, von denen jeder die Farbe eines Pixels beschreibt. Um das aus dem PDF rauszukriegen, muss der Kopierschutz legal geöffnet werden, damit der Computer an die PDF-Rohdaten gelangen kann. Hier haben wir den ersten Angriffsvektor: Durch geeignete Manipulation lassen sich die Rohdaten abgreifen.
Der zweite Angriffsvektor ist sogar noch einfacher: Irgendwann müssen die RGB-Bilddaten vorliegen, die dann zum Monitor geschickt werden. Greifen wir einfach diese Daten ab (am offensichtlichsten per Screenshot). Dann ist die Sache vielleicht ein bisschen verpixelt, aber immerhin, uns interessiert ja eh der Inhalt.
Natürlich kann man sagen: Okay, packen wir die PDF-Verarbeitung in den Monitor, damit der PC nicht mit unkopiergeschützten Daten in Berührung kommt. Dann muss aber auch mehr Elektronik in den Monitor rein, und mehr Elektronik heißt erfahrungsgemäß mehr Angriffsvektoren. Und auch in der Elektronik des Monitors liegen irgendwann Rohdaten vor.
tl;dr: Unter der Vorannahme, dass Computer gekommen sind, um zu bleiben, können sie den Kampf gegen das Kopieren mit Computern nur verzögern, nicht gewinnen.
Peter
Ich möchte als Autor einfach so nicht behandelt werden. Nicht vom Spiegel und erst recht nicht von einem Dienst, der das zu publizierende in einem unseriösen Umfeld anbietet.
Name*
Bin via lawblog.de auf Ihre Seite gestossen und verrate Ihnen gerne, weshalb ich mir den Spiegel auf o.a. Weg besorge:
Ich bezahle seit Jahren ein Spiegel online Abo. Theoretisch sollte es Samstag Abend möglich sein den Spiegel zu beziehen – in der Praxis funktioniert das aber fast nie, zudem brechen Downloadvorgange via spiegel.de oft grundlos ab, bzw werden fehlerhafte PDFs übertragen. Kurz: Der Service von spiegel.de ist grenzwertig.
Die PDFs, die ich hingegen am von Ihnen beschriebenem Weg beschaffe sind schnell verfügbar, fehlerfrei und – auch nicht schlecht – werbefrei.
Ich zahle also weiter mein Abo, sauge aber den Spiegel lieber von avax usw. – ich sehe daher kein Problem darin, dass ich diese Seiten nutze.
pjebsen
Axahome scheint auch in anderer Beziehung eine Abzocker-Seite zu sein. Ich habe die Homepage und die URLs einiger verlinkter Download-Seiten mal stichprobenartig per WOT (Web of Trust) überprüft. Dabei gab es jede Menge Warnungen vor Malware, Betrug etc.
Daniel Schultz
Kurze OT-Anmerkung zum Thema UX: Wenn man jetzt die Kommentare in chronologischer Form lesen möchte, so ließt man von unten nach oben, überspringt das Eingerückte, um dann die Kommentare zu Kommentaren von oben nach unten zu lesen. Diese Lösung sagt mir jetzt nicht gerade zu.
Christoph Keese
Finden Sie anders herum besser? Kann ich wieder umstellen.
Daniel Schultz
Also wegen mir? Ja!
Christoph Keese
Okay. Machen wir so.
9:20: Erledigt
Johannes Korn
Ohne Frage ist es ärgerlich für Verlage und Journalisten so etwas zu sehen. Und ohne Frage ist es nicht rechtens.
Aber welche Lehre soll man daraus ziehen? Es handelt sich doch wohl um ein Phänomen dem man mit Gesetzgebung nur sehr begrenzt Herr werden kann. Alles andere ist illusorisch.
Ich gebe zwei Dinge zu bedenken. Erstens: Leser / Hörer / Gucker von Raubkopien, und das weiß auch jeder, lassen sich keineswegs 1:1 in entgangene Käufe umrechnen. Ich kann mir keinen Tageszeitungsabonnenten vorstellen, welcher nun seinen Spiegel abbestellt und ab sofort nur noch Scans am Bildschirm liest. Was verloren gehen könnte wäre der ein oder andere Gelegenheitskauf, aber dass es sich hier wirklich um einen nennenswerten Knick in den Absatzzahlen handelt, das bezweifle ich sehr stark. Zugegebenermaßen ohne entsprechende Datengrundlage.
Zweitens: Das Aufkommen derartiger Angebote zeigt auch: es gibt das Bedürfnis nach dieser Form von Medienkonsum. Nun kann man sagen “Alles Quatsch, das einzige Bedürfnis ist es kostenlos zu erhalten”. Gut, wer so argumentiert braucht aber auch nicht über entgangene Umsätze jammern, denn Leute die ausschließlich auf kostenlos aus sind kaufen ein Medienerzeugnis eben aus Prinzip nicht. Aus welchen Gründen auch immer. Aber andere wären u.U. durchaus bereit gegen einen entsprechend deutlich geringeren Betrag – immerhin hat man ja nur PDF, das ist deutlich unpraktischer als eine echte Zeitung – Inhalte auf diese Weise zu konsumieren.
Kurzum: Wenn bestimmte ungesetzliche Phänomene nicht in den Griff zu bekommen sind ist der Weg der Legalisierung oftmals kein falscher. Die bisherigen Online-Abo-Angebote sind da wohl noch nicht ausreichend (und ich glaube nicht, dass das ausschließlich am Preis liegt sondern auch am Mehrwert). Oder die Konsumenten der Raubkopien sind eben prinzipielle Verweigerer. Die bekommt man auch mit anderen Angeboten nicht. Und eine aufwändige Verfolgung bringt keinen zusätzlichen Umsatz.
Christoph Keese
Vielen Dank für Ihre Anmerkungen. Das sind nachvollziehbare Argumente. Diese Entwicklung wird auf Dauer Auswirkungen auf die Angebotsformen von Presse haben. Denkbar wäre eventuell auch, den Betreibern solcher Plattformen Lizenzverträge anzubieten. Dies muss allerdings jeder Verlag für sich entscheiden.
Ano Nymus
Vielen Dank für diesen Linktipp!
Christoph Keese
Viel Spaß beim Schnorren!
Daniel Schultz
Mich ärgert nach wie vor, dass mein Briefkasten mit Gratisausgaben der Berliner Morgenpost vollgestopft wird, obgleich an meinen Briefkasten steht: „Bitte keine Reklame einwerfen!“. Und ja, das Blatt ist voll von Reklame und wandert ungelesen in dem Müll. Auch sonst vergeht kaum ein Tag, an dem nicht irgendein Verlag mir kostenlos seine ach so wertvollen Inhalte unterjubeln möchte. Von Leuten, die einen mit Verlagsprodukten in der Öffentlichkeit behelligen, würde ich am liebsten in Ruhe gelassen werden. In öffentlichen Verkehrsmitteln kommt es sogar vor, dass Menschen ihren Müll nicht ordnungsgemäß entsorgen und damit einen unentgeltliche Zweit- oder gar Drittrezeption ermöglichen. Das passt auch ins Bild, da die Auflage der B*LD zwar sinkt, aber dennoch mehr Leser ausgewiesen werden (Nein, ich habe gerade keine aktuelleren Zahlen griffbereit – da können Sie bestimmt aushelfen).
Warum machen die Verlage das? Damit die möglichen Kontakte, die man an die Anzeigekunden kommunizieren kann möglichst hoch ist. Besser ist es natürlich, wenn man von „bezahlter“ Auflage sprechen kann, weil man damit eine solventere Leserschaft suggerieren kann.
Solange die Verlage das nicht abstellen, ist das Gejammer mit „Wir werden schleichend enteignet“ einfach unerträglich.
P.S.: Über die Geschichte mit dem WSJ hatte ich besonders gelacht.