Was wäre, wenn Julia Schramm Vorsitzende der Piraten würde?



Piratin Julia Schramm, Kandidatin für den Bundesvorsitz. Foto: Insi Dex. Zur Nutzung freigeben von Julia Schramm

Heute ist der Welttag des Geistigen Eigentums. Grund genug, Julia Schramm sprechen zu lassen, die am Samstag Bundesvorsitzende der Piratenpartei werden möchte. Laut der jüngsten Erklärung zum Urheberrecht streben die Piraten einen fairen Ausgleich zwischen Nutzern und Urhebern an. Was meint die Vorsitzende in spe dazu? Den Urhebern kann es am Tag des Urheberrechts nur schwindelig dabei werden.

Was Julia Schramm über die Medienwirklichkeit denkt, beschreibt sie ausführlich auf ihrer Website. Dort schlägt sie einen weiten historischen Bogen, um die Machstrukturen der Medien aufzudecken. Ihre These: Adel und Klerus des Mittelalters sind fließend in kapitalistische Medien-Monopole der Neuzeit übergegangen, die heute die Verwertungsindustrie beherrschen und die öffentliche Debatte kontrollieren. Zitat:

Die radikale Demokratisierung des Publizierens durch das Internet ist wohl die entscheidendste Veränderung moderner Gesellschaften. Bis zum Buchdruck lag die Hoheit über den publizistischen Diskurs stets bei den Mächtigen des Klerus und des Adels. Mit der Industrialisierung von Buch und Schrift im 18. und 19. Jahrhundert bildeten sich, wie wir heute sagen, Verwertungsgesellschaften, die diese Industrialisierung verwalteten. Es bildeten sich also Oligopole, die neben Profit auch eine Kaste mehr oder minder Intellektueller hervorbrachten, die den politischen und kulturellen Diskurs im modernen Westen bis heute weitestgehend kontrollieren.

Hermetische Kaste von Medienmanagern

Eine hermetische Kaste von Medienmanagern, so Schramm, übt rücksichtslos die Machtmarkt ihrer Kulturmonopole aus, beherrscht den Diskus und schwingt sich illegitim zum Gegengewicht der ebenfalls bildungsfernen Kasten Politik und Wirtschaft auf:

Diese Kaste findet sich heute in den Chefetagen der Verlage und Zeitungen, an der Spitze von Kulturförderungen und Hochschulen. Diese Kaste hat den Diskurs nicht nur in den letzten Jahrzehnten geführt und kontrolliert, sie hat sich auch mit dem Selbstbewusstsein getragen, dass sie im Wesentlichen ein demokratisches Gegengewicht zur Politik und Wirtschaft bildet, beides hochgradig kulturlose Veranstaltungen.

Zwischen den Herrschaftskasten ist laut Schramm eine gefährliche, sektenartige Inzucht entstanden, deren einziges Bestreben der Machterhalt ist:

Dass sich sowohl aus Politik und Wirtschaft die führenden Köpfe stets mit den von Kultur durchzogenen Kastenvertretern zu legitimieren versuchen, zeigt die Sublimierung der Kultur sehr exemplarisch. Kultur (und vor allem Ästhetik) ist eine säkulare Religion im modernen Westen. Und die Hohepriester fürchten um ihre Macht.

Nur dem Internet kann es gelingen, diese Strukturen zu sprengen:

Das Internet nun greift diese feste Struktur des Profits und der Meinungs- bzw. Deutungshoheit an. Jeder Mensch ist heute potentiell in der Lage, ein Meinungsführer zu werden, Kunst zu schaffen, den Diskurs zu beeinflussen, zu bereichern und zu verändern.

Das Internet entmachtet die Kulturoligarchen

Durch den Angriff des Internets werden die Kulturoligarchen entmachtet:

Jeder Mensch ist potentiell ein Leitartikler, ein Autor, ein Musiker, kurz: ein Künstler. Jeder Mensch kann sich in die tiefen Gründe des Netzes und die Köpfe der Menschen mit Kunst eingraben, die er nebenbei macht, ohne finanzielle Gegenleistung, einfach nur, weil er es macht. So ist jeder Mensch plötzlich Publizierender. Das Internet macht jeden Menschen potentiell zum Publizierenden und entwertet die Kaste der Kulturoligarchen.

Dies löst Panik in der herrschenden Kaste aus. Zur Verteidigung der Pfründe werden Künstler als Claqueure missbraucht:

Es werden die armen Künstler vorgeschickt, die noch nie auf der Gewinnerseite standen. Die Kreierung und Okkupierung des Spruchs „Mein Kopf gehört mir!“ könnte in dieser Debatte kaum fehlplatzierter sein. Denn das Urheberrecht ist nicht in der Lage, der Freiheit von Gedanken zu helfen. Das kann aber stattdessen das Internet als Freiheitsmedium. Was auf dem Spiel steht, sind nicht die Köpfe von Künstlern. Eher schon sind es vielleicht die Geldbeutel und Meinungsmacht der Verwerter.

Als Buchautorin will selbst Julia Schramm Geld verdienen

Vor diesem ziemlich obskur zusammen gereimten Verschwörungs-Hintergrund sind die Piraten laut Schramm aufgerufen, Oligarchen zu bekämpfen und die Freiheit der Kunst zu retten. In einem Interview mit dem Blog „Wir müssen reden“ zeigt Julia Schramm, dass sie als Buchautorin sie zwar ein gewisses Verständnis für Gewinnerzielungsabsichten hat, doch Kostenloskopierer auf keinen Fall behelligen möchte:

Ich saß in so einer Vertreterkonferenz, da kam die Marketingchefin und meinte, Frau Schramm, wie sieht es denn aus, wenn hier illegal ihr Buch heruntergeladen wird. Ich so, ich will natürlich, dass die Leute dafür bezahlen. Ich will aber nicht, dass sie behandelt werden wie Mörder. (…) Ich bin selber Urheber, und ich bin sogar bei der Content-Industrie unter Vertrag, aber ich werde mich trotzdem bis ans Ende aller Tage dafür einsetzen, dass sie Raubkopierer nicht wie Raubmörder behandeln.

Keinerlei Strafen für illegale Kopien

Was aber nun, wenn die Leser nicht freiwillig ehrlich sind? Dann sieht Julia Schramm keine Möglichkeiten, den Urhebern zu helfen, denn das würde aus ihrer Sicht die Bürgerrechte einschränken:

Wir können jetzt sagen, wir versuchen das restriktiv zu handhaben. Das geht aber nicht ohne Überwachungsapparat. Und da fehlt die Ehrlichkeit. Wenn die Urheber sagen, wir wollen, dass unser Urheberrecht maximal durchgesetzt wird, dann wollen sie das auf Kosten der Bürgerrechte.

Urheberschutz ist also laut Schramm gleichbedeutend mit Bürgerrechtsverletzung.

Schutz des Urhebers geht nur per Überwachungsstaat

Noch deutlicher Vertritt Schramm diese Auffassung an anderer Stelle des Gesprächs:

Aber ich glaube, und das ist das, was die Piraten auch wirklich tun müssen, die müssen knall hart Position beziehen und sagen, liebe Leute, so nicht. Schau dir Juli Zeh an. Die schreibt ein Buch mit Ilija Trojanow – der Überwachungsstaat. Und dann macht sie bei der Handelsblatt-Kampagne mit. Es ist ein wunderbares Beispiel. Sie begreift nicht, dass die Konsequenz eines konsequent umgesetzten Urheberrechtes ein Überwachungsapparat sein muss, in letzter Instanz.

Wie viele andere Piraten auch, spricht Julia Schramm den Autoren den größten Teil der Schöpfung ihres Werks ab – mit dem Argument, es flössen so viele Gedanken Dritter in jedes Werk mit ein, dass jeder Urheber prinzipiell nur die Differenz zwischen fremden und eigenen Gedanken für sich geltend machen könne. Dass auch das Weiterdenken von Gedanken anderer Leute eine geistige Leistung ist, will Schramm nicht gelten lassen. Allerdings glaubt sie überraschenderweise, dass Computercode immer genuin sei:

Die Differenz ist viel subtiler ist als bei Code. Bei Code kannst Du sagen, das ist der Ursprungscode, das ist der Code, den Du gemacht hast und das ist das Original. Ich, wenn ich Ihnen Text schreibe, ich hab da Anekdoten aus allem, oder ich habe Referenzen zu allem, was ich jemals in meinem Leben wahrgenommen habe. Du hast nicht vor und nachher.

Geistiges Eigentum ist kein Eigentum

Aus dieser Überlegung schöpft Schramm ihre Abneigung gegen geistiges Eigentum als solches und spricht ihm die Eigentumsqualität ab:

Schramm: Aber das zu patentieren im Sinne von zu sagen, das bin nur ich, das ist mein Eigentum, weil aus dem Eigentum, und das ist das Ekelhafte an dem Begriff, dieser Begriff wird genutzt, um Immaterialgüter auf Grundrechtsniveau zu heben. Und das ist ein Problem.

In Abwesenheit legitimer Ansprüche hält Schramm die Argumente der Kreativwirtschaft für pures Monopoldenken:

Ich würde es gerne an dieser Stelle historisch betrachten. Momentan sehen wir ja einen Kampf der Verwertergesellschaften oder der Verwertungsindustrie. Und diese Industrie zappelt so, wir wollen überleben, wir wollen weiterhin Milliarden einfahren, und schicken die Künstler vor.

Fazit

Julia Schramms Äußerungen zu Kreativität, Marktstruktur und geistigem Eigentum bestehen vor allem aus Ressentiments, Verschwörungstheorien und Halbwissen. Am Welttag des Geistigen Eigentums können Urheber und Verwerter sich nur wünschen, dass sie es nicht an die Spitze einer Partei schafft, die nächstes Jahr schon im Bundestag sitzen könnte.

Nachtrag 27.4.2012: Ich habe Insi Dex als Urheber des Bildes in der Bildzeile nachgetragen. Die Verwendung des Bildes war von Anfang an genehmigt, da Julia Schramm die Genehmigung hierzu auf ihrer Website erteilt (erster Link). Offenbar hat sie mit Insi Dex eine Vereinbarung dazu getroffen.



 

26 Kommentare

 
  1. (Pingback)

    [...] vergessen: In seinem Presseschauder stellt sich Christoph Keese die Frage, “Was wäre, wenn Julia Schramm Vorsitzende der Piraten würde?”. Es dreht sich “natürlich” um die Auseinandersetzung mit dem Urheberrrecht, [...]

    Kilck mich — nicht. | Oberlehrer

    20. September 2012

     
  2. (Pingback)

    [...] An diese unsägliche Kampagne “Raubkopierer sind Verbrecher” und die bewusste Kriminalisierung der Nutzer erinnere ich mich noch ganz gut. Die regelmäßigen Warnhinweise im Kino und auf DVDs halten diese Erinnerungen stets im Gedächtnis. Die Gräben der Urheberrechtsdebatte wurden schon vor Jahren sehr tief ausgehoben. Dabei schob man die Künstler gern nach vorne und jammert beim Gesetzgeber. Der auch die Gesetze zu Gunsten der Verwerter verschärfte. Und dadurch, dass die Rechteverwerter den kreativ Tätigen nur einen winzigen Bruchteil abgeben, haben entsteht bei den Nutzern ein Bild wie es Julia Schramm beschreibt (Kurz – schwurbel: Böser Verlag). [...]

    Urheberrecht: Arbeitsteilung und Zahlungsbereitschaft | der presseschauer

    2. Mai 2012

     
  3. (Pingback)

    [...] gnadenlos aus um die Unentschlossenen aus einer Richtung wegzudrängen. Auch Springer agitierte gegen Julia, aber in sehr offensichtlicher Weise, weswegen ich das auch nicht [...]

    Julia Schramm | goowell

    29. April 2012

     
  4. nichmapirat

    Tja, das hat nicht geklappt. Von der polarisierenden und bildstarken Formulierung abgesehen (einem Markenzeichen von Julia Schramm, nicht der Piraten), muss ich ihr zustimmen; trotz selektiven Zitierens ist es ihnen nicht gelungen, mich zu schockieren.

    Zudem ist es eben ihre Meinung, nicht die der Piraten, aber wie auch sonst alle Medien verstehen sie nicht die Funktion einer Parteivorsitzenden und welche Auswirkung deren Meinung auf die Basis hat (Tipp: Andersrum wird ein Schuh draus) Das mag daran liegen, dass die Altparteien sie auch nicht verstehen.

     
     
  5. Juliane Böckler

    Man könnte erst einmal damit anfangen, sich nicht für den kosten- und grenzenlosen Medienkonsum ohne Bezahlung auszusprechen und den Klassenkampf zwischen der Industrie und den Nutzern auszurufen, sondern die Nutzer zu einem fairen Verhalten gegenüber den Urhebern und ihren Verwertern aufzurufen. Damit würde man sich argumentativ (und moralisch) schon mal oberhalb derjenigen bewegen, die stumpf nach mehr Überwachung schreien.

    Andererseits würde man damit natürlich die wählende Zielgruppe verprellen. Ich gehe also mal nicht davon aus, dass sich dieser strategisch wichtige Punkt aus dem Katalog der Piraten tilgen lässt.

     
     
  6. Juliane Böckler

    Es ist meines Erachtens eine äußerst geschickte Vorgehensweise von Schramm, die recht simple Frage nach einem besseren Schutz des Urheber- und Verwertungsrechtes zu einem Klassenkampf von epischen historischen Dimensionen aufzubauschen. Es geht immerhin um Wählerstimmen – und die sichert man sich, indem man Szenarien mit Opfern und Tätern entwirft, mit Großen und Kleinen, mit Bösen und Guten.

    Ob Hartz4-Betrüger, Ausländer, Banker oder Verleger – man muss ein Feindbild schaffen und sowohl Lebensstil als auch Lebensziel dieses Feindbildes möglichst eingänglich definieren. Spätrömische Dekadenz, Killerspieler, Kopftuchmädchen, “Kaste der Kulturoligarchen” mit “dicken Geldbeuteln und Meinungsmacht”. Irgendwas geht immer, wenn man die Schraube der Dramatisierung nur fest genug anzieht.

    Die Piraten geben sich gerne als unerfahrene, aber grenzenlos idealistische und lernwillige Dilettanten. Dafür – finde ich – beherrschen sie allerdings die Klaviatur des Wahlkampfes perfekt.

     
     
    • Marcel Silhard

      Frau Böckler,

      sie haben leider nicht verstanden dass ihre Forderung nach einer besseren Durchsetzung des Urheber- und Verwertungsrechtes nur mit eine totalen Überwachung jeglicher digitaler Kommunikation durchsetzbar ist.
      Daher hat das durchaus eine “epische Dimension”!

      Oder wie könnte das ihrer Meinung nach Funktionieren?

      Vielen Dank

       
       
      • Juliane Böckler

        Herr Silhard,

        selbst bei der Frage, ob und wie morgen und übermorgen Medien verkauft und Rechte geschützt werden, gibt es Abstufungen. Es gibt durchaus die Möglichkeit, gegen eine völlig ausufernde Überwachung der digitalen Kommunikation zu sein, gleichzeitig aber weite Teile der schrillen, klassenkämpferischen Propaganda der Piraten zu hinterfragen – und die Forderung nach kostenlosem Medienkonsum für alle (ganz egal, wer’s wie bezahlt) schlicht abzulehnen.

        Am Rande: ganz möchte ich Ihrer Aussage auch nicht zustimmen. Nur die “vollständige” Durchsetzung des Urheber- und Verwertungsrechtes wäre mit einer “totalen Überwachung” durchsetzbar – es geht aber erst einmal um eine “bessere” Durchsetzung. Könnte es nicht sein, dass es zwischen dem unkontrollierten und unkontrollierbaren Zustand von heute und der dystopischen Phantasie vom überwachten und geschlossenen Netz einen Mittelweg gibt?

         
         
        • Wie soll das aussehen? Ein bisschen Überwachen und ein bisschen Sperren? Protipp: damit die Provider die von Hans-Joachim Otto gewünschten Warnhinweise verschicken können, müssen sie den Traffic ihrer Kunden überwachen.

           
           
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  8. lab

    Hallo Herr Keese,

    als Vertreter der aufrechten alten Schule der Urheberrechte sollten Sie sich doch wenigstens die Mühe machen beim Zitieren angeben, was genau Sie zitieren statt pauschal auf die Homepage von Julia Schramm zu verweisen. Nur damit niemand auf die Idee kommt, etwas könnte Sinn-entstellend zitiert worden sein.

     
     
  9. Benedikt

    Julia Schramm beschwört in ihrem Historienkitsch den Klassenkampf zwischen Nutzern und Verwertern. Das ist nicht nur methodisch eine ziemlich unterirdische Vorgehensweise, sondern auch faktisch schlicht unwahr. Kleines Beispiel: Schramm schreibt von den Verwerteroligopolen, die den Markt beherrschen und ganz nebenbei die Politik vor ihren Karren spannen. Als Gegenargument sei ihr allein folgender Wikipedia-Artikel empfohlen: http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_deutschsprachiger_Verlage. Was man sieht ist ein voll und ganz pluraler Markt. Es gibt kleine und große Verlage, junge und alte.
    Bloß die von Schramm beschriebene Weltverschwörung der Verlegerklasse lässt sich nicht erkennen.

     
     
    • Christoph Keese

      Das ist absolut richtig. Der Buch- und der Pressemarkt sind in Deutschland sehr vielschichtig und vielseitig. Hier trägt jahrzehntelange Kultur- und Wirtschaftspolitik Früchte, die sich bemüht, auch kleinen Anbietern das Überleben zu ermöglichen. Dazu wurden erhebliche Eingriffe in die Märkte vorgenommen. Zum Beispiel tragen Preisbindung, Grossomonopol und Fusionsbeschränkungen dazu bei, die Vielfalt zu sichern. Was Julia Schramm fordert, ist seit Jahrzehnte gelebte politische Praxis, übrigens mit voller Unterstützung der großen Verlage, die in dieser vielfältigen Marktstruktur auch Vorteile für sich selbst sehen. Völlig realitätsfern ist die Behauptung, der Markt sei durch Oligopole und undurchdringliche Meinungskasten geprägt.

       
       
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      • robbyb

        Wenn man den Buch- und Pressemarkt betrachtet mag das noch recht beruhigend sein. Wirft man aber einen genaueren Blick auf den Zeitungsmarkt allein ist die Konzentration der Presseerzeignisse in Form der Zugehörigkeit zu wenigen Verlags- bzw. Mediengruppen schon wesentlich deutlicher.

         
         
  10. Das Bild ist leider nur geklaut, und der Urheber (bei Twitter unter @insideX zu finden) ist nicht genannt.

    Was die Verschwörungstheorien angeht, empfehle ich ihnen dringend die Artikel von fr. Schramm auch richtig zu lesen und nicht nur Zitate zu verwenden… wie heisst es auf neudeutsch so schön: Context matters.

     
     
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      • lab

        Wie Sie ja nun wirklich wissen sollten, ist es relativ egal, was Julia Schramm dazu sagt. Maßgeblich ist der Autor – der ganz offensichtlich nicht Julia Schramm ist. Direkt neben der Einzelansicht des Bildes ist die entsprechende Lizenz angegeben: CC BY-NC-SA 3.0. Verwendung ohne Einhaltung der Lizenbedingungen ist ein unlizensierte Nutzung oder – um mit ihren Worten zu sprechen – “geklaut”.

        Aber das Urheberrecht ist einfach so kompliziert… Das müsste dringend mal überarbeitet und vereinfacht werden.

         
         
  11. Marcel Silhard

    Hallo Herr Keese,

    sie haben Recht, die Piratin drückt sich manchmal recht wunderlich aus, dass ich als Ingenieur ihr manchmal nicht folgen kann.

    Aber was ich verstehe: Es geht nicht an dass das Internet nur zur Rettung des Geschäftsmodells bis auf den letzten bit Kontrolliert wird, um Verstöße gegen das Urheberrecht zu finden.

    Piraten = Grüne
    Verleger = Energieversorger
    Atomenergie = Urheberrecht
    1980 = 2012
    Fukushima = ACTA

    Mein Fazit: 2030 wird die Welt den Piraten für die Verhinderung der Überwachungsregime danken, so wie sie heute den Grünen für die Warnungen vor der Atomkatastrophe dankt.

     
     
    • Christoph Keese

      Hallo Herr Silhard,

      danke für Ihre Anmerkung. Ich weiß nicht, ob der Vergleich zur Energiewirtschaft trägt. Die Unterschiede der beiden Branchen sind doch zu groß. Mit Sicherheit kann man das Urheberrecht nicht mit der Atomenergie gleichsetzen.

      An Julia Schramms Argumentation halte ich vor allem die Aussage für fraglich, dass der Schutz von Urhebern nur durch die Errichtung eines Überwachungsstaats möglich wäre. Dafür liefert sie keinen Beleg. Eintrittsgebühren und Einlasskontrollen sind normale geschäftliche Praxis und haben mit einem Überwachungsstaat nichts zu tun. Stalins Russland, Hitlers Deutschland und Honeckers DDR waren Überwachungsstaaten. Diese Gefahr droht sicherlich nicht, wenn man die Rechte der Urheber schützt. Die Wahl der drastischen Metapher “Überwachungsstaat” verhindert die Auseinandersetzung der Piraten mit den vielen milden, praktikablen Möglichkeiten, die es durchaus gibt, zur Errichtung eines sinnvollen Rechtsrahmens im Internet. Deswegen halte ich die Androhung eines Überwachungsstaats für kritikwürdig.

      Beste Grüße
      Christoph Keese

       
       
      • Überwachungsstaat? In Zeiten privatisierter Telekommunikationsunternehmen sollen ja nach dem Wunsch der Rechteverwerter (siehe ACTA) die Provider zu Hilfssheriffs gemacht werden. Die sollen dann am besten, so eine langjährige Forderung, Deep Packet Inspektion einsetzen, damit Urheberrechtsansprüche besser durchgesetzt werden können. Und wenn die Provider die Daten eh schon mal haben und möglichst auf Vorrat halten, dann wäre es ja ein Unding, wenn man sie Ermittlungsbehörden vorenthalten würde. Wir sind ja schließlich ein Rechtsstaat.

        “Zudem wenden sich die Piraten entschieden gegen Vorratsdatenspeicherung, Netzsperren oder Sperrung von Internetanschlüssen.

        Dieser Punkt geht klar an die Nutzer. Ihr Recht auf freien Zugang soll weiter ausgebaut werden, ohne dass die Vergütungssysteme angepasst werden, während gleichzeitig die Möglichkeiten der Sanktionen gegen unberechtigte Nutzung eingeschränkt, zumindest aber nicht ergänzt werden sollen.”, hatten Sie geschrieben

        Übrigens, diese ergänzten Sanktionsmöglichkeiten erfreuten sich in den nordafrikanischen Diktaturen reger Beliebtheit. Kein Wunder, dass Gaddafi Freund Sarkozy auf Wunsch seiner Freunde bei den Medienunternehmen HADOPI eingeführt hat. Aber nein, einen Überwachungsstaat möchte sicher niemand errichten. Wir lieben doch alle Menschen.

         
         
      • Marcel Silhard

        Herr Kleese,

        Überwachungsstaat ist sicher eine drastische Metapher, aber ich möchte doch wissen mit welchen “milden Mitteln” überwacht werden soll ob ich meiner Freundin per E-Mail ein selbst gemachtes Foto, ein geschützes Musikstück oder ein vertrauliches Dokument sende?
        Wenn sie das Urheberrecht im Internet durchsetzen wollen geht das LOGISCHERWEISE nur mit einer totalen Überwachung jeglicher Kommunikation, nicht mit “milden Mitteln”.
        Daher ist Frau Schramms Aussage meiner momentanen Meinung nach richtig, nicht “fraglich”. Sie könnten mich mit einem “Beleg” von “milderen Mitteln” gerne vom Gegenteil überzeugen.

        Wenn das Internet in seiner jetzigen Form erhalten bleiben soll, geht das nur indem sie den Nutzern vertrauen dass die Mehrheit nichts verbotenes macht, oder die Nutzer vielleicht besser aufklären.
        Konsumenten sind durchaus bereit Geld zu geben, monatlich zahle ich mehr als €100 für Theater, für Popkonzerte oder Zeitungenn und an iTunes. Bei VERNÜNFTIGEN ANGEBOTEN im Internet werden wohl die meisten Konsumenten zahlen.

        Die Nutzer wollen konsumieren, auch im Internet. Verkaufen sie doch dort was wo der Kunde nachfragt, dann muss der Nutzer zur Befriedigung seiner Bedienbedürftnisse nicht auf illegale Kopien aus dubiosen Quellen mit mangelnder Qualität zurückgreifen.
        Eine Überwachung UNSER ALLER Kommunikation (Überwachungsstaat) im Internet zur Sicherung IHRER ANDEREN Verkaufswege lehne ich ab.

        Grüße,
        Marcel Silhard

         
         

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