Warum Bild.de kein Piratensender ist





Foto: Mario Sixtus Hier dargestellt nach der Creative Commons Lizenz, ordentlich verlinkt auf Flickr, vom Urheber reklamiert, vom Blogbetreiber per Spende an Creative Commons honoriert und in den Kommentaren ausführlich diskutiert. Das Bild zeigt Markus Hündgen alias Videopunk

Markus Hündgen, auch bekannt als @Videopunk, hat in seinem ZDF-Blog den Verdacht nahegelegt, bei Bild.de könne es sich um einen einen Piratensender handeln, weil die Seite keine Fernsehlizenz besitze, obwohl sie diese wegen ihres gelegentlichen Live-Streamings doch benötige. Hier sein Beitrag, der thematisch mit YouTube beginnt, den Spiegel touchiert und dann bei Springer landet. Ich nehme mir die Freiheit, seinen Text hier einfach einmal komplett einzukopieren, denn auch Markus Hündgen ist ein Kritiker des Leistungsschutzrechts und hat gegen die kostenlose Vollübernahme sicherlich nichts einzuwenden. Im Netz soll ja Freiheit herrschen:

YouTubes Livestreaming-Angebot droht bereits vor der Markteinführung in Deutschland die Abschaltung. Damit nicht genug: Die hiesigen Mediengesetze könnten auch den Onlineangeboten vieler Verlage den Sommer verregnen.Bereits seit geraumer Zeit testet die Google-Tochter YouTube ein eigenes Livestreaming-Angebot. Zu besonderen Veranstaltungen, z.B. in Deutschland die hauseigene Talentshow „Secret Talents“, überträgt der Konzern eine Livesendung ins Internet. Seit April 2011 steht diese Möglichkeit nun ausgewählten Partnern in den USA zur Verfügung. Um den angekündigten Deutschlandstart ist es dagegen still geworden.

Fernsehsender von Jedermann

Die Bedienung des Angebotes ist kinderleicht und die technischen Voraussetzungen minimal – ähnlich den Konkurrenzangeboten der US-Dienste Livestream, ustream oder justin.tv. Der Unterschied: (Sender-)Standort und Zielpublikum des Angebotes lägen bei YouTube Deutschland. Und damit gilt das deutsche Rundfunkrecht mit seiner strengen Regulierung.

Dieses legt im 13. Rundfunkänderungsstaatsvertrag (§ 20) fest, dass die Veranstaltung von Rundfunk durch Private einer Zulassung bedarf. Die Zulassung und Kontrolle regeln die deutschen Medienanstalten. Die Regelung ist technologieneutral und umfasst somit Angebote, die über Antenne, Kabel, Satellit oder Internet verbreitet werden sollen.

Nicht mehr als 500 Zuschauer

Was Rundfunk im Internet ist, steht in Paragraph 2, Absatz 1 und 3 des Rundfunkstaatsvertrages. Demnach fallen Angebote, die linear und für einen zeitgleichen Empfang bestimmt sind, unter die Zulassungspflicht. Nur wer sein Angebot so gestaltet, dass es keinen journalistisch-redaktionellen Charakter hat oder dafür sorgt, dass weniger als 500 Nutzer gleichzeitig zuschauen können, ist nicht betroffen.

Die Zahl von 500 parallelen Zuschauern sorgte erstmalig 2008 für lautstarke Diskussionen. Damals wurde diese von der bayerischen Landesmedienzentrale in die Welt gesetzt und schnell von Experten als „willkürlich“ eingestuft. Und doch fand sie Einzug in den Rundfunkstaatsvertrag – von der Medienöffentlichkeit fast unbemerkt.

Große Ungewissheit – hohe Bußgelder drohen

Für Anbieter von Livestreaming-Angeboten ergeben sich daraus unklare Verhältnisse. Wer nur seine Freunde in Übersee an der Geburtstagsparty teilhaben lassen will, ist aus dem Schneider. Wer hingegen das Fußballspiel in der C-Kreisliga unbeschränkt ins Netz sendet, dies live kommentiert und vielleicht sogar Wochen im Voraus auf seiner Internetseite angekündigt hat, könnte ein Problem bekommen. Der Teufel steckt im Detail bzw. zwischen den Zeilen des Gesetzestextes.

Friederike Grothe, Pressesprecherin der deutschen Medienanstalten, erklärt deshalb: „Inwieweit konkrete Angebote betroffen sein könnten, muss im jeweiligen Einzelfall geprüft werden“. Es gelte immer abzuwägen, welche meinungsbildende Wirkung das Angebot hat.

Auch ein Verstoß gegen die Zulassungspflicht ist im Rundfunkstaatsvertrag geregelt. Wer ohne staatliche Erlaubnis als Rundfunkveranstalter im Netz sendet, der begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit bis zu 500.000 Euro Bußgeld geahndet werden kann.

Google zur Zulassungspflicht: „Kein Kommentar“

Für privatwirtschaftliche Unternehmen ein unkalkulierbares Risiko. Weswegen den deutschen Top-Partnern YouTubes auch mitgeteilt worden sei, dass das Livestreaming-Angebot in Deutschland nicht starten werde, erklärt zumindest ein deutscher Top-YouTuber gegenüber Hyperland.

Google-Presseprecher Stefan Keuchel: „In der Tat bieten wir in Deutschland derzeit kein Livestreaming an.“ Ob das an den gesetzlichen Rahmenbedingungen liegt, will er nicht sagen. Weiter möchte sich Google zu dem Thema nicht äußern.

Eine Handvoll deutscher YouTube-Partner besitzt bereits Zugang zum Livestream-Angebot. Dies scheint allerdings mehr eine Panne als gewollt zu sein. Der Münchner Journalist und Medienberater Michael Praetorius gehört zu den Nutznießern. Allerdings sei das Angebot „tageweise da und wieder weg.“

YouTubes Livestreaming-Angebot steht damit in Deutschland auf wackligen rechtlichen Füßen. Denn auch die eigenen Live-Sendungen könnten Zulassungspflichtig sein. Klarheit würde ein Zulassungsantrag bei den Medienanstalten bringen. „Bis jetzt hat YouTube aber noch keinen Antrag auf Zulassung einer Rundfunklizenz gestellt“, verdeutlicht Friederike Grothe.

Auch Verlage betroffen

Nicht nur YouTube möchte zunehmend auf Livestreaming setzen: Vor allem die deutschen Verlage experimentieren seit geraumer Zeit mit der Möglichkeit, Bewegtbildinformationen kostengünstig und unmittelbar ihren Nutzern zur Verfügung zu stellen. Die beiden Branchenführer Spiegel Online und Bild sind ebenfalls gern „auf Sendung“. Im Juni 2011 startete der Hamburger Verlag unter spiegel.tv eine Mediathek aus Beiträgen von Spiegel TV und Spiegel Online, welche zudem über einen klassischen linearen Kanal verfügt, auf dem rund um die Uhr Videos gesendet werden. Für dieses Angebot wurde eine Rundfunklizenz erteilt.

Springer ohne Lizenz?

Bild.de überträgt ganze Fußballspiele der spanischen Primera Division und ist bei den Hochzeiten europäischer Adelshäuser live dabei. Zuschauerzahlen möchte die Pressestelle des Axel Springer-Verlages nicht nennen. Die Livestreams seien Versuche innerhalb des journalistischen Angebots und würden sehr unterschiedlich angenommen. Auf die konkrete Frage, ob es für diese Angebote eine Rundfunklizenz gebe, heißt es von der Pressestelle Axel Springer lapidar: „In jedem Fall verfügen wir über die entsprechenden Nutzungsrechte.“

Leider reicht es in Deutschland aber nicht mehr aus, nur die notwendigen Rechte am Material zu haben.

Soweit das Zitat, will sagen: die Komplettübernahme. Hündgens Beitrag löste großes Echo in der Blogosphäre aus. Er legte mit einem Interview bei Werben & Verkaufen nach. Sixtus wählte die W&V-Überschrift („Bild.de ein Piratensender?“) zur Überschrift des Tages.

Dennoch stimmt diese knackige Behauptung nicht. Telemedien wie Bild.de unterliegen den Regelungen des Telemediengesetzes (TMG), des Rundfunkstaatsvertrages (RStV) sowie der medienrechtlichen Aufsicht der zuständigen Landesmedienanstalt. In den Gesetzen ist klar geregelt, dass Telemedien anders als private Rundfunkanbieter ausdrücklich keiner medienrechtlichen Zulassung bedürfen. Dies gilt übrigens auch für reine Web-Radios.

Hündgen wirft die Frage auf, ob Bild.de nicht schon per Definition des Rundfunkstaatsvertrags als Rundfunk-Angebot gilt. Es gebe doch ein journalistisch-redaktionelles Angebot, das mit seinem Live-Stream unbestritten mehr als 500 Nutzer parallel erreiche. Doch gemäß Rundfunkstaatsvertrag fallen nur Angebote, die linear in eine Sendefolge eingebettet und für einen zeitgleichen Empfang bestimmt sind, unter die Zulassungspflicht. Bild.de bietet zwar hin- und wieder Livestreaming, aber gewiss keine fernsehtypische Sendefolge und auch kein lineares Bewegtbild-Programm. Für den Abdruck in einer Programmzeitschrift wäre Bild.de mangels Programm gänzlich ungeeignet. Gelegentliches Streaming zu besonderen Ereignissen ist etwas anderes als ein Programm, und nur wer ein Programm bietet, unterliegt der Zulassungspflicht.

Die Behauptung, dass die zeitgleiche Nutzung von mehr als 500 Usern ein Website automatisch zum Sender mache, ergibt sich keineswegs aus dem Staatsvertrag. Darin steht vielmehr, dass Angebote, die weniger als 500 zeitgleiche Nutzer erreichen, nicht unter Rundfunk fallen. Daraus kann man nicht den Umkehrschluss ziehen, dass alles, was über 500 potentielle Nutzer bedienen kann, in jedem Fall einer Zulassung bedarf. Einmal abgesehen davon, dass die 500-Nutzer-Grenze ist der Fachwelt hoch umstritten ist, willkürlich in Analogie zum Kabelfernsehen gesetzt wurde und mit den tatsächlichen Größenordnungen im heutigen Internet nicht mehr mitkommt. Unklar ist, auf welche Kapazität diese Grenze eigentlich abstellt. Auf die Kapazität der Serverfarm, bei der das Videoangebot gehostet wird? Dann gäbe es so gut wie keine Website, die kein Fernsehsender ist. Insofern hat Videopunk Hündgen mit seiner Kritik an der gesetzlichen Vorschrift Recht.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Dass Vorschriften unklar sind, bedeutet natürlich nicht, dass man sie nicht einzuhalten hat. Im Gegenteil: Gesetz ist Gesetz. Wir sind allerdings sicher, dass diese Vorschrift für sich allein genommen nicht zu einer Lizenzpflicht von Bild.de führt, da es sich mangels Programm eben nicht um eine fernsehtypische Sendefolge handelt.

Warum beantragen wir nicht einfach eine Lizenz, um auf der sicheren Seite zu sein? Weil wir mit Bild.de kein Fernsehprogramm veranstalten. Es gibt keinen Grund, eine Fernsehlizenz für etwas zu beantragen, was kein Fernsehen ist. Sollten wir uns eines Tages dazu entschließen (was hiermit keineswegs angekündigt oder in Aussicht gestellt werden soll) ein Fernsehprogramm im Internet anzubieten, beantragen wir natürlich eine Lizenz, sofern dies dann noch gesetzlich vorgeschrieben ist.

Bild.de ist übrigens das einzige Portal, auf dem wir derzeit mit Live-Streams experimentieren. Die Ergebnisse sind sehr unterschiedlich. Wir sammeln Erfahrungen und leiten daraus im Laufe der Zeit die weiteren Schritte ab.

Nachtrag:

Markus Hündgen hat heute in der Kommentarfunktion dieses Blogs auf meinen Beitrag geantwortet. Weil man die Kommentare nicht auf den ersten Blick sehen kann, hier sein Text. Und darunter meine Antwort.

Hallo Herr Keese,

ich möchte Ihnen danken. Nachdem Ihre Pressestelle auch auf Nachfrage keine aussagekräftige Auskunft geben wollte und selbst die Berichterstattung in einem Ihrer Medien (Computerbild, http://j.mp/pwmfu7) keine Erkenntnis brachte, bezieht nun der Konzerngeschäftsführer persönlich Stellung zu der Thematik.

Bevor wir in die Thematik “Livestreaming” einsteigen, ein kurzer freundlicher Hinweis. Von mir aus können Sie den komplettzitierten Blog-Eintrag auf Papierhütchen drucken und einer Rasselbande zeitungslesender Menschenaffen als Supplement spendieren. Nur bezweifle ich, dass das ZDF, als Eigentümer der Nutzungsrechte, nichts dagegen hat. Aber hey, Leistungsschutzkritiker haben’s nicht so mit dem Nutzungsrecht, oder?

Da die Formalitäten nun abgefrühstückt sind, können wir uns der eigentlichen Thematik widmen. Erfreulicherweise liegen wir dort auf einer Linie. Sie halten die gesetzliche Regelung für unklar, bemängeln die Willkürlichkeit der “500?. Und schreiben ja selbst: “Insofern hat Videopunk Hündgen mit seiner Kritik an der gesetzlichen Vorschrift Recht.”

In einem Punkt scheinen wir anderer Meinung zu sein: Sie führen die nicht vorhandene Linearität des Livestreaming-Angebotes bei bild.de als Hauptargument wider einer Rundfunklizenz an. Doch ab wann beginnt Ihrer Meinung nach Linearität? Ich erinnere mich an den Livestream (u.a. bei bild.de UND welt.de) zur britischen königlichen Hochzeit im April 2011. Wie viele Stunden am Stück bzw. linear haben Sie aus London berichtet?

Ist somit bild.de kein Piratensender? Oder doch? Warum lassen Sie nicht einfach die Medienanstalten entscheiden. Bei vielen kleinen professionellen und semi-professionellen Livestreamern herrscht große Rechtsunsicherheit. Wie vorbildlich wäre es, wenn die Axel Springer AG beherzt einen Präzedenzfall schaffen würde. Die Lizenzgebühren sind doch ein Fall für die Portokasse. Und zehntausende Blogger und YouTuber würden es Ihnen mit Kusshand danken.

Meine Antwort:

Hallo Herr Hündgen,

vielen Dank für ihre sachliche und konstruktive Antwort. Ich freue mich, dass ich mit meinem Beitrag zur Erläuterung unserer Position beitragen konnte. Danke, dass Sie die Komplettübernahme Ihres ZDF-Textes mit Humor hingenommen haben. Ich denke, dass man auch beim ZDF meinen ironisch gemeinten Seitenhieb in Sachen Leistungsschutzrecht richtig verstanden hat. Beim Copyright sind Verlage und öffentliche Sender weitgehend einer Meinung. Geistiges Eigentum muss geschützt werden, illegale Kopien sind schädlich und unfair – dafür treten ARD und ZDF ebenso wie wir schon lange ein. Viele Blogger kritisieren diese Haltung und bekämpfen ein Leistungsschutzrecht für Presseverlage. Da kann ich mir es nicht verkneifen, Kritikern des Leistungsschutzrechts hin und wieder vorzuführen, wie unangenehm ungenehmigte Kopien sind. Unseren Websites und Autoren widerfährt das täglich tausendfach.

Zur Sache: Gegen die willkürliche 500er-Grenze sollten wir uns mit den genannten guten Argumenten künftig gemeinsam wenden. Nach meinem Eindruck stößt man damit in der Politik auf offene Ohren. Ich habe eigentlich noch niemanden getroffen, der diese Regel aus voller Überzeugung verteidigt. Sie wird nach meinem Eindruck von vielen als Notlösung gesehen. Vielleicht gelingt es Ihnen und uns, in der öffentlichen Debatte Alternativvorschläge zu erarbeiten.

Sie sprechen auch die Frage der Linearität an. In der Tat gab es einen Livestream zur britischen Hochzeit. Ein Livestream beginnt per Definition zu einer bestimmten Zeit, anders als ein Video-on-Demand-Angebot, das zu jedem beliebigen Zeitpunkt herunter geladen werden kann. In diesem Punkt folge ich Ihnen. Nach unserer Auffassung heißt „live“ aber keineswegs „linear“, ganz unabhängig von der Länge des Beitrags. Linear bedeutet: eine festgesetzte, für den Empfänger unabänderliche und vom Absender nicht unterbrochene Folge von Beiträgen.

Insofern ist das Wort „linear“ kein schlecht gewählte Metapher. In der Mathematik ist eine Linie eine stetige, mithin ungebrochene Abfolge unendlich dicht gesetzter Punkte. Mit diesem Vergleich ist das Programm eines klassischen Fernsehsenders doch treffend beschrieben: Die Programmpunkte fügen sich lückenlos und stetig aneinander; ihre Abfolge kann vom Empfänger nicht geändert werden. Um im Bild der Mathematik zu bleiben: Die einzelne Sendung ist der Punkt, das ganze Programm ist die Linie. Das Live-Streaming der britischen Hochzeit war daher ein Punkt, jedoch keine Linie. Anders ausgedrückt: Videos auf Bild.de bilden eine Punktwolke, aber keine Programmlinie. Genau hier wollte der Gesetzgeber nach unserer Auffassung die Grenze ziehen. Telemedien sind das eine, Rundfunkveranstalter das andere.

Theoretisch könnte sich ein Telemedium zum Rundfunkveranstalter weiter entwickeln. Wenn Bild.de erst eine Hochzeit streamen würden, um dann im selben Stream nahtlos ins Fußballstadion umzuschalten, von wo aus es zu den Nachrichten ginge, bevor der Krimi startet und so weiter und so fort – dann wäre Bild.de gewiss ein lizenzpflichtiger Sender. Aber genau das tut Bild.de heute nicht. Wir schließen es für die Zukunft weder aus noch kündigen wir es an. Wir weisen lediglich darauf hin, dass Bild.de heute kein lineares Programm darstellt.

Warum schafft Springer nicht einfach einen Präzedenzfall und beantragt eine Lizenz, fragen Sie. Die Kusshand zehntausender Blogger und YouTuber, die Sie in Aussicht stellen, wäre ein ungewohnter und verlockender Anreiz. Aber allein dafür können wir uns nicht einer quasi staatlichen Regulierung unterwerfen, wenn wir es nicht müssen. Zeitungen und journalistische Websites, also gedruckte und elektronische Presse, unterliegen keiner staatlichen Aufsicht. Wir halten diesen Umstand für eine demokratische Errungenschaft.

Ich möchte einen Livestream der britischen Hochzeit zwar nicht zur Frage der Pressefreiheit stilisieren, aber um für Verständnis dafür werben, dass Journalisten und Verlage ihre Staatsferne hoch wertschätzen. Wenn es nicht sein muss, werden wir lieber nicht, auf jeden Fall nicht mehr als nötig von einer öffentlichen Behörde reguliert. Das heißt nicht, dass wir verantwortungslos wären oder uns einer Rechenschaftspflicht entziehen wollten. Wir sind Rechenschaft schuldig – unseren eigenen ethischen Standards, dem Presserat und den ordentlichen Gerichten, vor denen uns jedermann verklagen kann. Vor der Judikative Rede und Antwort zu stehen ist etwas anderes, als von den Landesmedienanstalten beaufsichtigt zu werden, so sympathisch und kompetent sie auch sind. Ich schätze den Umgang mit Landesmedienanstalten außerordentlich. Dort arbeiten viele kluge, tüchtige Menschen. Für einen kritischen Dialog mit ihnen sind wir immer zu haben. Aber eine formelle Aufsicht durch die Landesmedienanstalten für unsere journalistischen Angebote können wir uns nicht wünschen, so lange wir die Tatbestandsvoraussetzungen des Fernsehens nicht erfüllen.

Noch einmal zur Vermeidung von Missverständnissen: Wir respektieren das Gesetz. Bild.de benötigt jetzt jedoch nach unserer Auffassung keine Lizenz. Ohne Not sollten wir sie nicht beantragen.

Nachtrag: Antwort auf einen Beitrag von Herrn Hündgen in seinem Blog am 18. Juli 2011

Hallo Herr Hündgen,

am Telefon hatten wir tatsächlich besprochen, unsere Diskussion in den Blogs weiterzuführen, aber gemeint war die Diskussion über Creative Commons, Urheberrecht, Leistungsschutzrecht und Webökonomie. Über Rundfunkrecht lohnt die ausführliche Debatte kaum. Wir sind uns einig, dass die Rechtslage seitens des Gesetzgebers geklärt werden sollte, um Rechtssicherheit zu schaffen und Investitionen zu fördern. Auch einig sind wir uns, dass eine Beaufsichtigung von Videos im Web durch Landesmedienanstalten nicht erstrebenswert ist. Damit bleibt nur die Frage, welches Angebot heute einer Fernsehlizenz bedarf und welches nicht. Darüber lässt sich aber schwer diskutieren. Meine Auffassung hatte ich geschildert, und es hat sich nichts an ihr geändert, auch nicht durch andere Auffassungen, die seitdem dargestellt wurden.

Deswegen wäre dies eine unergiebige Debatte. Lassen Sie uns lieber über die Frage diskutieren, wie Kreative im Netz von ihrer Arbeit leben können.

Beste Grüße
Christoph Keese

PS: Einen Ablassbrief habe ich nicht unterschrieben, sondern ich habe ein rechtmäßiges Honorar überwiesen. Ihren Text und Marios Sixtus’ Foto hatte ich absichtlich und mit Ansage rechtswidrig kopiert, um die Wichtigkeit des Copyrights zu demonstrieren. Die Gerechtigkeit folgte auf dem Fuße, und die Demonstration ist gelungen. So einfach sollte es immer laufen im Internet, tut es aber nicht, da Verlage kein eigenes Schutzrecht haben und ihre Rechte oft nicht so gut durchsetzen können wie Autoren.

 



 

86 Kommentare

 
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    “Die Regelung ist natürlich nicht Ideal auf der anderen Seite kann man die Angebote in Deutschland, die es schaffen mehr als 500 GLEICHZEITIGE Streams auszuliefern und keine Sendelizenz haben oder sich keine leisten können wohl an einer Hand abzählen”

    Bei Livestream, Ustream, Stcikam und Justin kostenlos.
    Da habe ich schon einen leeren Teller gesehen der erreichte 1000+ Zuschauer (ist einsehbar). 500 sind da kein Problem, wahrscheinlich auch 500.000.
    Nur weil da angeblich ein Hund zu sehen sein soll.
    Der Computerclub im WDR hatte 100.000 Zuschauer.

    Das einzige was da noch unprofessionell ist, ist die Bildqualität. Evtl. ein Viertel von PAL.
    Da sollten sie wenigstens mal sauberes PAL senden. Besser 1080p. Notfalls für einen kleinen monatlichen beitrag. Man bezahlt ja auch für Webhosting, wenn einem die kostenlosen Angebote nicht reichen.
    Wenn man sich mal Rhein-Main-TV über Astra ansieht… Das ist evtl. vergleichbar.

    Die Piraten bekämen aktuell bei einer Bundestagswahl 10%. Mal sehen wo die 2013 stehen.
    Ein eigener Sender (aus Protest natürlich ohne Lizenz) wäre für so eine Partei eigentlich schon obligatorisch.
    Da könnte aber auch jeder Anhänger machen.
    Da könnte man die Partei so schlecht belangen oder zur Einstellung zwingen, wie die Sinn Fein für die Anschläge der IRA…

    Google hat sich gegen China entschieden, und kann das auch mit Deutschland machen.
    Wozu braucht Google die Niederlassung in Hamburg?
    Nur wegen der de-Domain?
    Pffft, das geht auch über die com-Domain mit Umleitung nach de.Google.com. Ist doch aktuell genau so.
    Die Deutschen Behörden sollen froh sein dass Google beim StreetView-Schwachsinn mitgemacht hat.
    Aber kein YouTube Live, das ginge zu weit.
    Könnte YoUTube überhauot eine Sendelizent beantragen? Das ist ja kein Sender.
    Das wäre so, als ob Astra eine Deutsche Lizenz beantragt, und dann jeder Deutsche da ohne Lizenz senden könnte.
    Ich bin auch gegen Lizenzpflicht bei Astra (was für Rechte hat Deutschland an einem ausländischen Satelliten?), aber der Vergleich dürfte verständlich sein.

    Und wenn das tatsächlich ginge, wie läuft das dann ab? Sperrt YouTube den Kanal eines Deutschen, wenn eine Deutsche Behörde das verlangt.
    Wenn ein US-Bürger einen Deutschsprachigen Kanal betreibt aber nicht?

    YoUTube-Live würde doch mit Sicherheit auch in Google-TV integriert.
    Dann ist jeder dieser Kanäle auf einem Sendeplatz gleichberechtigt neben ARD, ZDF, RTL und co. möglich.
    Denn den Sendeplatz bzw. die Programmnummer bestimmt ja der Zuschauer auf dem eigenen Gerät.
    Da kann Krawall-TV auch auf Platz 4 zwischen WDR und RTL liegen.
    Naja, wenn YouTube Live nicht für Deutsche verfügbar ist, könnte ein anderer US-Anbieter dies ermöglichen.
    Und da Google-TV “alle” Streams im Netz einbinbar machen will, könnte der Deutsche “Piratensender” doch noch auf Google-TV-Geräten Online gehen.
    2012 soll Google TV auch in Deutschland durchstarten. Evtl. schafft es Google im TV-/TV-Receiver-Bereich ählich erfolgreich einen Standard durchzusetzen wie die Vielfalt an Anbdroid-Geräten verschiedener Hersteller.
    Dass es immer noch massig kleine Insellösungen im TV-Receiver-Bereich gibt stört mich.
    Auch wenn man ein Gerät mit Engma2 hat (Vu+ oder Dreambox…) wünscht man sich etwas dass eine größere Gemeinde hinter sich hat. So wie bei Android. Gerade wenn man Enigma2 mit seinem “PlugIns” (quasi “apps”) kennt, weiß man was eigentlich möglich sein könnte, würde z.B. eine Google-TV-Firmware auf vielen Boxen diverser Hersteller existieren.

    „Inwieweit konkrete Angebote betroffen sein könnten, muss im jeweiligen Einzelfall geprüft werden. Es gelte immer abzuwägen, welche meinungsbildende Wirkung das Angebot hat.“

    Soll heißen dass man z.B. den Sendebetrieb verbietet, wenn man damit Meinung bilden kann. Evtl. politische Stimmung gegen die etablierten Parteien erzeugen kann. Was ja absolut legitim währe. Demokratischer als wenn Wahlkampf aus gephotoshopten Grinsebildern mit Inhaltsloses Floskeln daneben besteht.

    Wenn ich schon “Meiunungsbildende Wirkung” lese, kriege ich das kotzen.
    Was sagt das aus? Dass der ungebildete Meinstreampöbel keine “echte” eigene Meinung haben kann.
    Dass man hier Kleinkinder vor dem “schlechten” Einfluss schützen muss.

    Ich wünsche mir für Deutschland, dass durch die Verbreitung von schnellen Internetzugängen und TV-Receivern und Geräten die Internet-TV bzw. Streams empfangen können, “Guerilla-Sender entstehen.
    TV-Sender die aus privaten Kellern/Wohnzimmern… betrieben werden. Die von Deutschen Behörden nicht zurück zu verfolgen sind.
    Denn es ist ja nötig dass sie über einen Streaminghoster senden. Das ist vergleichbar mit einem Webhoster. Man könnte als Privatperson auch seine Webseite (wie diese hier) auf dem Rechner daheim ablegen, nutzt aber meist so genannte Webhoster (T-Online, 1und1, All-Inklusive…) dafür. Das liegt an der begrenzten Bandbreite mit der man von daheim senden kan.
    Mit maximal 10Mbit Upload bei einem 50Mbit-Anschluss (50Mbit ist nur der Download) kann man schon in bester Standard-Auflösung, oder HD wie es aktuell gesendet wird senden, aber nur für einen Empfänger.
    Jeder Empfänger braucht ein paar Mbit.
    Nur 1000 Zuschauer wären schon an die 10.000 Mbit Upload (und 10 sind aktuell Maximum).
    Daher sendet man an einen Streming-Provider, der das Live-Video dann an jeden Zuschauer sendet. Aktuell gibt es z.B. Livestream, Ustream, Stickam usw..
    Da kann jeder seinen eigenen Kanal eröffnen vergleichbar mit YouTube in der Aufmachung, aber es ist Live. Wenn ich da jetzt online gehe, können mit tausende oder zigtausende oder mehr zugleich zusehen. Leider aktuell in recht mieser Bildqualität, da auch für solche Provider mit verhältnismäßig dicken Leitungen die Datenmengen sehr hoch sind.

    Was, solche Internet-Streams erreichen nicht die Masse?
    Ja, dafür müsste es gleichbereichtigt neben ARD, ZDF, WDR, RTL usw. auf die TV.Bedienung gelegt werden können.
    Und genau das plant z.B. Google-TV Die wollen als Alternative zu Kabel oder Sat die TV-Sender kostenlos über das Internet empfangbar machen. Über spezielle Empfänger oder TV-Geräte.
    Sony hat z.B. einen solchen Empfänger. Das läuft wie bei Google Android auf Geräten diverser Hersteller.
    Egal ob Sony, Philips, Samsung usw., die können das alle integrieren.
    Der Nutzer hat dann nicht nur die großen TV-Sender auf eseinem Gerät, sondern könnte auch so einen Livestream aus einem nicht zurückverfolgbaren keller auf eine Programmnummer legen.
    So kommt der Guerilla-TV-Sender die kein Gesicht, keine Stimme und keine Firmenschilder verfremdet (außer natürlich der Personen die sie vor der Deutschen staatlichen Verfolgung schützen wollen) und sogar noch Klarnamen und Personalien nennt auf jeden TV.
    Auch auf den von Oma Erna. Entweder stößt sie im intuitiven Menü selbst auf den Sender, oder ihr Kind oder Enkel setzen es ihr rein.
    Denkbar wären auch Händler die solche Fernseher oder Boxen mit fertigen Listen versehen, und so diese Sender verbreiten. Der Käufer kann sie ja immer noch löschen, wenn er sie nicht mag.
    Aber ich “befürchte” (hoffe) dass so ein Sender der Behörden, einzelne Beamte usw. ohne Zensur anprangert einen gewissen Reiz auf die meisten Menschen hätte.
    Ein wenig der Reiz des “verbotenen”. Auch wenn der Sender selbst von Polizei, Justiz und Geheimdienst unter Verfolgung stünde, wäre es auch in Deutschland schlecht möglich es zu verbieten ihn zu sehen.
    Das hätte was von “Hört keine Feindsender”.

    Ich glaube ich schätze die große Masse richtig ein, wenn ich behaupte dass sie es gut finden, wenn es in anderen Ländern so genannte “Oppositionssender” gibt.
    Z.B. einen Sender der aus Frankreich (ich meine es war FR) ein Programm für Weißrussland macht. Gegen das dortige Regime.
    Das findet der Mainstreamgutmensch in Deutschland ganz toll. Ganz tolle “Demokratie”.

    Aber was würde der Deutsche zu Deutschen Sender dieser Art sagen?
    Da kommt dann die Nazikeule. Es dürfe in Deutschland keine Radio/TV-Sender geben die politische Interessen (und damit meine ich nicht speziell auf eine Partei bezogen) verfolgen, Propaganda im Dritten-Reich, bla-blubb…
    Das ist doch absolut verlogen. Es ist kein Zeichen von Demokratie wenn man so etwas ablehnt oder verbietet (Sendelizenzen).
    Im Gegenteil, es ist demokratisch wenn es so etwas gibt.
    Und da darf man Deutsche Gesetze nicht einfach als durchgehend legitim ansehen.
    “Legitim” bedeutet nich legal. Legitim bedeutet dass etwas “richtig” ist.
    Das bedeutet dass z.B. ein Oppositionssender in Weißrussland auch gegen dortige Gesetze verstoßen kann, wenn diese nicht legitim sind. Genau so in Thailand. Deren Oppositionssender wurde ja schon mal zeitweise lahmgelegt.
    In Deutschland wäre das nicht anders. Da verstößt man dann halt auch gegen StGB 185 und Co..
    Verunglimpft evtl. auch mal Flagge und Hymne der BRD (90a), beileidigt den Bundespräsidenten (“Mayestätsbeleidigung” nach StGB 90) usw.. Oder veröffentlicht unzensiert heimlich gemachte Aufnahmen ohne “nachsprechen” oder “nachgestellt” (201).
    Oder prangert Misstände an, und nennt Klarnamen mit Wohnort oder Dienststelle.

     
     
  9. (Pingback)

    [...] Christoph Keese, der “Konzerngeschäftsführer Public Affairs der Axel Springer AG”, veröffentlichte auf seinem privaten Blog presseschauder einen Beitrag, in dem er einen “Kritiker des Leistungsschutzrechts” kritisierte. Hintergrund: Der [...]

    Das Recht am eigenen Bild Teil II: die Graustufen der Praxis

    23. September 2011

     
  10. (Pingback)

    [...] oder endet, bietet linear an“, verdeutlicht Fuchs. Damit vertritt er eine anders gelagerte Auffassung als Christoph Keese vom Verlag Axel Springer. Dieser sieht Linearität als mathematisches Kriterium [...]

    Goodbye, Sendelizenz

    31. August 2011

     
  11. (Pingback)

    [...] Ist ja interessant, wie Christoph Keese Linearität mathematisch herleitet: „Insofern ist das Wort „linear“ kein schlecht gewählte Metapher. In der Mathematik ist eine Linie eine stetige, mithin ungebrochene Abfolge unendlich dicht gesetzter Punkte. Mit diesem Vergleich ist das Programm eines klassischen Fernsehsenders doch treffend beschrieben: Die Programmpunkte fügen sich lückenlos und stetig aneinander; ihre Abfolge kann vom Empfänger nicht geändert werden. Um im Bild der Mathematik zu bleiben: Die einzelne Sendung ist der Punkt, das ganze Programm ist die Linie. Das Live-Streaming der britischen Hochzeit war daher ein Punkt, jedoch keine Linie. Anders ausgedrückt: Videos auf Bild.de bilden eine Punktwolke, aber keine Programmlinie. Genau hier wollte der Gesetzgeber nach unserer Auffassung die Grenze ziehen. Telemedien sind das eine, Rundfunkveranstalter das andere.“ Christoph Keese [...]

    Linearität mathematisch? Oder juristisch? | der presseschauer

    17. Juli 2011

     
  12. Keese

    Nur nebenbei: Ich fand Ihre wirtschaftspolitischen Kommentare in der guten alten Zeit spannender … . Aber immerhin ist es eine Erkenntnis, dass das Subsystem Medien noch funktioniert, selbst wenn die Scheiße am Dampfen ist, um das Wort eines ehemaligen Bundeskanzlers aufzunehmen.

     
     
  13.  
  14. Markus Beckedahl

    Hallo Herr Keese,

    darauf, dass das Urheberrecht etwas kompliziert ist, können wir uns mittlerweile sicherlich einigen. Leider verletzen Sie immer noch die von Mario Sixtus verwendete Creative Commons Lizenz. Er gibt davon sechs Lizenzen für den deutschsprachigen Raum. Sie müssen die verwendete Lizenz genau definieren, um den Lizenzvertrag auch zu erfüllen. Das macht man optimal neben der korrekten Bezeichnung durch einen Link auf die jeweilige Lizenz. Sonst ist es ja für andere Menschen nicht eindeutig, welche Nutzungsfreiheiten und Bedingungen der Urheber definiert hat

    Kleiner Tipp für diesen Fall: http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/de/

    Viele Grüße,
    Markus Beckedahl

     
     
  15.  
  16. Ich würde auch gerne wieder auf das TV und Livestreaming-Thema zurückkommen.

    “Doch gemäß Rundfunkstaatsvertrag fallen nur Angebote, die linear in eine Sendefolge eingebettet und für einen zeitgleichen Empfang bestimmt sind, unter die Zulassungspflicht. Bild.de bietet zwar hin- und wieder Livestreaming, aber gewiss keine fernsehtypische Sendefolge und auch kein lineares Bewegtbild-Programm.”

    Ist es nicht so, das eine lineare Einbettung in eine Sendefolge, spätestens seit die moderne Technologie es erlaubt zeitversetzt zu empfangen, obsolet als Begründung?
    Natürlich gilt dies nur für TV-Konserven nicht für Live-Sendungen.
    Aber was unterscheidet eine solche TV-Konserven, die ich mir letztendlich auch auf dem Fernseher ansehen kann wann ich will, unabhängig von einer vorgegebenen linearen Sendefolge, von einem Video auf Youtube?

    Also würde man beispielsweise die Videos des BildOnlineTV Channels (lustig, das der so heißt, ist aber ja vielleicht gar kein offizielles Angebot von Axel Springer) http://www.youtube.com/user/BildOnlineTv
    in einem Loop abspielen eine eben solche Sendefolge entstehen?

    Und was unterscheidet einen solchen Channel von SpiegelTV, die eine Sendelizenz beantragt haben?

     
     
    • Hi Picki :)

      Ich stimme dir zu. Der Begriff Linearität braucht ebenso eine digitale Neuausrichtung wie z.B. der Begriff Kopie.

      Im Falle der Livestreams bei bild.de wiederhole ich, weil in den LSR-Wehen untergegangen, meinen gestrigen Einwurf.

      “Wenn ich mich richtig erinnere – bitte korrigieren Sie mich ansonsten – war der fünfstündige Livestream-Marathon zur britisch-royalen Hochzeit kein dumpfes Livesignal, sondern es wurden durchaus verschiedene Sendeelemente integriert.

      In der offiziellen Pressemitteilung nach dem Event heißt es demnach:

      “Neben der Live-Sendung bot Deutschlands größtes News- und Entertainment-Portal unter http://www.bild.de außerdem Tweets aus London, detaillierte 3D-Grafiken und ein Community-Tool, über das sich die User live austauschen oder Fragen an die Experten ins Studio stellen konnten. Mehr als 300.000 Facebook-User nahmen an der interaktiven Sendung von BILD.de teil und sorgten für mehrere tausend Kommentare im Chat.”

      Es gab also eine sehr aufwändige redaktionelle Leistung, verschiedene Sendeelemente und sogar ein Studio mit Experten. Und das über fünf Stunden lang.

      Auch zum Erfolg hält die Pressestelle sich nicht zurück:

      “Zum ersten Mal übertrug das Nachrichtenportal eine Veranstaltung live aus dem Ausland und war mit eigenen Kamerateams vor Ort. In der Zeit von 10.00 bis 15.00 Uhr erzielte BILD.de mehr als drei Millionen Abrufe des Live-Streams aus London und dem eigenen Studio aus Berlin. Zum Höhepunkt der Hochzeitszeremonie in Westminster Abbey verfolgten über 85.000 User gleichzeitig die Übertragung auf dem Onlineportal. Mit dem Live-Event erreichte BILD.de ein Plus von 40 Prozent bei den Visits im Vergleich zu einem durchschnittlichen Freitagvormittag.”

      85000 Zuschauer gleichzeitig zur Spitzenzeit. Insgesamt 3 Mio. Zuschauer. Damit würden Sie bereits sichtbar bei einer TV-Quotenmessung abschneiden.

      Interessanterweise schließt die Pressemitteilung mit einem Statement ihres Web-TV-Chefs Daniel Durst (den ich übrigens fachlich sehr schätze) mit den Worten: “”Wir haben redaktionell wieder viel Neues ausprobiert – und wie die Abrufzahlen und die vielfältige Beteiligung der BILD.de-User zeigen, haben wir online eine sehr überzeugende Alternative zu den zahlreichen aktuellen Fernsehsendungen geboten.” Eine sehr überzeugende Alternative – zum Fernsehen. Sprich: Rundfunk.

      Ihre eigene Pressemitteilung zum Nachlesen finden Sie übrigens u.a. hier: http://j.mp/qlHAfq

      Übrigens halte ich nach geltendem Recht das Livestream-Angebot von bild.de weiter für zulassungspflichtig. Und die jetzige Regulierung solcher Angebote durch die Landesmedienanstalten trotzdem für ein Relikt der Prä-Internet-Zeit.

       
       
  17. Zusammengefasst ist Bild.de also kein Piratensender, weil es sich nicht lohnt diesen in eine Programmzeitschrift zu schreiben. Klingt “einleuchtend”.

     
     
  18.  
  19. (Pingback)

    [...] Warum Bild.de kein Piratensender ist (der presseschauder) – … während Christoph Keese vom Axel Springer Verlag erklärt, warum BILD doch kein Piratensender sei … [...]

    Links anne Ruhr (15.07.2011) » Pottblog

    15. Juli 2011

     
  20. Nils

    i like / +1

    vielen dank für die gute unterhaltung. würden doch bloß alle erzeugnisse der axel springer ag diesen wert haben.

    gute nacht. und bitte nicht aufhören.

     
     
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  22.  
  23. Mosez Ocean

    Ich kann mich irren, aber sagt die CC Lizenz nicht auch aus, dass nicht nur Author sondern auch Lizens zu nennen sind?

    Gruss, M.ocean

     
     
  24. Lieber Herr Keese.

    Sie schreiben: “Eine Minderheit argumentiert entweder fundamental gegen jede Form von Schutz geistigen Eigentums (…)”

    Das ist interessant: Aus den “vielen Kritikern” in Ihren obigen Kommentar wurden hier schon “eine Minderheit”. Vielleicht sollte ich weiter danach fragen, wen genau Sie damit meinen, ob Sie Namen, Zitate oder gar Links für mich haben? Vielleicht wird diese Minderheit dann ja noch weniger oder verschwindet gar ganz?

    “… oder tritt für eine Urheberrechtsreform à la Lawrence Lessig zur Förderung von Remix ein.”

    Ich würde mich freuen, wenn Sie sich ein wenig näher mit dem Werk von Lawrence Lessig beschäftigten, bevor Sie ihn pauschal unter “Remix” (wie in diesem Kommentar) und “Remix” wiederum unter “jeder [darf] alles nehmen und weiterverarbeiten” (wie in dem Kommentar darüber) abheften würden.

    Generell halte ich es für nicht besonders anständig (und ich meine jetzt nicht nur Ihre Beiträge hier, sondern den Großteil Ihrer Lobby- und PR-Arbeit für ein Leistungsschutzgeld), dem politischen Gegner Äußerungen und Standpunkte zu unterstellen, die dieser niemals artikuliert hat — und gleichzeitig ein komplexes Thema auf ein “Dafür oder Dagegen” zu reduzieren. Das sind, mit Verlaub, keine Beiträge zu einer Debatte sondern das ist versuchte Publikumsverdummung.

    P.S.: Vielen Dank für den Foto-Credit, aber ich denke, ich gebe ganz und gar Ihre Rechtsauffassung wieder, wenn ich mich jetzt einfach auf den Standpunkt stelle, dass sich eine Lizenzverletzung nicht nachträglich heilen lässt. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass die juristischen Söldnertruppen, die im Auftrag des presseähnlichen Angebotes “Welt” und somit im Auftrag der Axel Springer AG Lizenzforderungen aufgrund zitierter Textpassagen gegen Online-Publizisten geltend gemacht haben, sich mit einer Löschung dieser Passagen zufrieden gegeben hätten.

    Und für den Fall, dass Ihnen CC bis heute fremd war, was ich mir gut vorstellen kann, da Sie sich ja offenbar mit alternativen Lizenzen bislang allerhöchstens oberflächlich beschäftigt haben, zitiere ich einfach mal Sie selbst:

    “Um Missverständnissen vorzubeugen: Dass Vorschriften unklar sind, bedeutet natürlich nicht, dass man sie nicht einzuhalten hat. Im Gegenteil: Gesetz ist Gesetz”

    Insofern: Meine Rechnung ist auf den Postweg zu Ihnen und behält natürlich ihre Gültigkeit.

     
     
    • Christoph Keese

      Zitate: Suche ich heraus.
      Lessig: Fast alles von ihm gelesen
      CC: Glauben Sie es einfach, ich beschäftige mich seit Jahren mit dem Thema, auch mit CC
      Dafür / Dagegen: Fachdebatte jederzeit gern
      Credit: Sorry! Zahle Ihnen Honorar.
      Können wir verbal jetzt mal abrüsten und eine sachliche Diskussion führen? In diesem Ton (“Volksverdummung”) kommen wir nicht weiter.

       
       
      • Peter Märklin

        Ein Springer-Mensch möchte “verbal abrüsten” und wehrt sich gegen das Wort “Volksverdummung”.

        Is’n Scherz, oder?

         
         
      • Typischbild

        Ich glaube Ihrer Aussage nicht das sie die Creative Commons wirklich kennen würden. Gegen diese spricht nämlich das Sie auch im Nachinein bei Ihrer “Korrektur” eindeutig die benötigte Lizenz nicht richtig genannt haben. Sie sollten sich schämen!

         
         
  25. Julian Finn

    Hallo Herr Keese,

    ich bin ja schon erstaunt, wie Sie hier in Sachen Leistungsschutzrecht und ihrem “Seitenhieb” argumentieren. Bitte belehren Sie mich, aber seit wann geht es denn in der Begründung für ein Leistungsschutzrecht darum, dass im Internet massenhaft Artikel komplett zitiert und weiterverbreitet werden? Und wenn es darum geht: Haben Sie einen Beleg dafür, dass dies in umfassender Weise geschieht? War das Argument nicht stets, dass Anbieter wie Google mit ihren Artikelauszügen einen Beitrag zahlen müssten? Also dass Google News massenhaft Artikelausschnitte publiziert?
    Warum kommen Sie nun also mit einem vollständigen Artikel (und der oben erwähnten Begründung), wo doch diese schon längst durch das Urheberrecht geschützt sind, da sie über die existierende Schrankenregelung des Zitatrechtes hinaus gehen?
    Sprich: Können Sie sich bitte wenigstens entscheiden, ob Ihr Problem echte Urheberrechtsbrüche (vollständige Kopie) oder massenhafte Zitate (kleine Ausschnitte, bislang durch das Zitatrecht gedeckt) sind?

    Danke.

     
     
    • Christoph Keese

      Hallo Herr Finn

      in der Diskussion um das Leistungsschutzrecht geht es seit Anfang an um massenhafte gewerbliche Kopien. Damit sind keine Zitate gemeint, da ja legal wären, sondern um Kopien, die nicht durch das Zitatrecht privilegiert sind. Das Leistungsschutzrecht ist zwar immer wieder in Zusammenhang mit Google gebracht worden, aber darum geht es nur am Rande. Im Vordergrund stehen viele andere gewerbliche Nutzungen. Es geht ausdrücklich nicht im Zitate. Das bisherige Zitatrecht wird durch ein Leistungsschutzrecht in keiner Weise eingeschränkt. Die Artikel von Markus Hündgens ist durch das Urheberrecht geschützt. Meine Komplettkopie ging eindeutig über die Schrankenregelung hinweg – Sie haben völlig Recht.

      Beantwortet das Ihre Fragen halbwegs?

      Best, CK

       
       
      • “Halbwegs” trifft es ganz gut. Ihre Logik leuchtet mir nicht ganz ein, ich versuche also noch einmal zusammen zu fassen:
        1. Sie wollen das Zitatrecht unberührt lassen
        2. Sie wollen dort kassieren, wo über das Zitatrecht hinaus Artikel gewerblich genutzt werden.
        Korrekt? Wenn ja, dann verstehe ich Ihr Problem nicht, denn das Urheberrecht erlaubt es Ihnen ja durchaus, dort zu kassieren, wo mehr als das erlaubte Zitat kopiert wird.
        Oder sind Sie etwa der Auffassung, das Zitatrecht sollte auf eine bestimmte Anzahl an zitierten Artikeln begrenzt werden? Oder gar darauf, dass ein Mensch den Artikel zitiert hat und nicht eine Maschine?
        (In letzterem Falle möchte ich ja ganz gerne wissen, wo Sie die Grenze zwischen Mensch und Maschine ziehen.)

         
         
  26. Hallo Herr Keese,

    springen wir doch bitte wieder sachlich auf das Thema “Livestreaming” zurück.

    Wenn ich mich richtig erinnere – bitte korrigieren Sie mich ansonsten – war der fünfstündige Livestream-Marathon zur britisch-royalen Hochzeit kein dumpfes Livesignal, sondern es wurden durchaus verschiedene Sendeelemente integriert.

    In der offiziellen Pressemitteilung nach dem Event heißt es demnach:

    “Neben der Live-Sendung bot Deutschlands größtes News- und Entertainment-Portal unter http://www.bild.de außerdem Tweets aus London, detaillierte 3D-Grafiken und ein Community-Tool, über das sich die User live austauschen oder Fragen an die Experten ins Studio stellen konnten. Mehr als 300.000 Facebook-User nahmen an der interaktiven Sendung von BILD.de teil und sorgten für mehrere tausend Kommentare im Chat.”

    Es gab also eine sehr aufwändige redaktionelle Leistung, verschiedene Sendeelemente und sogar ein Studio mit Experten. Und das über fünf Stunden lang.

    Auch zum Erfolg hält die Pressestelle sich nicht zurück:

    “Zum ersten Mal übertrug das Nachrichtenportal eine Veranstaltung live aus dem Ausland und war mit eigenen Kamerateams vor Ort. In der Zeit von 10.00 bis 15.00 Uhr erzielte BILD.de mehr als drei Millionen Abrufe des Live-Streams aus London und dem eigenen Studio aus Berlin. Zum Höhepunkt der Hochzeitszeremonie in Westminster Abbey verfolgten über 85.000 User gleichzeitig die Übertragung auf dem Onlineportal. Mit dem Live-Event erreichte BILD.de ein Plus von 40 Prozent bei den Visits im Vergleich zu einem durchschnittlichen Freitagvormittag.”

    85000 Zuschauer gleichzeitig zur Spitzenzeit. Insgesamt 3 Mio. Zuschauer. Damit würden Sie bereits sichtbar bei einer TV-Quotenmessung abschneiden.

    Interessanterweise schließt die Pressemitteilung mit einem Statement ihres Web-TV-Chefs Daniel Durst (den ich übrigens fachlich sehr schätze) mit den Worten: “”Wir haben redaktionell wieder viel Neues ausprobiert – und wie die Abrufzahlen und die vielfältige Beteiligung der BILD.de-User zeigen, haben wir online eine sehr überzeugende Alternative zu den zahlreichen aktuellen Fernsehsendungen geboten.” Eine sehr überzeugende Alternative – zum Fernsehen. Sprich: Rundfunk.

    Ihre eigene Pressemitteilung zum Nachlesen finden Sie übrigens u.a. hier: http://j.mp/qlHAfq

     
     
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  29. Sehr geehrter Herr Keese!

    Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen:

    “Das Live-Streaming der britischen Hochzeit war daher ein Punkt, jedoch keine Linie.”

    Wo Sie schon mal dabei sind: Können Sie uns – mit ähnlich poetischen Metaphern und Beispielen – auch noch einmal kurz “presseähnlich” definieren und erklären, warum der Gesetzgeber trotz fortlaufender Seitennummerierung nicht festgelegt hat, dass man eine Zeitung nur in der vorgesehenen Reihenfolge durchblättert? Andernfalls kämen Sie ja womöglich in Teufelsküche.

     
     
    • Christoph Keese

      Zur Presseähnlichkeit siehe Fragen & Antworten unter “Warum Verlage gegen die ARD klagen” in diesem Blog

       
       
  30. Herr Keese,

    Sie schreiben: “Kritiker des Leistungsschutzrechts haben in den vergangenen Monaten für eine Mashup-Kultur plädiert, in der jeder alles nehmen und weiterverarbeiten darf. ”

    Haben Sie für diese Behauptung einen Beleg? Einen Link? Ein verbrieftes Zitat?

     
     
    • Christoph Keese

      Ja. Aber ich sage nicht, dass es alle Kritiker sind. Viele Kritiker treten für ein starkes Urheberrecht ein, aber gegen ein Leistungsschutzrecht für Verlage. Nach meiner Beobachtung ist das die Mehrheit. Eine Minderheit argumentiert entweder fundamental gegen jede Form von Schutz geistigen Eigentums oder tritt für eine Urheberrechtsreform à la Lawrence Lessig zur Förderung von Remix ein.
      Ich vermute, Sie sind für Urheberrecht von Autoren, aber gegen LSR für Verlage – stimmt das? Falls ja: Wenn Sie mögen, fände ich es interessant, einen sachlichen Online-Disput darüber mit Ihnen zu führen. Worauf kann man sich einigen, worauf nicht? – das wäre spannend zu lesen.

       
       
  31.  
  32. Weitaus interessanter finde ich die Frage, was/wer u.a. die BILD bevollmaechtigt hat inzwischen bereits hunderte Videos von Youtube zu rippen, diese auf den eigenen Server zu laden, mit entsprechenden Preroll-Ads auszustatten und den Lesern zu praesentierten?

    Wohlgemerkt handelt es sich hier um Werke die nicht unter die CC-Lizenz fallen.

    Ist Content-Diebstahl (denn nichts anderes wird hier betrieben)in den Redaktionsraeumen des Springer-Verlags inzwischen legitimiert oder werden die Produzenten der Clips kontaktiert und um Erlaubnis gefragt?

    Wie schaut es mit den generierten Werbeeinnahmen aus? Werden die Urheber an diesen beteiligt?

     
     
  33.  
  34. Hallo Herr Kreese,
    was mir nicht klar ist:
    Woher nehmen Sie die Grundlage für Ihre Annahme, dass Gegner des Leistungsschutzrechtes kein Problem mit ungenehmigten, illegalen Kopien haben?
    Es grüßt
    Markus Sommer

     
     
    • Christoph Keese

      Ich würde mich freuen, wenn Sie Recht hätten. Viele – aber längst nicht alle – Kritiker des Leistungsschutzrechts haben in den vergangenen Monaten für eine Mashup-Kultur plädiert, in der jeder alles nehmen und weiterverarbeiten darf. Auch wichtige Stimmen in der Enquete-Kommission des Bundestags vertreten die Auffassung, dass ein Urheberrecht entstehen sollte, das auf die Perspektive des Nutzers statt des Autoren abstellt. Das würde eine erhebliche Ausweitung der Kopierrechte und eine Einschränkung der Autorenrechte bedeuten.
      Diese Stellungnahmen darf man also gewiss nicht verallgemeinern. Heute habe ich gelernt, dass Sixtus, Videopunk und einige andere durchaus gegen illegales Kopieren und für den Schutz geistigen Eigentums sind. Sixtus hat mir sogar eine Rechnung geschickt. Insofern war es ein guter Tag.
      Viele Grüße
      Christoph Keese

       
       
  35. audin webman

    Guten Tag zusammen,

    ich habe da eine Anmerkung zum Thema “gewiss keine fernsehtypische Sendefolge”:

    ist eine Playlist denn keine fernsehtypische Sendefolge, vor allem dann, wenn vor dem Beitrag oder in den laufenden Beitrag fernsehtypische Werbespots eingebettet werden? Wenn ich auf SPON “Video” auswähle beginnen sofort die Werbung und die Beiträge, das sieht aus wie Fernsehen, hört sich so an und schmeckt auch so.

    Dieses Scharmützel ist ja aus der Fehde Verlage vs. ARD/ZDF entstanden. Vielleicht können Sie mir daher auch noch folgende Frage beantworten:

    Warum gehen Sie nicht gegen die kostenlose App von N24 und/oder n-tv vor?

    Wieso behaupten Sie, dass die Tagesschau-APP vom Steuerzahler finanziert wird und verschenkt wird? Nein, sie wird doch von meinen GEZ-Beiträgen/Gebühren (mit)finanziert.

    Und Schlußendlich, legen Sie wert auf eine Unterscheidung von Text und Filmbeiträgen. Schließlich sei bei den ÖRs der Textanteil viel zu hoch, bzw. gehe über den rechtlichen Rahmen weit hinaus. Glauben Sie das in 10 Jahren noch viel gelesen werden wird? Was machen denn dann die Verlage? Nur noch TV und Hörbeiträge? Der Erfolg der Sprachsynthese ist nicht zu stoppen. Und nun mal Butter bei den Fischen, wer möchte nicht lieber diktieren als schreiben, wer möchte nicht lieber vorgelesen bekommen als selber auf den Monitor zuschauen? Die Geschichte zeigt doch wie der Rundfunk den Verlagen geschadet hat, dann das Fernsehen dem Rundfunk und ich wette eine Kiste Gerstensaft, dass die Technik des Webrowsers, das mühselige Aufrufen von Webseiten über Eingabe der URL, lesen und scrollen alleine schon wegen der technischen Miniaturisierung auf Tastatur und dedizierten Bildschirmen verzichtet werden wird.

    PS: Vielleicht definieren sich die Verlage falsch? Alle bringen die gleichen Nachrichten. Anscheinend geht es nur noch darum, wer das ein oder andere Detail mehr hat, die bessere headline, das beeindruckendere Bildmaterial oder einige Minute Vorsprung. Wirkliche Vielfalt kann ich da nicht erkennen. Im gegenteil das führt gerade dazu, dass ich google-news nutze und mir zu einem Thema die 127 Artikel anzeigen lasse und mir die zum lesen rauspicke welche am sachlichsten erscheinen und nicht wer zuerst da war oder die beeindruckenste Headline hat.

    So,

    weiter machen
    mfG Markus Schr. Düsseldorf

     
     
    • Christoph Keese

      Hallo!

      In aller Kürze Antworten auf Ihre Fragen:

      Spiegel Online: Zu SPON kann ich hier nichts sagen. Das müssten Sie die Kollegen bitte selbst fragen

      N24/n-tv: Private TV-Sender unterliegen nicht dem Rundfunksstaatsvertrag. Ihnen ist elektronische Presse nicht gesetzlich untersagt.

      Textanteil: Ja, es wird noch viel gelesen werden, vielleicht mehr als heute. Auch heute wird viel gelesen.

      Nachrichten: Bei manchen Themen gibt es sicherlich Ähnlichkeiten, besonders ganz kurz nach Ereignissen. Die Bombenanschläge in Bombay kann keine Redaktion in den ersten 10-20 Minuten mit individuellen Korrespondentenberichten abdecken. Über den Tag bieten die Nachrichtenwebseiten nach meinem Eindruck eine breite Vielfalt an, und die Zeitungen erst Recht.

       
       
  36. Ich kapiere nicht wozu man überhaupt eine Sendelizenz erwerben soll. Im Internet gibt es, anders als beim Rundfunk im eigentlichen Sinne (also “Funk”), keine begrenzte Anzahl an Kanälen.

     
     
  37. In der Mathematik spricht man von kontinuierlich statt von linear in diesem Zusammenhang. Im Gegensatz zu diskret, was freilich auch Zurückhaltung bedeuten kann, die ich mir verkneifen will, denn ich halte den Abdruck des Textes von Markus Hündgen für genauso unverschämt wie falsch begründet.

     
     
  38. Hallo Herr Keese,

    verzeihen Sie mir meine Unwissenheit, aber meine Zeit als Print-Volontär ist anscheinend zu lange her, um Ihr spezifisches Problem zu verstehen. Sie haben ohne Erlaubnis meinen Text von meinem Kunden kopiert, nur um zu beweisen, dass es ein Leistungsschutzrecht für Presseerzeugnisse in Deutschland geben soll?

    Ich habe irgendwann gelernt, dass es für solche Fälle ein durchaus umfangreiches Urheberrecht gibt. Dieses besagt mir, dass ich Ihnen z.B. jetzt untersagen kann, den Blog-Text weiter zu verwenden.

    Warum also fordern Sie etwas ein, dass es schon längst gibt? Sie haben doch selbst gesagt, und beziehen sich damit explizit auch auf Journalisten: “Wenn es nicht sein muss, werden wir lieber nicht von einer staatlichen Behörde reguliert.”

     
     
    • Christoph Keese

      Das Urheberrecht schützt den Autoren, das Leistungsschutzrecht den Werkmittler. Typische Werkmittler sind Interpreten in der Musik, Plattenfirmen, Filmproduzenten, Konzertveranstalter oder Datenbankhersteller. Die Schutzgegenstände sind nicht deckungsgleich, sondern ergänzen sich. In der Person des Bloggers fallen Autor und Verlag zusammen. Ihr Text ist durch das Urheberrecht geschützt. Dem ZDF haben Sie vermutlich ein einfaches Nutzungsrecht eingeräumt. Durch das vollständige Kopieren habe ich Ihr Recht verletzt. Wenn der Werkmittler Ihres Textes Ansprüche gegen mich geltend machen möchte, kann er dies nur aus dem abgeleiteten Recht tun, das Sie ihm eingeräumt haben, nicht aber aus eigenem Recht. Das stößt der Praxis auf erhebliche Probleme, da Gerichte meist darauf bestehen, dass der Werkmittler die komplette Rechtekette für jeden Einzelfall nachweist. Bei einer geringen Zahl von Rechteverletzungen mag das noch zu leisten kann, beim heute aber vielfach vollautomatisierten, abertausendfachen gewerblichen Kopieren von Online-Texten aus journalistischen Webseiten ist der Einzelnachweis organisatorisch und wirtschaftlich nicht darstellbar. Jede einzelne Textkopie gilt als Rechtsverletzung, die einzeln behandelt werden muss. Mit dem Leistungsschutzrecht bekommt ein Werkmittler ein eigenes Recht, was seine Position in Gerichtsverfahren deutlich verbessert. Da dieses Recht nicht im Konflikt mit dem Urheberrecht steht, sondern es ergänzt, bringt das Leistungsschutzrecht dem Autoren keinen Nachteil. Im Fall eines Leistungsschutzrechts für Verlage sollen Autoren an den Erträgen des Rechts beteiligt werden, so dass ihnen sogar ein finanzieller Vorteil entsteht. Verlage sind derzeit die einzigen namhaften Werkmittler, die im deutschen Gesetz kein eigenes Leistungsschutzrecht haben. Die meisten anderen Werkmittler besitzen ein solches Recht seit Einführung des Urhebergesetzes Mitte der 1960er Jahre. Diese Gesetzeslücke soll nun geschlossen werden. Es handelt sich dabei weder um eine staatliche Regulierung noch um eine Subvention, sondern um die Schaffung eines Rechtsrahmens, in dem markwirtschaftliche Mechanismen sich entfalten können.
      Gegen die unstatthafte Vollkopie Ihres Textes in meinem Blog haben Sie als Urheber einen Anspruch auf Unterlassung und eventuell auf Schadensersatz, außer wenn Sie darauf verzichten. Sie haben Recht mit dem Hinweis, dass meine Kopieraktion nur Ihr Urheberrecht berührt, nicht aber ein Leistungsschutzrecht, das es für diesen Bereich noch nicht gibt.

       
       
      • Andreas E

        “Werkmittler”, “Schutzgegenstände” – this sounds very legalese…

        Herr Keese, sind Sie Jurist? :)
        (ernstgemeinte Frage)

         
         
        •  
          • in sachen leistungschutzrecht kann man mE gar nicht belesen sein, da es *nicht existiert*. oder hab ich jetzt was nicht verstanden?

               
             
             
          • Christoph Keese

            Doch, es existiert für zahlreiche Branchen. Siehe Urhebergesetz.

               
             
             
      • Das heißt also: Für mich als Autor bringt das Leistungsschutzrecht sogar mehr Geld. Weil die Verlage mir die leidige Abmahn-Arbeit abnehmen und z.B. meine “illegalen” Leser bzw. Multiplikatoren auf Schadenersatz festnageln. Verlage sind dann also eine Art Inkasso-Unternehmen, die wie die GEZ eine “Zeitungsgebühr” eintreiben?

         
         
      • Mett

        “Bei einer geringen Zahl von Rechteverletzungen mag das noch zu leisten kann, beim heute aber vielfach vollautomatisierten, abertausendfachen gewerblichen Kopieren von Online-Texten aus journalistischen Webseiten ist der Einzelnachweis organisatorisch und wirtschaftlich nicht darstellbar.”

        Wo findet denn dieses tausendfache gewerbliche Kopieren vollautomatisiert statt?

         
         
  39. Meinen Sie nicht, Herr Keese, dass Sie mit der dem Videopunk zugeschriebenen Einstellung Ihr eigenes Verhalten mit einer zweifelhaften Methode zu legitimieren versuchen und damit die eigene Argumentation unterminieren?

     
     
  40. Hallo Herr Keese,

    ich möchte Ihnen danken. Nachdem Ihre Pressestelle auch auf Nachfrage keine aussagekräftige Auskunft geben wollte und selbst die Berichterstattung in einem Ihrer Medien (Computerbild, http://j.mp/pwmfu7) keine Erkenntnis brachte, bezieht nun der Konzerngeschäftsführer persönlich Stellung zu der Thematik.

    Bevor wir in die Thematik “Livestreaming” einsteigen, ein kurzer freundlicher Hinweis. Von mir aus können Sie den komplettzitierten Blog-Eintrag auf Papierhütchen drucken und einer Rasselbande zeitungslesender Menschenaffen als Supplement spendieren. Nur bezweifle ich, dass das ZDF, als Eigentümer der Nutzungsrechte, nichts dagegen hat. Aber hey, Leistungsschutzkritiker haben’s nicht so mit dem Nutzungsrecht, oder?

    Da die Formalitäten nun abgefrühstückt sind, können wir uns der eigentlichen Thematik widmen. Erfreulicherweise liegen wir dort auf einer Linie. Sie halten die gesetzliche Regelung für unklar, bemängeln die Willkürlichkeit der “500″. Und schreiben ja selbst: “Insofern hat Videopunk Hündgen mit seiner Kritik an der gesetzlichen Vorschrift Recht.”

    In einem Punkt scheinen wir anderer Meinung zu sein: Sie führen die nicht vorhandene Linearität des Livestreaming-Angebotes bei bild.de als Hauptargument wider einer Rundfunklizenz an. Doch ab wann beginnt Ihrer Meinung nach Linearität? Ich erinnere mich an den Livestream (u.a. bei bild.de UND welt.de) zur britischen königlichen Hochzeit im April 2011. Wie viele Stunden am Stück bzw. linear haben Sie aus London berichtet?

    Ist somit bild.de kein Piratensender? Oder doch? Warum lassen Sie nicht einfach die Medienanstalten entscheiden. Bei vielen kleinen professionellen und semi-professionellen Livestreamern herrscht große Rechtsunsicherheit. Wie vorbildlich wäre es, wenn die Axel Springer AG beherzt einen Präzedenzfall schaffen würde. Die Lizenzgebühren sind doch ein Fall für die Portokasse. Und zehntausende Blogger und YouTuber würden es Ihnen mit Kusshand danken.

     
     
  41. Ich glaube, Sie unterschätzen das Thema. Die Formulierungen sind in der Tat in die Richtung interpretierbar – und deshalb (wie so manches andere in diesem Zusammenhang) potenziell problembehaftet. Nein, Verlage veranstalten kein Fernsehprogramm. Aber die Gesetzesänderung ist eben so medienneutral gestaltet, dass dies möglicherweise egal ist.

    An der Stelle der Verlage würde ich die Sache nicht auf die leichte Schulter nehmen. Auch nicht die Frage, ob Cookies und das generelle Datenspeichern nicht bald untersagt sein wird – was die Online-Werbevermarktung wie wir sie kennen komplett beenden wird.

     
     
    • Christoph Keese

      Wir beschäftigen uns mit diesem Thema und haben eine Rechtsauffassung dazu, für die gute Argumente sprechen. Aber aus der medienpolitischen Debatte ist bekannt, wie dringend der Rundfunkbegriff eigentlich einer Klärung bzw. Modernisierung bedürfte. Insofern ist es gut, dass anlässlich des Beitrags von Markus Hündgens so intensiv über das Thema diskutiert wird.
      Cookie-Regulierung ist in der Tat ein Thema, dessen Tragweite noch nicht richtig erkannt worden ist. Die Gesetzesvorhaben in Bundestag und Bundesrat verdienen mehr Aufmerksamkeit. Sie könnten große, auch negative Auswirkungen auf das Internet in Deutschland haben.

       
       

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