Ist Google ein Taliban? Nein!



Die Schlagzeile in der neuen Ausgabe des Branchenmagazins „Horizont“ klingt aggressiv: „Google ist eine Art Taliban“ heißt es da in großen Lettern über einem Interview mit mir zum Leistungsschutzrecht. Die Formulierung hat im Netz für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Deswegen möchte ich hier klar sagen: Nein, Google ist kein Taliban. Und ich möchte Google auch nicht mit einem amerikanischen Kriegsgegner gleichsetzen. Die Formulierung ist unglücklich gewählt, und wenn sie jemanden verletzt hat, tut es mir leid. Ihr Kontext wird deutlich, wenn man den entsprechenden Teil des Interviews liest. Dann wird klar, dass es um ein technisches Detail von Rechtesprachen geht:

Das Gespräch mit Redakteurin Katrin Lang handelt sachlich und ruhig von den Einzelheiten des Leistungsschutzrechts. Eine der Fragen lautet:

Die Krux an der Sache ist doch: Wieso sperren die Verlage die Snippets für Google nicht einfgach schon jetzt?

Darauf habe ich geantwortet:

Wie sollen wir die denn sperren? Jetzt sagen Sie: mit robots.txt. Da kann man ja ganz einfach festlegen,: no index, no follow, no snippet. Und was geschieht dann? Man wird bei jeder Suchmaschine und jedem Aggregator unsichtbar. An oder Aus für alle und alles – das ist die einzige Wahl, die einem Robotx.txt lässt. Diese Technologie stammt aus der Steinzeit des Webs. Sie ist hoffnungslos veraltet und in keiner Weise mehr zukunftstauglich. Google klammert sich trotzdem an ihr fest, weil sie hilft, Monopolgewinne zu verteidigen. Robots.txt lässt nur die Wahl zwischen Pest und Cholera. Darauf haben die Verlage schon vor einem halben Jahrzehnt hingewiesen und gesagt, dass dieses Lichtschalter-Prinzip für das 21. Jahrhundert nicht mehr tauglich ist. Sie haben dafür geworben, dass maschinenlesbare Rechte-Sprachen entwickelt werden, die differenzierte Nutzungsbedingungen ausdrücken. Warum soll ein Verlag nicht sagen dürfen, für wen und in welchen Auszügen ein Text für welchen Preis gewerblich kopierbar sein soll? Google ist eine Art Taliban und wehrt sich gegen jede Art von Fortschritt.

So hat es die Redaktion gedruckt. Im Text, den ich freigegeben hatte, stand an dieser Stelle:

Warum soll ein Verlag nicht sagen dürfen, wie lange, für wen und in welchen Auszügen ein Text für welchen Preis gewerblich kopierbar oder eben nicht kopierbar sein soll? Das ist doch eigentlich das Natürlichste der Welt. Google hat aber jede dieser Initiativen unterdrückt und boykottiert. Man will dort nicht, dass differenzierte Rechte ausgedrückt werden. Google ist in diesem Punkt eine Art Taliban und wehrt sich gegen jede Art von Fortschritt.

Dass ich „in diesem Punkt“ sage, hat die Redaktion gestrichen und die verabsolutierte Aussagen „Google ist eine Art Taliban“ dann zur Überschrift gemacht. Besonders fair ist das nicht, aber ich will mich nicht beschweren. „Taliban“ ist der falsche Ausdruck. Gemeint habe ich „starr“ oder „orthodox“. Weder gesagt noch gemeint habe ich aber, dass Google ein fundamentalistischer Glaubenskrieger sei.



 

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